PRICHSENSTADT

Gekippte Kläranlage: Gewerbe-Abwasser mögliche Ursache

Im März 2013 war die biologische Kläranlage in Prichsenstadt gekippt, mit enormen Überschreitungen der Grenzwerte. Nun gibt es mögliche Verursacher.
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Abwasser (Symbolbild)

Vor etwas mehr als drei Jahren, im März 2013, war die biologische Kläranlage in Prichsenstadt gekippt, mit enormen Überschreitungen der Grenzwerte für Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor. Warum sie gekippt war und wie das künftig zu verhindern ist, war Thema in der letzten Stadtratsitzung des Jahres in Prichsenstadt. Das Ergebnis, das Christian Gora vom Büro Baur Consult den Räten präsentierte, lässt die damalige Angelegenheit und auch die Kläranlage in einem sehr viel positiveren Licht erscheinen als zunächst angenommen.

Die möglichen Verursacher

Gora hatte sich sehr intensiv auch mit den Daten des Betriebsablaufes befasst. „Die Ursache lag in einem zu hohen Zulauf von Abwasser, das nicht kommunalen, sondern gewerblichen Ursprungs war“, so seine erste Erkenntnis. Und: die Abwasserwerte waren alles andere als normal. „Die Anlage ist für 6000 Einwohnerwerte berechnet, in Spitzenzeiten hatten wir bis zu 22 700 Einwohnerwerte, und die Grenzwerte waren immer wieder extrem hoch überschritten worden“, sagte Gora. Als mögliche Verursacher kommen möglicherweise zwei große Gewerbebetriebe in Frage, deren Namen niemand im Rat nenne wollte. „Es handelt sich um sogenannte Starkverschmutzer“, so Gora.

Wobei dieser Begriff allein für sich irreführend ist, wie sich aus einem Gespräch dieser Zeitung mit Prichsenstadts Bürgermeister René Schlehr ergab. „Wir reden hier nicht über eine Umweltverschmutzung“, sagte er, „da werden keine Gifte in die Kanalisation entsorgt“. Vielmehr handele es sich um Stoffe, für die die biologische Kläranlage Prichsenstadt nur bedingt ausgelegt sei, weshalb auch die Werte in die Höhe gestiegen seien. Und: einer der beiden Betriebe hatte, nachdem das Kippen der Kläranlage bekannt geworden war, seine Abwässer zur Entlastung sofort in Container gelagert und in der biologischen Anlage in Kitzingen entsorgt. „Für diese Anlage waren die Abwässer ideal, da gibt es nicht das allerkleinste Problem“, so Schlehr.

Der zweite Gewerbebetrieb entsorgt seine Abwässer nach wie vor in die städtische Kanalisation, „und das ist aktuell ebenso wenig ein Problem wie der Anschluss von Neudorf an die Gruppe“, verdeutlichte Gora den Räten. Allerdings läuft die Betriebserlaubnis für die Kläranlage Prichsenstadt Ende des Jahres aus, und damit die Stadt Erfolg mit einem Verlängerungsantrag hat, hatte Gora dieses Gutachten über die Ursache des Kippens erstellt.

Es gibt Zuschüsse

Um eine Ertüchtigung der Anlage kommt die Stadt dennoch nicht herum. Was nicht überraschend kommt, denn schon seit Jahren steht ein Betrag von 920 000 Euro im Haushalt, berechnet über einen Zeitraum von fünf Jahren. Auch über diese Ertüchtigung hatte sich Gora Gedanken gemacht. Im ersten Bauabschnitt, der schon im kommenden Jahr laufen könnte, muss die sogenannte Phosphatfällung angegangen werden. Darunter versteht man die Entfernung von Phosphorverbindungen bei der Abwasserreinigung von Kläranlagen. „Das ist gesetzlich vorgeschrieben, weshalb wir das als erstes machen werden“, so der Bürgermeister in der Sitzung. Dieser Bauabschnitt ist mit gut 250 000 Euro angegeben, wobei die Stadt auf so viel Fördergelder setzen darf, dass für sie nur etwa 60 000 Euro übrig bleiben werden. Alle anderen Bauabschnitte „sind Zukunftsmusik“, so Schlehr. Die Verwaltung wird das gesamte Gutachten sichten und auswerten, alle weiteren Schritte überlegen sich die Gemeinderäte im kommenden Frühjahr.

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