MARKT EINERSHEIM

Freude am Frieden haben

Bewegende Erinnerungen eines Flüchtlings aus Syrien und klare Worte des Bamberger Erzbischofs Schick hörten die Gottesdiensbesucher zur ökumenischen Friedensdekade.
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Mhnna Mohamad schilderte, was ihn zur Flucht aus Syrien veranlasst hatte und was er sich erhofft. Neben ihm Dekan Ivo Huber. Foto: Gerhard Krämer
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„Es ist gefährlich, im Bemühen um den Frieden nachzulassen.“
Erzbischof Ludwig Schick bei der Friedensdekade

Ein kleiner Beitrag zu einer friedlicheren Welt ging am Sonntag von Markt Einersheim beim zentralen Eröffnungsgottesdienst der ökumenischen Friedensdekade aus. Einer hoffte dabei ganz besonders auf ein friedliches Miteinander: Mhnna Mohamad. Der Syrer floh vor dem Krieg in seiner Heimat und lebt nun in Markt Einersheim. Er schilderte in berührenden Worten seine Geschichte, bevor Erzbischof Ludwig Schick das Thema Frieden in den Mittelpunkt seiner Predigt rückte.

„Kriegsspuren“ lautet das Motto der Ökumenischen Friedensdekade vom 6. bis 16. November. Der Flyer dazu zeigt ein Einschussloch auf einer hellen Wand. „Es erinnert an die viele Kriege in der von Krisen gezeichneten Welt“, sagte Dekan Ivo Huber. Auch in Markt Einersheim gebe es noch immer Kriegsspuren, erinnerte Huber an den bei der Kirchturmsanierung gefundenen Splitter einer Granate. Viele Spuren seien aber nicht zu sehen, nämlich die Spuren im Herzen und die an der Seele.

Spuren sind auch bei Mhnna Mohamad zu spüren. Der 20-Jährige erinnerte an die glückliche Zeit mit seiner Familie vor dem Krieg. „Niemand hat daran gedacht, die Heimat zu verlassen“, betonte er. Er erzählte von dem Leid, das es bedeutet, die Zerstörung der Heimat zu erleben. Krieg und Meer verschonten keinen. „Wir haben nie die Hoffnung auf Zukunft verloren und die Träume erhalten“, sagte Mohamad.

Er ist dankbar für die gegebene Chance. Wenn ein Syrer etwas Schlechtes tue, seien deswegen nicht alle Syrer schlecht, mahnte er und bat, keine Vorurteile zu haben.

Für den Frieden zu beten, müsse das zentrale Anliegen der Christen sein, erinnerte Erzbischof Ludwig Schick, der in Syrien und im Irak „verheerende, schmerzliche und furchtbare Spuren des Krieges“ vor Ort gesehen hat. Der Erzbischof erinnerte in seiner Predigt aber auch an die Anschläge von Würzburg und Ansbach. Dies alles seien Folgen des Krieges, der doch weit weg zu sein scheint.

Alles, was wir auf der Welt für den Frieden tun, sichere auch unseren Frieden. Friede sei ein Prozess, kein Produkt. Deswegen fügte Schick sogleich eine Warnung hinzu: „Es ist gefährlich, im Bemühen um den Frieden nachzulassen.“

Vier Punkte sind für Erzbischof Schick bedeutsam: Freude am Frieden zu haben – und mit anderen über dieses hohe Gut zu sprechen, die Erziehung zum Frieden, was bereits beim zweiten Vatikanischen Konzil verankert worden ist, der Erzbischof aber in Schulen und Kindergärten vermisst, das Gebet zum Frieden und Geschwisterlichkeit als Voraussetzung für den Frieden.

Und eines stellte Schick klar fest: Gott habe den Menschen nach seinem Bild geschaffen. Die Menschheit sei eine Familie, jeder habe die gleichen Menschenrechte. Schick nannte auch in Markt Einersheim die Dinge klar beim Namen und verließ seine Linie nicht. Eine Haltung, für die er seit langem Anfeindungen erdulden muss – bis hin zu Morddrohungen.

Pfarrer Reinhard Kern (Markt Nordheim) und Katrin Bauer von Mission EineWelt (Neuendettelsau) verteilten an die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Patronen-Kreuze – laut Bauer Sinnbild für die Umwandlung von Gewalt in Frieden – und Laternen, damit das Friedenslicht hinausgetragen werde.

Nach dem Gottesdienst, in dem viele musikalisch mitwirkten, lud Bürgermeister Herbert Volkamer zum Empfang ins Rathaus ein. Er hoffte, dass die Gebete Gehör fänden und Früchte trügen. Ruth Finster (Burghaslach), Mitglied der Landessynode, mahnte abschließend, auch auf eine friedvolle Sprache zu achten.

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