Kitzingen

Gemeinsame Lösung in Sachen Tierheim denkbar?

Kommunaler Zusammenschluss könnte Tierschutz auf starke Beine stellen
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ChristianSchönwetter

„Die Leute wollen lieber einen Lidl oder einen Aldi neben sich haben als ein Tierheim.“ Das sagt Christian Schönwetter, der die Rechtsabteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V. leitet und auch die Akademie für Tierschutz mit Sitz in Neubiberg vertritt. Er hat ähnliche Fälle erlebt wie das aktuelle Problem in Kitzingen, wo das Tierheim wegen gefährlicher unterirdischer Stollen akut von der Schließung bedroht ist. Christian Schönwetter war schon vor Monaten bei einer Bürgermeisterdienstversammlung im Kreis Kitzingen zugegen. Sein Rat: Die Landkreisgemeinden sollten sich zusammenzutun, um gemeinsam ein neues Domizil für Fund- und Abgabetiere zu finden.

Etwa zwei Drittel aller Vierbeiner, die im Kitzinger Tierheim landen, sind Fundtiere. Das heißt, sie wurden irgendwo in den 31 Gemeinden des Landkreises entdeckt, manche krank, andere verwaist oder entlaufen. Sie alle nahm und nimmt der Kitzinger Tierschutzverein als Träger des Tierheims auf. Eigentlich ist das jedoch eine kommunale Aufgabe. „Jede Kommune ist für die Tiere verantwortlich, die auf ihrer Gemarkung gefunden werden“, sagt Christian Schönwetter. Im Durchschnitt waren das in den vergangenen Jahren jeweils 160 Hunde, Katzen und Kleintiere im Kreis. Bisher haben die Kommunen die Fundtierbetreuung dem Tierschutzverein Kitzingen überlassen. Der kämpft jedoch seit Jahren – auch schon vor Bekanntwerden der Hohlräume im Untergrund – mit Finanzierungslücken, die den laufenden Betrieb gefährden. Schönwetter erklärt, weshalb: „Die Tierschutzvereine haben sich in ganz Bayern aus privaten Initiativen heraus entwickelt, vor über 100 Jahren schon. Jahrzehntelang haben die Tierschützer mit viel gutem Willen und persönlichem Einsatz alle Anforderungen ganz gut gemeistert.“ Der gute Wille und die Einsatzbereitschaft der Tierschützer werden laut Schönwetter mittlerweile jedoch immer stärker strapaziert: Personal-, Tierarzt-, Quarantäne- und Futterkosten steigen allesamt. „Das Geld reicht den Tierschutzvereinen hinten und vorne nicht mehr.“

Warum aber hat es früher gereicht? Schönwetter nennt zahlreiche Gründe. „Zum einen ist die Helfermentalität eine andere geworden. Ganz umsonst will oder kann kaum noch jemand arbeiten. Zudem bekamen die Tierheime früher viele gesunde Tiere, die sich gut vermitteln ließen. Heute versuchen viele Menschen zum Beispiel über eBay-Kleinanzeigen, noch Geld beim Verkauf ihrer Tiere zu machen.“ Nur die kranken, alten und damit kostenintensiven Tiere werden ins Tierheim gebracht. All das habe dazu geführt, dass der pauschale Sockelbetrag, den jede Gemeinde im Kreis Kitzingen fürs Tierheim zahlt, auch ohne die baulichen Probleme erhöht werden müsste. Da am jetzigen Tierheimstandort allerdings die Problematik der unterirdischen Höhlen dazukommt, müsse ganz neu überlegt werden, was für eine Art Tierschutz man im Landkreis Kitzingen künftig haben wolle, findet Schönwetter.

„Das Geld reicht den Tierschutzvereinen hinten und vorne nicht mehr.“
Christian Schönwetter, Deutscher Tierschutzbund

Ein gutes Beispiel ist für den Tierschutzfachmann der Landkreis Haßberge. Dort haben die Kommunen einen Zweckverband gegründet, der den Tierschutzverein mit der Fundtierbetreuung beauftragt hat. Gemeinsam wurde ein modernes, neues Tierheim mit Quarantänestation gebaut, das vor gut drei Monaten eröffnete. „Das Landratsamt ist beim Bau in Vorleistung getreten“, berichtet Karin Kraus, 2. Vorsitzende der Tierschutzinitiative Haßberge. Die Kommunen des Kreises Haßberge gründeten einen „Zweckverband Fundtier“ und kauften dem Landkreis das Tierheimgebäude per Umlage ab – für eine Million Euro. „Die Kommunen haben mit unserer Tierschutzinitiative nicht nur einen Pachtvertrag, sondern auch einen Fundtier-Pauschalvertrag abgeschlossen: Einen Euro zahlt jede Gemeinde pro Einwohner ans Tierheim.“ Die Summe decke 60 Prozent der Kosten, den Rest könne der Verein aber erwirtschaften, „über die ans Tierheim angeschlossene Tierpension, durch Vermittlungsgebühren und Feste.“

Auch im Kreis Haßberge habe es „langwierige Diskussionen“ gegeben, berichtet Karin Kraus. „Der damalige Landrat hat dann den Stein ins Rollen gebracht, indem er ein Grundstück gekauft hat.“ Alle 26 Kommunen des Kreises haben sich daraufhin zusammengetan und den Weg für einen Zweckverband geebnet. „Alle haben sich ihrer Verantwortung gestellt.“

Christian Schönberger empfiehlt allen Tierschutzvereinen generell, ihre Wirtschaftszahlen offenzulegen. „Die Kommunen sollen genau wissen, was wie viel kostet.“ Die Gemeinden sollten sich im Gegenzug überlegen, wie sie auf den gewachsenen Strukturen im Landkreis aufbauen „und gemeinsam mit den Tierschützern das Beste für alle herausholen können“. FOTO: Michael Claushallm



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