Kitzingen
Prüfung

Garten- und Landschaftsbau: Kitzingen schlägt neue Seiten auf

Erste Zwischenprüfung in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau in der Stadtgärtnereil.
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Kritischer Blick: Prüfer Markus Schwarzkopf schaut seine Notizen durch, während die Auszubildenden ihre Aufgabe bewerkstelligen.
Kritischer Blick: Prüfer Markus Schwarzkopf schaut seine Notizen durch, während die Auszubildenden ihre Aufgabe bewerkstelligen.
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Die jungen Menschen knien auf dem Kies, verteilen mit der Kelle Sand, sind ganz vertieft in ihre Arbeit. 85 Minuten haben sie Zeit für ihr Werkstück. Jeder Arbeitsschritt wird genauestens beäugt von den Prüfern, die sich auf ihren Klemmbrettern Notizen machen. Für Kitzingen ist diese Zwischenprüfung eine Premiere. Noch nie sind in der Stadtgärtnerei Prüfer und Prüflinge für den Garten- und Landschaftsbau zusammengekommen.

Johannes Lindner schaut zufrieden drein. Der Stadtgärtner ist stolz, dass "sein Betrieb" erstmals Prüfungen dieser Art beherbergt. "Das ist gut fürs Renommee", sagt er. "Und passt gut ins Bild von Kitzingen als Gärtnerstadt."

Dieses Bild hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verfestigt: Gepflegte Grünbereiche, die Kleine Landesgartenschau, Entente Florale: Kitzingen hat sich einen Ruf als grüne Gärtnerstadt erworben.
Die erste Zwischenprüfung für Garten- und Landschaftsbauer erscheint da nur als logische Konsequenz.
Ganz einfach ist es allerdings nicht, so eine Prüfung ausrichten zu können. "Man braucht die entsprechende Ausrüstung, muss auch die Zeit zur Verfügung stellen und von der Betriebsführung geeignet sein", erklärt Lindner.

Das Amt für Landwirtschaft hat sich den Betrieb in der Äußeren Sulzfelder Straße ein paar Mal angeschaut. "Ein großartiger Standort", urteilt Gerhard Reichelsdörfer. Der Leiter der Gartenbauzentrale Bayern Nord macht sich vor Ort selbst ein Bild von den Prüfungen.

Im Gewächshaus können insgesamt 57 Auszubildende aus ganz Unterfranken an drei Prüfungstagen unter realen Bedingungen arbeiten. Tageslicht, aufgeschütteter Boden, alle benötigten Materialien greifbar. Ein paar Meter weiter im Außenbereich hat Lindner einen Parcours mit Pflanzen aufgestellt, deren lateinische Namen die Auszubildenden ebenfalls wissen sollten. In der Werkstatt wirken die bunten Stühle und Einzeltische - geliehen aus der Richard-Rother-Realschule - etwas fremd. Sie erfüllen ihren Zweck für den theoretischen Bereich der Prüfung aber hervorragend.

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Landschaftsgärtner in der Regel. Mindestanforderung ist der Qualifizierende Hauptschulabschluss. "Es gibt aber auch viele Abiturienten unter den Auszubildenden", erklärt Lindner. Die absolvieren ihre Ausbildung in der Regel in zwei Jahren und schließen ein Studium der Landschaftspflege an.

Wie auch immer der Weg ausschaut. "Es ist ein äußerst vielseitiger Beruf", schwärmt Lindner, der selbst seit 20 Jahren Mitglied des Prüfungsausschusses ist. Naturstein- und Pflasterarbeiten, Sportplatz- und Teichbau, Wege- und Kanalbau. Als ob das noch nicht genug ist, legen Landschaftsgärtner Wasserläufe an, begrünen Dächer oder sind bei Erschließungsmaßnahmen gefragt. "Mit Fließbandarbeit hat das nichts zu tun", bestätigt Gerhard Reichelsdörfer. Wer sein Gesellenstück erfolgreich gemacht hat, hat nach seinen Worten außerdem blendende Berufsaussichten. "Normalerweise gibt es vor Ort genügend Stellen."

Die Stadt Kitzingen beschäftigt pro Lehrjahr einen Auszubildenden im Garten- und Landschaftsbau und bis zu zwei so genannte Werker, die den Gesellen später einmal zuarbeiten sollen. "Aktuell sind zehn gelernte Landschaftsgärtner bei der Stadt beschäftigt", informiert Lindner. Wer weiß: Vielleicht waren unter den 57 Zwischenprüflingen ein paar Kollegen der Zukunft. Zuerst müssen die Auszubildenden aber erst einmal ihre Abschlussprüfung bestehen. Oberbürgermeister Siegfried Müller wünscht sich, dass so eine große Prüfung auch einmal in Kitzingen über die Bühne geht. Nach den drei erfolgreichen Tagen der Zwischenprüfung sicherlich kein allzu unrealistischer Wunsch.
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