MAINBERNHEIM

Fünf Jahrzehnte „Dienst am Kinde“

Maria Wittmann hängt nach 46 Jahren den Job als Kinderpflegerin an den Nagel. Am Sonntag wird „Oma Maria“ verabschiedet. „Ich liebe Kinder einfach“, sagt sie.
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So hat Maria Wittmann es am liebsten – im Kreise „ihrer Kinder“. Die Kinderpflegerin aus Leidenschaft wird am 2. Oktober nach 46 Jahren in Mainbernheim verabschiedet. Foto: Foto: Timo Lechner
„Die Ansprüche an die Kinder durch die Gesellschaft werden immer höher.“
Maria Wittmann Kindergärtnerin

„Oma“ gerufen zu werden – damit hat Maria Wittmann kein Problem. Schließlich ist die 63-Jährige Großmutter zweier neun und sechs Jahre alter Enkel. Und nach 46 Jahren im Dienst als Kinderpflegerin darf die Gollhöferin diesen Titel auch mit Stolz tragen, obwohl sie dem letzten Arbeitstag auch mit einem weinenden Auge entgegen sieht. „Ich liebe Kinder einfach“, sagt „Oma Maria“, die am Sonntag, 2. Oktober nach dem Erntedankgottesdienst um 9.30 Uhr in der evangelischen Kirche in Mainbernheim verabschiedet wird. Dann geht wohl eine der dienstältesten Frauen ihres Schlages in der gesamten Region in Rente.

Eigentlich hätte Maria Wittmann all die Jahre genug zu tun gehabt auf dem landwirtschaftlichen Anwesen, das sie bis heute mit ihrem Mann führt. Maria aber ging nicht. Sie blieb ihrem Beruf treu – vielleicht auch, weil es in ihrer Laufbahn immer wieder Menschen gab, die sie zum Kommen und Bleiben überredet hatten.

Einer davon war Pfarrer Sticht, der 1973 Maria Wittmann nach drei Jahren als Kinderpflegerin in Burgbernheim nach Mainbernheim holte, wo sie seitdem arbeitet. Kennen gelernt hatten sie sich ganz klassisch über eine Annonce im Rothenburger Sonntagsblatt.

Mitte der 1970er Jahre war der Kindergarten in Mainbernheim noch dort, wo heute das Gemeindehaus steht. „Ich war eigentlich unterqualifiziert als gelernte Hauswirtschafterin und mittlerweile Kinderpflegerin, um den Job einer Erzieherin zu übernehmen“, erinnert sich die gebürtige Krassolzheimerin. Jedoch nahm das vor rund 40 Jahren noch niemand so genau. Und auf der Kinderpfleger-Schule der Communität Casteller Ring konnte sie sich einiges abschauen.

1980 wurde dann der Kindergarten in Mainbernheim an der Stelle eröffnet, wo er heute noch steht und demnächst erweitert wird. Die eigene Familienplanung stand nun an, und an dieser Stelle verabschieden sich viele Vertreterinnen ihrer Zunft oft ins Privatleben. Maria aber ging wieder nicht.

Der damalige Dekan Wehrmann schuf für sie eine der ersten Teilzeitstellen für Kinderpflegerinnen in ganz Unterfranken. Wer ab 1973 in Mainbernheim aufwuchs – Maria war immer da. Und wer immer noch in Mainbernheim wohnt, dessen Kinder kann Maria sicherlich den ein oder anderen Schwank aus der Kindergartenzeit von Mama beziehungsweise Papa erzählen.

Vielleicht aber auch von den besseren, alten Zeiten. „Die Ansprüche an die Kinder durch die Gesellschaft werden immer höher“, sagt Maria. Hatten sie und ihre Kolleginnen manche Schwächen und Defizite noch durch Betreuung und Hilfestellung aufgefangen, gibt es für den Nachwuchs heutzutage ein wahres Arsenal an Fördermöglichkeiten – entsprechend dem Leistungsdruck, den schon junge Menschen unterliegen. Als Maria anfing, da gab es noch keine Vorschule mit Englischunterricht, geschweige denn Computer oder Handys. Aber: „Die Kinder sind immer dieselben geblieben.“ Und für die geht Maria auch heute noch leidenschaftlich auf die Arbeit. Dabei hat sie durchaus ein Sendungsbewusstsein, will dem Kind eine Hilfestellung für den Start ins Leben geben, auch die gute Botschaft Christi vermitteln.

Geschichten erzählen, das hat ihr immer Spaß gemacht. Und Stress kennt Maria heute noch nicht im Umgang mit den Kindern. „Man muss jedes Kind so akzeptieren, wie es ist. Dann kommt man selbst gut mit seiner Aufgabe zurecht.“ Und mit dem „Oma“-Titel sowieso.

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