KITZINGEN

Feurige Fantasien eines Kommandanten

„Hier geschah es“, sagte Ce. „Was passierte genau“, wollte Baul wissen. „So genau weiß das niemand. Zeugenaussagen zufolge soll er aus einer selbst mitgebrachten Flasche getrunken haben. Den Schnaps, oder was immer es auch war, spuckte er sofort wieder aus. Die Personen, die von der Polizei befragt werden konnten, sagten aus, dass er Feuer gespuckt haben soll“ erklärt Ce. „Feuer gespuckt?“
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Vielseitig: Autor Markus Ungerer an seinem Arbeitsplatz im Büro seiner zum Wohnhaus umgebauten Scheune. Foto: Foto: Ralf Weiskopf

„Hier geschah es“, sagte Ce. „Was passierte genau“, wollte Baul wissen. „So genau weiß das niemand. Zeugenaussagen zufolge soll er aus einer selbst mitgebrachten Flasche getrunken haben. Den Schnaps, oder was immer es auch war, spuckte er sofort wieder aus. Die Personen, die von der Polizei befragt werden konnten, sagten aus, dass er Feuer gespuckt haben soll“ erklärt Ce. „Feuer gespuckt?“

Der Mann, der Feuer spuckte, war ein Feuerwehrmann. Hat er sich umgebracht? Wurde er ermordet? Antworten darauf gibt es in dem Krimi „Berliner Kompott“ des Kitzinger Autors Markus Ungerer.

Der 46-Jährige ist in Kitzingen seit Anfang dieses Jahres Kommandant der Feuerwehr. Aber eigentlich führt Ungerer beruflich ein dreigeteiltes Leben. Da ist neben dem Kommandanten der Fachjournalist Ungerer.

Der ausgebildete Sicherheitsfachmann arbeitet zunächst einige Jahre bei der Firma Fehrer in der Entwicklungsabteilung, war Mitglied der Werkfeuerwehr und wechselte dann hauptberuflich zur US-Feuerwehr in Kitzingen. „Bereits Ende der 90er Jahre habe ich nebenbei begonnen, für Fachzeitschriften als Co-Autor Artikel zu veröffentlichen“, erzählt Ungerer.

„Dann 1997, wegen einer Meniskusverletzung dienstunfähig, entstand sozusagen aus Langeweile das „erste Buch“. Herausgekommen ist „Joe Hot & Lussy, das kleine Löschfahrzeug“, ein liebevoll geschriebenes Kinderbuch, das von einer besonderen Beziehung zwischen einem alten Feuerwehrauto und dem Buben Joe erzählt, die zahlreiche gemeinsame Abenteuer erleben.

„2008, beim Abzug der Amerikaner stand ich vor der Frage, bei den Amis an einem anderen Standort weiter arbeiten und eine Wochenendehe führen – oder einen Neustart wagen“, erinnert sich Ungerer. Er entschied sich für den Neuanfang, bildete sich zum Fachjournalisten weiter – und hat es nicht bereut. Inzwischen gibt er mit anderen Autoren laufend ergänzte Werke für die Aus- und Weiterbildung von Feuerwehrangehörigen und Brandschutzbeauftragten heraus und hat eine Reihe von Fachbüchern geschrieben.

Doch wie kommt ein Fachjournalist dazu, Krimis zu schreiben? „Eigentlich über das Kinderbuch“, sagt Ungerer, der dem Vorstand des unterfränkischen Schriftstellerverbandes angehört. „Ich wollte beim Thema Brandschutzerziehung neue Wege gehen.“ Damit war der Krimiautor Ungerer geboren. „Ich entwarf die Figur des Brandmeisters Baul Fogos, der bei einem Dienstunfall ein Auge verlor, dienstunfähig wurde, in Fogos Gschicht'n feurige Kriminalfälle löst, anstatt sein restliches Leben damit zu verbringen, in der Werkstatt Strahlrohre zu polieren“, so Ungerer. Dass der Vorname Fogos' mit „B“ und nicht mit „P“ geschrieben wird, sei eine Reminiszenz an seine fränkische Heimat.

In Anlehnung an die früheren Groschenromane sind inzwischen sieben dieser kleinen Kriminalgeschichten für „zwischen den Einsätzen“ entstanden, in denen neben Fogos auch der geheimnisvolle Ce und Bauls leicht pyromanisch angehauchte Freundin Enya die Hauptrollen spielen. Ungerers Ansatz bei den Geschichten: „Nicht der Mörder, dessen Motiv oder die Opfer stehen am Anfang meiner Überlegungen, sondern die Frage: Wie kann man, mittels Feuer einen Mord begehen, ohne dass es jemand so einfach nachahmen kann.“

So kommt es, dass im Roman „Ve-nezia“ eine Stichflamme aus einem Pizzaofen zur Todesursache wird, ein Feuerwehrmann in Berlin plötzlich Feuer speit, eine Frau am Ufer der Neiße in Görlitz in dem Krimi „Tödliche Seife“ in einer grellen Stichflamme stirbt oder – nichts für schwache Nerven – in „Hamburger Hot Dog“ auch schon ein Hund explodiert.

Einer der Krimis spielt übrigens in Kitzingen. „Random Riff“ so der Titel, erzählt vom Tod eines Gitarristen. Zu haben sind Ungerers Werke nur als E-Books bei allen einschlägigen Anbietern. Und zehn Prozent der Einnahmen gehen an die Hilfsaktion „Menschen in Not“.

Infos: Wer mehr über den schreibenden Feuerwehrkommandanten erfahren will, findet weitere Informationen im Internet: markusungerer.de/

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