KITZINGEN

Der Müll zieht sie an: Immer mehr Ratten in Kitzingen

Offene Gelbe Säcke, Lebensmittelreste im Kanal: An einigen Stellen in der Kitzinger Innenstadt herrschen paradiesische Zustände für Ungeziefer.
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Wenn Gelbe Säcke nicht richtig geschlossen werden oder so vollgestopft, dass sie reißen, zieht das Ungeziefer an. Befinden sich dann noch Lebenmittelreste zwischen dem Plastikmüll, freuen sich die Ratten. Ihre Zahl hat in den letzten Monaten in Kitzingen massiv zugenommen. Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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Sie huschen am hellichten Tag über den Bürgersteig. Tun sich an Essensresten in Gelben Säcken gütlich. Laben sich an Speisen, die über Toilette und Gulli im Kanal landen. Für Ratten gleichen manche Ecken in Kitzingen momentan fast einem Paradies. Die Zahl der Tiere hat seit Herbst massiv zugenommen.

Frank Winterstein schlägt Alarm: Immer öfter teilen ihm besorgte Bürger mit, dass sie in Kitzingen Ratten gesichtet haben. „In der Innenstadt ist es besonders schlimm“, sagt der Leiter des Sachgebietes „Sicherheit und Ordnung“ bei der Stadt Kitzingen. Die Leute rufen im Rathaus an, fordern die Behörde auf, etwas zu unternehmen. Doch das kann sie nur begrenzt. Denn es sind in allererster Linie die Bürger, die mit ihrem Handeln dazu beitragen, dass die unerwünschten Tiere sich rasant vermehren können. Weil die Leute Müll in die Landschaft werfen, Gelbe Säcke nicht verschließen oder lange herumliegen lassen und Lebensmittelreste über Ausguss und Toilette in die Kanalisation kippen. Die Stadt kann zwar Köder auslegen, aber Frank Winterstein sagt ganz klar, dass das alleine nicht genügt. „Ohne die Hilfe der Bürger kommen wir nicht aus dieser Spirale heraus.“

„Die Zahl der Ratten hat seit Herbst massiv zugenommen.“
Frank Winterstein, Sachgebietsleiter

 

Worin diese Spirale besteht, erklärt Winterstein gemeinsam mit dem Leiter des Kitzinger Bauhofs, Georg Günther. Da ist zum einen der Müll, der überall einfach in die Gegend geworfen wird. „Die Leute lassen alles fallen, vom Zigarettenstummel bis zum angebissenen Brötchen“, so Frank Winterstein. Die öffentlichen Mülleimer, die durchaus vorhanden sind, werden ignoriert, man wirft das Zeug auf den Gehweg, in Häuserecken, in Büsche. Nicht nur Einzelteile übrigens, sondern auch ganze Säcke voller Müll. Bauhofleiter Georg Günther berichtet sogar von einem Unbekannten, der jeden Sonntag auf der Panzerstraße und der B8 seinen Hausmüll aus dem fahrenden Auto wirft. „Meine Mitarbeiter gehen jeden Montagfrüh durch und sammeln das ein“, berichtet er. Die Polizei sei bereits informiert.

Nicht nur der herumliegende Müll zieht Ungeziefer an, sondern häufig auch die Gelben Säcke. Nicht die Behältnisse aus normalen Einfamilienhäusern, wie Georg Günther betont. Damit gebe es keine Probleme. Schlimm sieht es aber oft dort aus, wo mehrere Wohnungen in einem Haus sind. Häufig werden die Säcke dort bis zur Abholung nicht in geschlossenen Räumen abgelegt, sondern in Nischen angesammelt. Die sind offen zugänglich und die Säcke häufig nicht richtig geschlossen oder so vollgestopft, dass sie reißen. Ist der Müll darin noch dazu nicht richtig getrennt, lockt das die Ratten an. Die intelligenten Tiere merken schnell, wo sie gut versorgt werden.

In manchen Bereichen werden die Gelbe Säcke zur Leerung zentral an der Straße abgelegt und das manchmal schon Tage bevor die Abfuhrfirma kommt. Ein Beispiel dafür sei der Kirchplatz, so Günther. „Da liegen dann 100 Gelbe Säcke. 70 werden geholt, 30 bleiben liegen.“ Denn häufig würden die Säcke falsch befüllt und dann nimmt die Abfuhrfirma sie nicht mit, sondern klebt einen roten Zettel daran.

„Das Fett wird in den Ausguss gekippt, kühlt ab, wird fest und lagert sich im Kanal ab.“
Georg Günther, Bauhofleiter

 

Bleiben die Säcke an solchen Stellen liegen, hat die Stadt ein Problem: Sie kann nicht mehr zuordnen, von wem der Müll stammt. Der Verursacher spürt keine Folgen. Die Allgemeinheit schon, denn die Mitarbeiter des Kitzinger Bauhofs müssen die Säcke abholen. „Es geht nicht nur um das Aussehen der Stadt. Wir müssen den Müll auf Kosten der Steuerzahler entsorgen“, macht Frank Winterstein deutlich.

Im Zuge der Kanalsanierung hat die Stadt noch einen weiteren Punkt entdeckt, der die Ausbreitung der Ratten unterstützt: Viele Gastronomen scheinen Lebensmittel über den Kanal zu entsorgen. Die Mitarbeiter der zuständigen Firma haben die Stadt darüber informiert, dass sie in manchen Bereichen – wie beispielsweise der Falterstraße – vermehrt auf Fette und eine Anhäufung von Lebensmitteln getroffen sind. „Das Zeug wird in den Ausguss oder ins Klo gekippt und wird bis zu einer bestimmten Stelle im Kanal transportiert. Dann wird es kalt, wird fest, lagert sich ab“, so Günther und Winterstein. Ein gefundenes Fressen für die Ratten. Die Firma habe einen Gastwirt bereits angesprochen. Vor allem bei Gastronomen, die nicht gut Deutsch sprechen, sei es schwierig, für das Problem zu sensibilisieren – was genauso für ausländische Bürger und den Gelben Sack gilt. „Wir müssten in ganz vielen verschiedenen Sprachen informieren.“

Die Stadt ist nicht untätig, was das Rattenproblem angeht. Drei Mitarbeiter des Kitzinger Bauhofes sind für die Bekämpfung zertifiziert. Sie haben, wie seit Jahren üblich, im Herbst die Köder ausgelegt, mit denen die Tiere bekämpft werden. Doch das scheint in diesem Jahr nicht zu genügen, wie sich an den vermehrten Meldungen über Ratten in der Innenstadt zeigt.

Der Bauhof kontrolliert

Rufen besorgte Anwohner bei der Stadt an, wird der Bauhof aktiv: Er kontrolliert die entsprechenden Straßenzüge, bringt erneut Köder aus. „In regelmäßigen Abständen kontrollieren wir dann, ob die Köder angefressen sind“, erklärt Georg Günther. Das Gift wirkt nicht sofort, sondern innerhalb mehrerer Tage, der Gerinnungshemmer lässt die Tiere innerlich verbluten.

15 000 bis 20 000 Euro gibt die Stadt jährlich für die Rattenbekämpfung aus – in diesem Jahr wird es wohl mehr sein.

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