Kitzingen
Plage

Geburtenkontrolle bei Tauben in Kitzingen

Da sitzen sie in ihren Nistnischen und warten. Doch die 32 Eier, die Harald Knott aus dem Taubenschlag im Kitzinger Rathaus entfernt hat, werden verschwunden bleiben.
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Ausgebucht ist die Tauben-Pension im Rathausdach. Dünne Metallstangen halten die Tiere derzeit im Inneren des Verschlags.
Ausgebucht ist die Tauben-Pension im Rathausdach. Dünne Metallstangen halten die Tiere derzeit im Inneren des Verschlags.
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Es klappt. Harald Knott freut sich - und mit dem Taubenfachmann wahrscheinlich so ziemlich die ganze Stadt. Der 50-Jährige ist dabei, die Taubenplage in Kitzingen in den Griff zu bekommen - und das auf die sanfte Art.

Unterm Dach des historischen Rathauses hat eine Pension der besonderen Art eröffnet: eine Unterkunft für die Tauben Kitzingens. Innerhalb von vier Tagen war sie ausgebucht. Denn: Harald Knott hat ab dem 8. April fast 100 Tauben im Stadtgebiet eingefangen und sie in ihr neues Domizil gebracht: komfortable Regalnischen mitsamt Nistschalen hoch über den Köpfen der Stadträte. Vollverpflegung inklusive, ebenso wie Gesundheits-Checks.

Dieses Rundum-sorglos-Angebot hatte bereits Folgen: 32 Eier hat Knott zum Wochenende hin aus den "Zimmern" der Tauben herausgeholt. "Die kriegen sie auch nicht wieder", erklärt der Experte, der sich quasi als Geburtenkontrolleur betätigt. "Die Paare werden dann ein zweites Mal brüten. Von den zwei Eiern, die die meisten so ungefähr in zehn Tagen legen werden, wird ihnen dann eines gelassen." Das andere ersetzt Knott durch ein Gipsei, aus dem selbst bei bester Bebrütung keine neue Taube schlüpfen kann. Auf diese Weise soll die Menge der "Gurrer" in Kitzingen auf lange Sicht "verträglich dezimiert" werden.

Das größte Problem, das die vielen Tauben der Stadt bescheren, ist der Kot der Tiere. Er ist sehr aggressiv und kann Schäden an Bauwerken anrichten. "Jedes Ei weniger bedeutet auch etwa ein Kilogramm Kot weniger", erklärt Knott. So gesehen, sind den Kitzinger Dächern und Plätzen also schon zehn Tage nach Start des Projektes 32 Kilogramm Taubendreck erspart geblieben.

Dass die Tauben-Umsiedlung und die Geburtenkontrolle so gut angelaufen sind, freut auch Anna-Maria Kreß von der Stadtverwaltung, die das Taubenprojekt koordiniert. "Wenn es so weiter geht, werden wir auf einen gut verträglichen Bestand kommen."

Das hofft auch Harald Knott. "Bis jetzt funktioniert der Plan." Zu den eingefangenen Tauben haben sich schon fünf, sechs weitere gesellt - "das ist super". Von draußen hereinzukommen, ist kein Problem. In die andere Richtung aber geht es für die Tauben derzeit nicht. Die dünnen Stangen am "Ausguck" öffnen sich aktuell nur nach innen. Knott erklärt, weshalb: Die Tiere müssten sich erst an ihr neues Zuhause gewöhnen. Sobald das der Fall ist - in einigen Wochen wohl - , könne der Taubenschlag komplett geöffnet werden.

Noch sind die Rathaus-Täubchen ziemlich scheu. Sobald sich ein Fremder nähert, gurren sie aufgeregt und ihr kollektiver Flügelschlag klingt, als würde ein ferngesteuerter Hubschrauber starten. Bei Harry Knotts Anblick werden die Tiere aber ruhiger. "Sie gewöhnen sich immer besser ein", stellt der Experte fest, der den Tauben täglich Futter gibt, ihre Gesundheit im Auge hat und den Verschlag säubert.

"Bitte nicht füttern"

Knott, der in Kitzingen bisher vor allem durch seine Motorradliebe bekannt war, hat alles über die Taubenzucht schon als Kind gelernt - von seinem Opa. Der hat ihm auch beigebracht, dass es ganz schlecht ist, Wildtauben zu füttern. Das sei falsch verstandene Tierliebe, vergrößere nur das Kot-Problem und sei außerdem der Rattenplage zuträglich. "Besser ist es, eine Spende an die Stadt zu geben - für das Futter, das die betreuten Tauben bekommen."
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