MÖNCHSONDHEIM

Fränkische Weihnacht in der Dorfkirche mit dem Alphorn

Eine Vielfalt an Instrumenten aus längst vergangener Zeit, als es noch Gemeindehirten gab, war bei der Fränkischen Weihnacht in Mönchsondheim zu hören
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Bei der Fränkischen Weihnacht erklang auch das Alphorn. Hans Heilgenthal spielte Hirtenrufe und weihnachtliche Weisen auf den fränkischen Hirtenhörnern ähnlichem Instrument. Foto: Foto: REINHARD HÜSSNER

„Das glauben mir meine ehemaligen Kollegen in München nicht, dass es noch volle Kirchen gibt.“ Bereits vor Beginn der Fränkischen Weihnacht in Mönchsondheim zeigte sich Dekan Ivo Huber aus Markt Einersheim vom Besucherzuspruch angetan. Nach der Andacht war er voll des Lobes und von der Vielfalt der Instrumente und der Melodien beeindruckt, geht aus der Mitteilung von Reinhard Hüßner hervor, der in Mönchsondheim das Kirchenburgmuseum leitet.

Wie einst die Hirten

Vor allem die „Spessart-Spielleut“ beeindruckten das Publikum mit Musikstücken auf historischen Instrumenten wie Psalter, Kühhörner, Bockpfeife (Dudelsack) und Alphorn. Wenn auch das Alphorn eher im südlichen Bayern anzutreffen ist, so hat das Instrument doch auch große Ähnlichkeit mit dem bei uns früher üblichen „Hirtenhorn“. Nur war dieses kleiner, erläutert Reinhard Hüßner. Hans und Lissy Heilgenthal spielten entlockten während der Fränkischen Weihnacht den Kühhörnern die schönsten Hirtenweisen. Diese Hörner funktionieren ähnlich wie Flöten oder haben eine ähnliche Griffweise.

Der „Kartäuser Dreiklang“ habe einen harmonischen dreistimmigen Gesang dargeboten. Auch zeigte sich der Posaunenchor Mönchsondheim unter Leitung von Katharina Kohr mit zwei Vortragsstücken von seiner besten Seite, was ihm langjährige Besucher der Fränkischen Weihnacht bestätigten.

Besinnliche Worte sprachen Hans Heilgenthal, Leiter der Spessartspielleute, und Dekan Ivo Huber. Auch die Besucher waren aufgefordert, die Fränkische Weihnacht mitzugestalten. Mit Begleitung des Posaunenchores stimmten sie mit „Ein Lied lasst uns jetzt singen“ auf die Andacht ein und setzten mit „Tochter Zion“ den Schlusspunkt. Langanhaltender Beifall belohnte die Akteure für die Einstimmung auf die besinnliche Zeit.

Außerdem erhielten die Besucher eine gute Lektion in Heimatkunde und Brauchtum, beispielsweise als das Alphorn erklang. Der Bläser und Spessart-Spielleut-Chef Hans Heilgenthal aus Hofstetten (Landkreis Miltenberg) erläuterte, dass solche Hörner als „Hirtenhorn“ auch in Franken üblich waren – beispielsweise im Spessart oder im Hersbrucker Land. Die Bau- und Funktionsweise war identisch, allerdings waren Hirtenhörner ein Stück kürzer.

Auch im Kitzinger Land sind Hirtenhörner nachgewiesen. Es sind zwar keine Exemplare mehr erhalten, aber alte Schriften und Archivalien berichten anschaulich vom Hirtenwesen. Hier führt Museumsleiter Hüßner in seinem Pressebericht Mönchsondheim als Beispiel an.

Lange Jahrhunderte beherrschte die Dreifelderwirtschaft das bäuerliche Arbeitsjahr. Drei große „Fluren“ bestimmten wie überall die Dorfgemarkung. Auf der einen stand das Wintergetreide, auf der zweiten das Sommergetreide und die dritte blieb als Brache unbebaut. Letztere war für die Tierhaltung wichtig, denn dort weideten Kühe, Geißen, Schafe und Schweine. Bis weit in das 19. Jahrhundert war in Franken die Sommerweide des „gehörnten Viehs“ und der Schweine eine Selbstverständlichkeit, ähnlich wie heute noch in der Alpenregion. Nur über Nacht und während der Wintermonate stellte man die Tiere im Stall unter.

Das Signal zum Stall-Öffnen

Ein Hirt, den die Gemeinde anstellte, sorgte mit Helfern dafür, dass jeden Morgen das Vieh auf die Weide kam und am Abend wieder zurückgetrieben wurde. Das Signal zum Öffnen der Stalltüren am Morgen gab der Hirte mit seinem Hirtenhorn. Er zog durch die Gassen und sammelte alle Tiere ein.

Eine Vorsichtsmaßnahme vor Beginn des Weidegangs war das Abschneiden der Hörner, um die Verletzungsgefahr möglichst gering zu halten. Im 17. und 18. Jahrhundert verdingte die Gemeinde Mönchsondheim nicht nur eine Viehhirten, sondern auch einen Schweine- und Gänsehirten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab man landauf, landab die Dreifelderwirtschaft, und somit auch die Viehweide auf. Der Hirte hatte ausgedient.

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