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Fröhlich zum Finale ohne Finalistin

Man muss sie einfach mögen, die Fans der Fränkischen Weinkönigin Kristin Langmann: Obwohl die Bullenheimerin das Finale verpasst hat, waren 32 Getreue in Neustadt dabei.
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Zeremonie: Die Deutsche Weinkönigin Josefine Schlumberger (Mitte) und die neuen Weinprinzessinnen Caroline Guthier (links) und Katharina Fladung bekommen von ihren Vorgängerinnen die Krone aufgesetzt.
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Man muss sie einfach mögen, die Fans der Fränkischen Weinkönigin Kristin Langmann: Obwohl die Bullenheimerin vor einer Woche umstritten das Finale zur Wahl der Deutschen Weinkönigin verpasst hat, lassen sich 32 Getreue am Freitag die Fahrt nach Neustadt an der Weinstraße nicht entgehen.

Werner Kistner, Chef des örtlichen Weinbauvereins, lobt ausdrücklich die Teilnehmer. „Ihr seid die Besten“, ruft er zum Start der Busfahrt ins Mikrofon und verhehlt nicht, dass er über manche Absage der letzten Tage ein wenig enttäuscht ist. „Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Eigentlich wollten wir ja alle zusammen unsere Kristin begleiten, die heute in der Jury sitzt, obwohl sie eigentlich auf die Bühne gehört hätte.“

„Das einzig Gute ist, dass wir dem Ganzen heute sehr entspannt zuschauen können.“
Lukas Schmidt vor dem Finale ohne Kristin Langmann

Allzu überschwängliches Lob dafür, dass sie an der Ort ihrer größten Enttäuschung zurückkehrt und den sechs Finalistinnen beim Wettstreit um die Nachfolge von Janina Huhn zuschaut, rückt die 22-Jährige sogleich zurecht.

„Es ist abgesprochen, dass die Ausgeschiedenen der Vorrunde diesmal in der Jury mitstimmen. Man müsste sich also schon eine Ausrede einfallen lassen, und so etwas mache ich nicht. Zudem bin ich ja gespannt, was mich erwartet.“

Zur fröhlichen Stimmung trägt bei, dass im Bus schon bald nach Kristins Zustieg in Uffenheim mit Rotling, Bacchus und Silvaner angestoßen wird. „Das einzig Gute ist, dass wir dem Ganzen heute sehr entspannt zuschauen können“, findet Lukas Schmidt aus Bullenheim, der ein feines Tröpfchen aus dem eigenen Weingut mitgebracht hat.

Die scharfe Attacke von Herrmann Schmitt, seines Zeichens Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, an die Adresse des Deutschen Weininstituts stößt indes nicht nur auf ungeteilte Zustimmung. „In der Sache hat er recht. Wir alle waren vorher ganz euphorisch, vermutlich zu euphorisch“, merkt Werner Kistner an. „Aber manchmal muss man Dinge akzeptieren, auch wenn sie ungerecht sind. Für Außenstehende wirkt es nämlich sonst so, als seien wir schlechte Verlierer. Man kann uns ja vieles nachsagen – das aber bestimmt nicht.“

Werner, wie ihn alle nennen, prostet Kristin, ihrem Papa Wilfried und den Anderen zu. „Genau deshalb fahren wir ja nach Neustadt: Wir wollen sehen, wer gewinnt. Und wann haben wir denn wieder die Gelegenheit, mit einer Fränkischen Weinkönigin aus Bullenheim an so einem Ereignis teilzunehmen?“

Auf alle Fälle steigt die Stimmung im Bus, auch wenn am Weinsberger Kreuz ein Stau den Zeitplan ins Wanken bringt. Kristin ist da längst hinten im Bus bei ihren Mädels: Dabei sind zum Beispiel die Weinprinzessinnen Theresa (Seinsheim), Nicole (Ippesheim), Sophia (Bullenheim) und deren Nachfolgerein Lena, die im Frühjahr 2016 übernimmt.

Im Saalbau Neustadt sitzen die Franken dann ganz oben auf der Empore. Werner hat die Losung ausgegeben: „Probiert alle Weine und esst dreimal, die Karten waren teuer genug.“ Ausgeschenkt werden zehn Weiße und zwei Rote aus den zwölf Anbaugebieten. Dass beim Kandidatinnen-Spiel „Sag die Wahrheit“ ein ganzer Block über die Hochschule Geisenheim geht, kommentiert Kristin Langmann später so. „Was soll das? Was hätte jemand wie ich, der dort nicht studiert hat, sich also nicht auskennt, dazu fragen sollen?“

„Probiert alle Weine und esst dreimal, die Karten waren teuer genug.“
Werner Kistner bei der Fahrt zum Finale nach Neustadt

Richtig entspannt wirkt die Fränkische Weinkönigin am Abend nicht mehr. Die Fragen von Reportern nach ihrem Befinden, ihrer Meinung zu Herrmann Schmitts Attacken, das alles hat die 22-Jährige offenbar doch ein wenig mitgenommen. Was für ein schönes Bild, als sie weit nach Mitternacht im Bus an der Schulter von Papa Wilfried schläft, auf dem Weg zurück nach Franken.

Irgendwann gegen drei Uhr am Samstagmorgen, kurz vor Uffenheim, verrät Werner Kistner fast beiläufig, warum ihm diese Fahrt sehr am Herzen gelegen ist. „Ich bin jetzt 20 Jahre Vorsitzender des Weinbauvereins, höre im Dezember auf. Als ich 1995 anfing, gab es wenig später mit Martina Riedel aus Ipsheim die erste Fränkische Weinkönigin aus Mittelfranken. Und jetzt zum Abschluss die Zweite. Einen besseren Zeitpunkt gibt es nicht, die Aufgabe in jüngere Hände zu übergeben.“

Die 1200-Jahr-Feier des Ortes 2016 werden schon seine Nachfolger gestalten. Wenn der Werner seinen Hut nimmt, wird es ein rauschendes Abschiedsfest geben – soviel ist sicher. Man merkt dem Winzer an, wie sehr er sich die Krone für Kristin gewünscht hätte. „Zu dem Jubiläum eine Deutsche Weinkönigin – mehr wäre für einen kleinen Ort wie unseren nicht gegangen.“ Dann aber hätte Kristin Langmann oft allein irgendwohin in Deutschland reisen müssen, jetzt fliegt sie vom 6. bis 16. Oktober nach Tokio und Shanghai: Es gibt schlimmere Schicksale!



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