Fröhstockheim
Wahl

Fränkischer Amerikaner glaubt an Obama

Obama oder Romney: Der künftige US-Präsident beeinflusst auch das Leben in Europa. Der fränkische Amerikaner Karl Kruimer hat schon gewählt.
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Karl Kruimer hat sich schon seine Meinung gebildet.  Foto: Diana Fuchs
Karl Kruimer hat sich schon seine Meinung gebildet. Foto: Diana Fuchs
Mitt Romney? Sobald er diesen Namen hört, verfinstert sich Karl Kruimers Blick. "Der hat sein Geld auf dem Rücken des kleinen Mannes verdient", urteilt der Fröhstockheimer über den republikanischen Herausforderer von US-Präsident Barack Obama.

Seit 1980 ist Kruimer im Herzen ein Franke, auch wenn er aus New Jersey kommt.


Damals lernte der US-Soldat im Kitzinger Felsenkeller die 18-jährige Gerlinde kennen. Die Fröhstockheimerin beantwortete den einzigen deutschen Satz, den er damals konnte - "Wollen Sie tanzen?" - mit Ja. Seitdem ist der Mann aus der Nähe von New York nicht mehr von Gerlindes Seite gewichen. Seit 32 Jahren lebt er mit ihr im Kreis Kitzingen, hier wuchsen auch die drei Kinder des Paares auf. Die amerikanische Staatsbürgerschaft hat Kruimer dennoch behalten. Nach wie vor interessiert er sich für die politischen Geschicke in seiner alten Heimat. "Ehrensache, dass ich meine Stimme abgebe - per Briefwahl."

Apropos Stimme: Wenn der Fröhstockheimer erzählt, rollt sein "R" noch immer durch den Gaumen, wie ein Range-Rover durch den Sand der Prärie.

Kein Wunder, dass ihn alle "Ami-Karl" nennen: "Wenn ich einen Tag keine amerikanische Zeitung lese, fehlt mir etwas."


Da er für einen Servicekonzern in den US-Kasernen arbeitet, kommt Kruimer leicht an aktuelle Blätter, etwa die Army-Zeitung "Stars and Stripes". Überall ist die bevorstehenden Präsidenten-Wahl ein Riesenthema.
"Leider Gottes", bedauert Kruimer, "sehen manche nur, dass Obama einige Versprechen nicht gehalten hat. Aber das ist nicht seine Schuld! Im Kongress musste er um jedes Bröckchen Brot kämpfen. Die Republikaner haben viel vereitelt."

Zumindest habe der Demokrat einen Teil dessen erreicht, was er wollte, "zum Beispiel bei der Gesundheitsreform". Manches konnte er "durch die Hintertür durchboxen", als "presidential proclamation", analysiert Kruimer. "Er hat das Beste herausgeholt, was möglich war."

Dass Obama in der heißen Wahlkampfphase zunächst schwächelte und Romney auftrumpfte, dafür hat Kruimer seine eigene Erklärung: "Romney hat nichts zu verlieren. Er kann zum Beispiel ins TV-Duell reingehen wie ein Gockel, mit dem Kamm ganz hoch." Der US-Franke reckt zur Verdeutlichung das Kinn in die Höhe.

Wenn Kruimer sich aufregt, klingt sein "Fränglisch" richtig feurig.


"Über Romneys Meinung zur Energiepolitik können wir nur den Kopf schütteln!" Beim zweiten TV-Duell habe sich der Herausforderer generell schlecht verkauft. "Wir brauchen nicht mehr Öl, wir brauchen mehr saubere Energie-Technologien." Leider seien die Amerikaner in ihrem Denken diesbezüglich "weit hinten".

Obama wisse jedoch um die Bedeutung der Energiewende, der Firmen- und Ausbildungsförderung - und um den Teufelskreis von Armut und sinkender Wirtschaftskraft. Er wolle deshalb Geld in die US-Wirtschaft pumpen "und das ist richtig so!". In Romneys Wahlprogramm dagegen könne er keine guten Ideen zur Bekämpfung der Armut erkennen, stellt der 54-Jährige fest. "Für soziales Gleichgewicht zu sorgen, ist aber das Wichtigste, damit es wieder aufwärts geht."

Wahlmänner-System veraltet?


Kruimer nimmt kein Blatt vor den Mund. Romney sei überheblich - "es ist eine Frechheit, dass er 47 Prozent der Bürger als Sozialschmarotzer bezeichnet hat" - und "ein kapitalistischer Geldsack". Schade nur, dass dies einige Leute gar nicht störe. "Statt um die Sache geht es manchen nur um die Partei. In Deutschland ist das auch oft so."

Spielt Guantanamo, das noch immer nicht geschlossene Foltergefängnis, für den Ausgang der Wahl eine Rolle? Kruimer winkt ab. "Darüber regt man sich in Deutschland viel mehr auf als in Amerika." Die Tea-Party-Bewegung, die Obama überall schlecht rede, sei eine deutlich größere Gefahr.
"Romney wäre ein zweiter George Bush. Aber Amerika braucht keinen Bush mehr, der zwei Kriege und fast den Ruin des Landes gebracht hat."

Vor vier Jahren - Kruimer gibt es offen zu - hat er nicht für Obama gestimmt.


"Ich hatte Angst, dass ein Schwarzer gleich einem Attentat zum Opfer fällt. Und ich fand seinen Vize nicht gut." Diesmal jedoch liegen die Dinge anders. "Ich hoffe auf und glaube an Obama." Wichtig sei, dass er die Krankenversicherung für alle durchbringt. "Er ist sehr klug und gerecht. Aber es wird seine Zeit dauern, um das Land wieder hochzuwirtschaften."

Wen der "Ami-Karl" gewählt hat, dürfte damit klar sein. Jetzt kommt es auf die 235 Millionen anderen Wahlberechtigten an.
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