KITZINGEN/ KREIS KT

Gegen die Ex- und Hopp-Mentalität

Der gemeinnützige Verein Aplawia will die Nachhaltigkeit weiter vorantreiben: Container für Secondhand-Kleider werden aufgestellt.
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Gemeinsam stark: Mona Sattler, Matthias Kerzinger und Patrizia Kando vom Aplawia e.V. hoffen, dass ihr Secondhand-Kleider-Projekt ein Erfolg wird. Foto: Foto: Diana Fuchs
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Die himmelblaue Hose – also modern ist die nicht mehr. Die Bluse mit dem spitzen Kragen vielleicht schon, aber die gefällt nicht mehr. Also ab damit in den Altkleidersack! Wenn der voll ist, kann man ihn entweder bei einer Straßensammlung abholen lassen, bei einem Hilfswerk beziehungsweise Secondhand-Shop abgeben oder in einen Sammelcontainer werfen. Solche Container haben verschiedene Organisationen aufgestellt. Seit neuestem mischt auch der gemeinnützige Kitzinger Verein Aplawia im Altkleidergeschäft mit.

Rund eine Million Tonnen getragener Klamotten wurden allein in Deutschland im vergangenen Jahr in Altkleider-Container oder Sammlungen gegeben, schätzt der Dachverband „FAIRwertung“ des gleichnamigen Vereins. Die Menge der weggeworfenen Kleidung steige immer weiter, während die Qualität der Textilien stetig abnehme. Unsere „Ex und Hopp“-Mentalität sei daran schuld: Wir tragen unsere Kleidung längst nicht mehr auf, der rasche Wechsel bei aktuellen Mode-Trends tut sein Übriges. Gemeinnützige Einrichtungen können gar nicht alle Altkleider brauchen, ein großer Teil wandert weiter an gewerbliche Abnehmer, die international agieren.

Eines dieser in Deutschland aktiven Unternehmen ist die Firma Tex-aid Collection GmbH, mit der ab sofort der Kitzinger Verein Aplawia („Andere planen – wir arbeiten“) zusammenarbeitet. „Wir sind gerade dabei, Stellplätze für unsere Altkleider-Container zu finden“, sagt Matthias Kerzinger, Assistent der Aplawia-Geschäftsführung. Zwölf Standorte im ganzen Landkreis seien schon vereinbart. „Mindestens doppelt so viele, gerne auch mehr, sollen es werden.“ Der Verein Aplawia, der im Kitzinger Gewerbegebiet Schwarzacher Straße das Gebrauchtwarenkaufhaus „Möbel und mehr“ betreibt und auch (Langzeit-)Arbeitslose in Lohn und Brot bringt, hat auf diese Container den Erstzugriff. „Wir dürfen alle Container 'berauben‘, wie das im Fachjargon heißt“, erklärt Kerzinger. Alles, was Aplawia nicht wieder- oder weiterverwerten kann, wird Texaid zu seinen Sortieranlagen transportieren und selbst verwerten. „Der letzte Rest wird zu Putzlappen verarbeitet.“

Im Kitzinger Aplawia-Kaufhaus wollen Matthias Kerzinger und seine Kollegin Mona Sattler die bestehende Kleider-Secondhand-Abteilung ausbauen. „Wir wollen Umweltschutz mit sozialer Arbeit verbinden“, erklärt Mona Sattler. „Indem wir die Recycling-Quote erhöhen, schonen wir die natürlichen Ressourcen, denn allein für die Herstellung eines einzigen Baumwoll-T-Shirts werden – je nach Verarbeitung und Färbung – zwischen 2000 und 15.000 Liter Wasser verbraucht.“ Und das in einer Zeit, in der der „Kampf ums Wasser“ weltweit immer intensiver und dramatischer wird.

Gleichzeitig ist der Kleider-Secondhand-Bereich für die Aplawia „ein Mittel zur Sozialarbeit“, betont Sattler. Langzeitarbeitslose und sozial Schwächergestellte finden bei der Aplawia eine sinnvolle Beschäftigung und werden in den Arbeitsmarkt integriert. „Wir haben unser Kaufhaus-Team bereits aufgestockt, so dass wir personell in der Lage sind, das Kleider-Sortieren zu bewerkstelligen und den guten Teilen einen zweiten Frühling zu bescheren“, sagt Sattler.

Matthias Kerzinger hofft, dass die Aplawia mit ihrem neuen Geschäftsmodell auch dazu beitragen kann, den illegalen „Wildwuchs“ an Containern einzudämmen. „Wir haben in den letzten Wochen oft gehört, dass Grundstückseigentümer skeptisch sind, weil es vielerorts Sammel-Container gibt, die total verdrecken“, berichtet Kerzinger. Durch die Zusammenarbeit von Aplawia und Texaid sei dagegen eine regelmäßige Abholung der Textilien ebenso garantiert wie die Reinigung des Stellplatzes. „Wenn der Container außerhalb der regelmäßigen Abholungstouren voll sein sollte, leeren wir auch spontan zwischendurch.“ Und: „Wir helfen auch dabei, illegal platzierte Container wegzuschaffen.“

Die Pressesprecherin der Stadt Kitzingen kennt die Problematik verschmutzter Stellplätze und den Wettbewerb der verschiedenen Container-Betreiber. Auf Anfrage dieser Zeitung schreibt Claudia Biebl: „In der Stadt gibt es eine Reihe von gemeinnützigen Vereinen und Verbänden, die Altkleider-Container betreiben. Neuester Anbieter ist die Aplawia. Wir möchten alle Partner gleich behandeln und suchen derzeit nach einer ausgewogenen Lösung.“

Bis Mitte des Jahres soll eine solche gefunden sein. „Die Nutzungsverträge mit den bisherigen Partnern sind alle bis Ende Juni 2019 befristet.“ Wie es danach weiter gehen wird? Die Aplawia hofft jedenfalls, im Altkleidergeschäft Fuß zu fassen, und zwar über die Stadt Kitzingen hinaus.

Altkleider verwerten – Container-Standorte gesucht

Container-Stellplätze: Wer die soziale Arbeit der Aplawia unterstützen möchte und/oder einen Container-Stellplatz zur Verfügung stellen will, kann sich an Matthias Kerzinger, Tel. 09321/25247, Mail: matthias.kerzinger@aplawia.de, wenden. Bereits vereinbarte Stellplätze befinden sich in Kitzingen im Wertstoffhof und zeitlich begrenzt bis 30. Juni an der Sickergrundhalle, am Bleichwasen und im Holländer Weg. Zudem gibt es neben dem Mongolen-Restaurant in der Panzerstraße einen Aplawia-Container, ebenso vor dem Secondhand-Kaufhaus im Lochweg 22.

Kleiderspenden: Private Kleiderspenden können auch weiterhin direkt im Gebrauchtwarenkaufhaus am Lochweg 2 in Kitzingen abgegeben werden. Kontakt: mona.sattler@aplawia.de

Texaid: Das Unternehmen entstand vor 40 Jahren aus einem Zusammenschluss von sechs Schweizer Hilfsorganisationen, darunter das Rote Kreuz. Ziel war und ist es, wirtschaftliches Handeln mit sozialer und ökologischer Verantwortung zu verbinden. Texaid verwertet die textilen Rohstoffe und erwirtschaftet aus deren Verkauf auch Mittel für karitative Organisationen. Hauptsitz ist der Schweizer Kanton Uri. Mit den Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Bulgarien, Ungarn und Marokko hat das Unternehmen 1000 Mitarbeiter. (ldk)

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