Kitzingen
Sammeln

Fürs Pilzesuchen ist es noch nicht zu spät

Wer leckere Pilze sucht, wird auch in den Herbstferien noch fündig. Man muss nur die richtigen Stellen kennen.
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Pilze sammeln in den Herbstferien. Gibt´s nicht? Gibt´s wohl! Und wie.

"Kopf hoch. Immer den Kopf hoch." Karl Wenner hat nicht nur einen Blick für die Pilze, sondern auch für die unerfahrenen Sammler. Zehn Meter weit soll deren Blick über den Waldboden schweifen und dabei sollten sie sie sich bei der Pilzsuche am besten im Ziehharmonikamodus bewegen - also von rechts nach links und dabei immer den Waldboden abscannen. Meter für Meter werden so im Wald zurück gelegt. Immer auf der Suche nach leckeren Pilzen für ein abendliches Festmahl. So viel sei schon jetzt verraten: Die Körbe werden nach zwei Stunden gut gefüllt sein.

Anfang September geht die Pilzsaison normalerweise los. Ende Oktober ist sie normalerweise vorbei. "Das stimmt, wenn man von den bekanntesten Pilzen spricht", sagt René Emíl Klein, Sachverständiger aus Gnötzheim.
"Allerdings ist das auch die Zeit mit den meisten Giftpilzen und mit den schwersten Vergiftungen." Für Anfänger sind Pilze in dieser Zeit auch am schwersten zu bestimmen. "Man kann in jedem Monat Pilze sammeln", sagt Klein. "Vor allem im späten Herbst kommen sehr leckere Pilze wie Austernseitlinge oder Frostschencklinge." Sobald der erste Frost da ist, wird es für Anfänger sogar leichter. "Dann wachsen so gut wie keine Giftpilze mehr."

Pilzesammler beobachten ganz genau die Natur und das Wetter. "Im Frühjahr war es zu trocken", erinnert sich Karl Wenner, der immer wieder Gruppen durch den Steigerwald führt und ihnen die Welt der Pilze näher bringt. Dann hat es im August aber ausreichend geregnet. Und seither sind die Pilzesammler auf ihre Kosten gekommen. "Im Steigerwald sind viele unterwegs", sagt Wenner. "Vor allem an den Wochenenden."
Ganz einfach ist die Suche nach Pfifferling und Co. zur jetzigen Zeit nicht mehr. Viel Laub bedeckt den Waldboden. "Aber wer aufmerksam durch den Wald läuft, der findet schon noch was", versichert der Prichsenstädter Pilzekenner.

Am frühen Nachmittag geht´s los. Marianne und Walter Link aus Düllstadt wollen sich die Tour nicht entgehen lassen. Vorbei an Ebrach lenkt Walter Link den Wagen, der weitere Weg bleibt geheim. Pilzesammler haben ihre Lieblingsecken, Stellen, an denen sie auf jeden Fall fündig werden. "Seit 27 Jahren fahre ich hier schon rauf", erzählt Karl Wenner und seine Augen leuchten vor lauter Vorfreude. 2,5 Kilo an Steinpilzen hat er hier schon mal gefunden. An einem Tag wohlgemerkt. Oder jede Menge Totentrompeten, die nur alle drei Jahre wachsen. Heuer ist es wieder so weit. "Wir werden heute bestimmt fündig", verspricht er. "Wartet´s nur ab."

2800 Pilzarten gibt es an der Mainschleife und im Steigerwald. Natürlich sind nicht alle essbar. Wer sich nicht sicher ist, sollte auf jeden Fall einen fachmännischen Rat holen. Beispielsweise bei Sachverständigen wie Renate Schoor aus Würzburg oder Rene Emil Klein aus Gnötzheim. Sie sind zwei von rund 500 Experten, die unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Mykologie arbeiten und ihr Fachwissen unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Karl Wenner hat für alle Laien einen sicheren Tipp: "Finger weg von Lamellen." Will heißen: Hat ein Pilz unter seinem Hut Lamellen statt einem Schwamm, sollte er erst gar nicht in den Korb wandern. Steinpilze können hingegen unbedenklich verzehrt werden. Und die ersten Steinpilze finden sich tatsächlich schnell. Zehn Zentimeter ragt der wunderschön geformte Pilz aus dem Laub empor. Marianne Link ist ganz begeistert. Das Fleisch des Stils ist noch nicht zu wässrig, der Hut leider schon. Karl Wenner schneidet ihn auf und wirft die weichen Stücke wieder weg. "Steinpilze wachsen nie alleine", informiert er - und tatsächlich: Ein paar Meter weiter stehen zwei weitere Prachtexemplare.

"Vater und Großvater", sagt Wenner und schmunzelt. Ihm haben es vor allem die "Semmelstoppeln" angetan, kleine, beige-orangene Pilze, die unter ihrem Hut weder Lamellen noch Schwamm, sondern bröselige "Stoppeln" haben. "Ein Gedicht", sagt der Rentner. "Und im Steigerwald ausreichend zu finden." Vorher bückt er sich aber, um schwarze, flechtenartige Gebilde abzuschneiden, die jeder normale Waldspaziergänger keines Auges gewürdigt hätte. "Totentrompeten", schwärmt Wenner und es klingt, als habe er einen Klumpen Gold gefunden. "Die machen jede Bratensoße zu einem Gedicht", sagt er und säbelt weitere Stücke ab.

Nach zwei Stunden kann sich die Ausbeute sehen lassen: Rund sechs Kilo leckere Pilze haben die drei Sammler zusammengetragen. Ihr Rezept kann jeder übernehmen, auch in den Herbstferien: Kopf hoch und Augen auf.


Info

Beschränkung: Nicht mehr als ein Korb voll Pilze darf laut Bundesartenschutzgesetz pro Person pro Tag gesammelt werden.
Sachverständige in der Region:
René Emíl Klein, Gnötzheim 114 , Email: Remil78@gmx.de; Tel. 09339/991208; 0176/211 720 19, Internet: www.Pilzkurs-Emil.de, Renate Schoor, Alte Steige 1, Höchberg, Tel. 0931-4527600; Siegfried Willig, Birkenstraße 74, Schweinfurt, Email: siegfried.willig@gmx.de, Tel. 09721-23984.

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