LANDKREIS KT

Gemischte Gefühle

Drei Landwirte erinnern sich an die schönen Seiten ihres Berufes. Und an die Schwierigkeiten, die im Lauf der Jahrzehnte zugenommen haben.

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Sie haben ihren Beruf geliebt – auch wenn nicht immer alles leicht war: Emil Erb, Anna Schmitt und Otmar Teske. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel. Keine wirklich neue Erkenntnis. Aber wie haben sich die Rahmenbedingungen für Landwirte im Landkreis Kitzingen in den letzten Jahrzehnten verändert? Und warum? Anna Schmitt, Emil Erb und Otmar Teske haben die Antworten.

Vor 50 Jahren haben die drei ihren Schulabschluss gemacht. Anna Schmitt in der Hauswirtschaftsschule, die beiden Herren in der Landwirtschaftsschule. 30 junge Männer aus dem Landkreis Kitzingen haben damals Landwirt gelernt – Jahrgang für Jahrgang. „Die Klassen waren immer voll“, erinnert sich Otmar Teske. Aktuell gibt es drei Landwirtschaftsschüler aus dem Landkreis Kitzingen. Sie gehen in Schweinfurt zur Schule.

Immer weniger Betriebe

Die Landwirtschaft war ein Teil des Dorflebens. Viel mehr als heute. 76 Milch-Lieferanten hat es Anfang der 70er-Jahre in Euerfeld gegeben. „Jetzt sind es noch vier“, sagt Otmar Teske. In Biebelried sank die Zahl der Milchviehbetriebe in dieser Zeit von 45 auf sieben. „Kein Wunder“, meint Emil Erb. „Sie müssen nur mal die Preise vergleichen.“

Durchschnittlich 20 Hektar groß war ein landwirtschaftlicher Betrieb Anfang der 70er-Jahre. „Davon konnten zwei Familien gut leben“, versichert Otmar Teske. Für einen Doppelzentner Sonnenblumen gab es 120 D-Mark. Heuer, rund 50 Jahre später, sind es 30 bis 35 Euro. Die gleiche Entwicklung bei Fleisch, Milch, Getreide: Die Erzeuger bekommen weniger Geld als vor 50 Jahren, obwohl die Verbraucherpreise in dieser Zeit gestiegen sind. „In den 80er-Jahren ging es deshalb mit dem Pachten los“, erinnert sich Emil Erb. Die Betriebe mussten wachsen, um genug Geld zu generieren. Nach und nach sind die Pachtpreise gestiegen. „Für gute Lagen zahlt man heuer schon 1000 Euro für den Hektar“, sagt Erb. „Das ist doch verrückt.“

Immer größere Maschinen

Analog zur Fläche wuchs auch die Zahl der Maschinen. Immer größer, immer moderner wurden sie. Spritzmittel nahmen Einzug in den Arbeitsalltag. „Damals hat keiner hinterfragt, ob die giftig sind“, erinnert sich Anna Schmitt. Eine kritische Auseinandersetzung setzte erst viel später ein. Im Nachhinein macht das Otmar Teske mehr als nachdenklich. Mit 56 Jahren hat er Darmkrebs bekommen, nicht der einzige aus seinem Jahrgang in Euerfeld. „Das gibt mir schon zu denken“, sagt er. „Wir haben das Gift bei der Arbeit in uns aufgenommen.“ Schutzvorkehrungen gab es damals nicht.

Trotz allem: Ihre Kindheit haben die drei in bester Erinnerung. „Nach der Schule waren wir alle auf den Feldern“, erinnert sich Anna Schmitt. Fürs Helfen gab es ein paar Pfennige, die sich am Ende des Tages summierten. „Dafür hat keiner von uns schwimmen gelernt“, erzählt Emil Erb und seine ehemaligen Schulkameraden nicken. Während die Stadtkinder im Sommer ins Freibad fuhren, mussten die Landwirtskinder auf den Feldern ackern. „Ich hatte trotzdem die schönste Kindheit“, sagt Emil Erb. „Die Dorfgemeinschaft war super.“ Heute seien die Dörfer an den Nachmittagen wie leer gefegt. „Die Ortskerne sterben aus“, bestätigt Otmar Teske. Ein Grund: Es gibt immer weniger aktive Landwirte.

Keine Nachfolger in Sicht

Ein Trend, den der Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Kitzingen (AELF), Gerd Düll, bestätigt. Vor 25 Jahren hat es noch mehr als 1000 Milchviehhalter im Landkreis Kitzingen gegeben. Heute sind es rund 125. „Die liefern in etwa die gleiche Menge wie damals“, berichtet Düll und spricht von einem schleichenden Prozess, der anhält. Nach der Statistik im AELF wirtschafteten im letzten Jahr 1302 landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis Kitzingen. „Heuer sind es wieder 30 weniger.“ Betriebsaufgaben gehören zum Alltag.

Vom Bullenmastbetrieb ist Emil Erb in den 70er-Jahren auf Milchvieh umgestiegen, später auf Ackerbau. „Den mache ich heute noch weiter“, sagt er. Einer seiner Söhne hat die Metzgerei übernommen. Otmar Teske hat Anfang der 90er-Jahre seine Kühe abgegeben. „Der Sohn wollte nicht in die Landwirtschaft.“ Ackerbau hat er noch betrieben, zusätzlich bei der BayWa gearbeitet. Seit 2006 ist er in Rente. Auch Anna Schmitt hat keine Nachfolge in der Familie gefunden. Ihre zwei Töchter wollten den Milchviehbetrieb nicht übernehmen. Auch sie hatte einen Zweitjob in einer Saatgutfirma. „Anders geht es gar nicht“, sagt sie. Wer von der Landwirtschaft leben will, der muss entweder wachsen oder sich ein zweites Standbein suchen.

Eine Entwicklung, die keiner der drei gestandenen Landwirte vor 50 Jahren voraussehen konnte. Beim Blick in die Zukunft sind sie entsprechend vorsichtig. „Es wird immer weitergehen“, meint Emil Erb, während Otmar Teske eine weitere Konzentration von Betrieben voraussagt. Angebote wie der Maschinenring werden weiter an Bedeutung gewinnen. Die notwendigste Veränderung spricht Anna Schmitt aus: „Die Preise müssen endlich wieder nach oben gehen.“ Keiner will ihr da widersprechen.

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