Obernbreit
Kunst

Galen Vinson hat den Blick für Obernbreiter Köpfe

Galen Vinson beweist immer wieder, dass er ein Auge für Kunst hat - obwohl seine eigenen sogar zu schlecht sind, um Auto fahren zu dürfen. Der Liebenswürdigkeit seines vielfältigen Werks tut diese Tatsache aber keinen Abbruch.
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Galen Vinson vor seiner Bildergalerie - die Menschen auf den Fotos dürfen ihr Abbild gerne mitnehmen.
Galen Vinson vor seiner Bildergalerie - die Menschen auf den Fotos dürfen ihr Abbild gerne mitnehmen.
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Tick - tack - tick - tack - und dann ein zehnstimmiges "Gongggggg"... Galen Wilson schaut von seiner Arbeit auf, nimmt die Brille mit den dicken Gläsern von der Nase und und begutachtet sein Werk. Goldglänzend bewegt sich das Uhrwerk, die winzigen Zahnräder greifen ineinander, die Zeiger drehen sich.

"Wenn sie denken, that is filigrane Arbeit, dann ham sie noch kei wirklich kleine Uhren gesehen", erklärt er in bestem "fränglisch". Dann wendet er sich wieder seiner Arbeit zu - denn ihm läuft im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit davon.

Dabei ist es nicht so, dass Galen Vinson Hektik hat - ganz sicher nicht. "Ich habe viel, viel Zeit", sagt der Amerikaner, der seit inzwischen über 31 Jahren in Deutschland lebt. Allerdings stellt er am Sonntag seine Werke aus: Uhren mit dem Funken Heimat, jede einzelne in mühevoller Handarbeit hergestellt. Die geduldigen Finger für diese "Fieselei" hat der Rentner, er spürt die Anstrengung vor allem in seinen Augen. Auf dem rechten ist er quasi blind, in seinem Ausweis stehen 70 Prozent Sehbehinderung.

Mit Fingerspitzengefühl

Das hält Galen Vinson aber nicht davon ab, die individuellen Wanduhren herzustellen - und sich seiner zweiten, großen Leidenschaft neben den Uhren zu widmen: dem Fotografieren. "Der Fotoapparat ist eine Art Sehhilfe für mich", sagt er. "Ich bin immer und überall mit dem Foto unterwegs." Inzwischen hat er das richtige Fingerspitzengefühl für die Situation. "Es gibt nichts Schlimmeres, als ein gekünsteltes und gestelltes Foto." Der Wahl-Obernbreiter, der dort nicht nur eine neue Heimat, sondern auch seine große Liebe gefunden hat, sieht besondere Situationen und Momente und drückt dann schnell ab. "Am schönsten sind Kinder als Motive - sie sind ehrlich und verstellen sich nicht."

Mit einer ganz anderen Generation von Fotomodellen hat er auch schon den Fotowettbewerb "Blende" gewonnen, den Die Kitzinger jahrelang ausschrieb. Als eine mindestens 90 Jahre alte Bäuerin aus ihrer Haustüre trat, nach dem Katzenfutter schaute und dann rückwärts wieder ins Haus zurückging, war Galen Vinson zur Stelle. Oder, wenn täglich ein Nachbar aus dem Ort seine vier Pferde ausführt. Oder, wenn sich die Obernbreiter auf der Kirchweih amüsieren, wie es an diesem Wochenende passieren wird.

Die Fotos, die Galen Vinson macht, können die Personen dann auch bei ihm abholen - und außerdem wird das Obernbreiter Archiv damit gefüllt.

Überhaupt hat er sich für die Gemeinde schon verdient gemacht. Zusammen mit Herbert Kallweit brachte er das Buch "Obernbreit - Ein Gang durch die Vergangenheit in alten Photographien" heraus. Darin sind unter anderem auch Fotos aus seinem Repertoire enthalten. "Wenn jemand ein bestimmtes Foto braucht - ich habe es", schmunzelt Galen Vinson.

Das tut er auch, wenn er ältere Werke zeigt. Eine Zeit lang zeichnete er zum Beispiel Fratzen, die als Ornamente an Fassaden im Landkreis angebracht sind. Oder Postkarten mit Motiven wie der Kirche oder dem Rathausensemble. "Ich bin sicher nicht der beste Fotograf, aber ich mache es einfach gerne", sagt er über seine Liebe zur Fotografie. Und die Zeit, sich mit tickenden Uhren zu beschäftigen, hat er noch dazu.


Info

Zur Person Galen Vinson wurde am 25. April 1945 in Oakland, Kalifornien geboren, ging dort zur Highschool, aufs College und die Universität, wo er Botanik, Kunst und Kunstgeschichte studierte. Nach seiner ersten Hochzeit und der Scheidung zog er nach Deutschland, wo er in Obernbreit seine zweite Frau Gudrun Decker kennenlernte. Bis zum Renteneintritt arbeitete er bei Farbendruck Brühl in Marktbreit. Seine große Leidenschaft war aber immer die Kunst - von Linolschnitt über Federzeichnungen bis hin zur Fotografie hat er vieles ausprobiert.

Ausstellung Eine Kostprobe seiner Kunst zeigt Galen Vinson am Sonntag, 11. November, von 10 bis 18 Uhr im Gemeindehaus in Obernbreit in der Kirchgasse.

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