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Feuersalamander gesichtet: Bürger helfen bei der Suche

Die Suche nach dem Feuersalamander im Steigerwald mit Hilfe der Bevölkerung kommt gut voran. Biologin Carolin Dittrich, die Leiterin des Projekts, meldet erste Erfolge.
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„Er schaut wirklich recht nett daher“, schreibt Petra Diener, die Leiterin des Staatsforstreviers Hundelshausen, zu dem von ihr im Rahmen der „Amphibien Taskforce“ im Mai diesen Jahres im Gras entdeckten und fotografierten Feuersalamander. Foto: Foto: Petra Diener

Die Amphibiensuche im Steigerwald mit Hilfe der Bevölkerung kommt gut voran. Biologin Carolin Dittrich, die Leiterin des Projekts, meldet erste Erfolge bei der Suche nach Feuersalamandern.

Die Amphibieneinsatzgruppe ist ein gemeinsames Bürgerwissenschaftsprojekt, das vom Naturkundemuseum in Berlin mit dem Staatlichen Forstbetrieb in Ebrach auf den Weg gebracht wurde. Um die Art künftig besser verstehen zu können, hofft die Wissenschaft – dank zusätzlicher Informationen durch Wanderer, Jogger und Mountainbikern in Form von Bildern oder Angaben zu gesichteten Exemplaren – mehr über den Feuersalamander im Steigerwald herauszufinden.

So markant und unverwechselbar die schwarz-gelbe Amphibienart auch ist, bisher ist weitgehend unbekannt, wie viele Tiere in den Wäldern des Steigerwalds umherstreifen, wie alt sie werden, wie weit sie wandern, was ihre Population beeinflusst und wo deren Schwerpunkte liegen, um nur die wichtigsten offenen Fragen zu nennen. Schließlich liegt eines der größten Vorkommen des Feuersalamanders in Deutschland im Steigerwald und hier wiederum im Bereich der Wälder, für die der Forstbetrieb Ebrach die Verantwortung trägt.

Zusätzlich zu den Forschern aus Berlin und den besonders instruierten Mitarbeitern des Forstbetriebs sind bei der Amphibiensuche alle Waldbesucher aufgerufen, ihnen über den Weg laufende Feuersalamander mit Kamera oder Handy zu fotografieren und die Bilder mit einer möglichst genauen Angabe der Fundstelle an Carolin Dittrich zu mailen, etwa mit GPS-Koordinaten oder einem Punkt als Markierung auf der Google-Maps-Karte.

Die Biologin des Naturkundemuseums Berlin wertet die erfassten Daten wissenschaftlich aus. Feuersalamander sind an ihrem individuellen Muster auf dem Rücken zweifelsfrei zu identifizieren, so wie der Mensch am Fingerabdruck. Schon ein Bild von einem Teil des Rückens reicht, um das Tier in der Datei wiederzufinden. Inzwischen haben Carolin Dittrich über 20 Meldungen erreicht, darunter nur drei Sichtbeobachtungen, sonst alle mit einem Bild. Die Meldungen kamen aus mehreren Regionen, vom Main-Spessart-Kreis, über die Landkreise Haßberge, Schweinfurt und Bamberg bis zum Raum zwischen Scheßlitz und Ebermannstadt, also sogar über den eigentlichen Steigerwald hinaus. Doppelt gemeldete Tiere seien bisher nicht darunter gewesen.

Carolin Dittrich zeigte sich überrascht ob der Anzahl der Einsendungen und dazugehörigen netten Anekdoten. Ein Paar hatte sich zum Beispiel extra bei Regenwetter auf die Pirsch begeben, da beide in einem Gebiet viele überfahrene Salamander gesehen hatten und dann nochmals nach lebenden schauen wollten. Wichtig sei eine Kontrolle der Bestände im Steigerwald auch im Hinblick auf eine neu aus Asien eingeschleppte Pilzart, Salamanderpilz oder Salamanderfresser genannt, erklärt Dittrich. Glücklicherweise hätten sie und ihre Kollegen, abgesehen von überfahrenen Tieren, noch keine Meldungen über Totfunde im Steigerwald erreicht. Allerdings seien inzwischen in der Eifel die ersten verendeten Salamander entdeckt worden, bei denen der tödliche Hautpilz nachgewiesen wurde.

In den Niederlanden und Belgien habe der Pilz mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, seit 2010 ein verheerendes Massensterben unter Salamandern verursacht. Carolin Dittrich zufolge wäre es deshalb hilfreich, wenn tote Salamander im Steigerwald gemeldet würden.

Meldungen und Fotos von lebenden oder toten Feuersalamandern nimmt Carolin Dittrich per E-Mail: salamander@mfn-berlin.de entgegen.

Bürger als Wissenschaftler

Von der Bürgerschaft gesammelte Daten für die wissenschaftliche Forschung – neudeutsch Citizen Science, also Bürgerwissenschaft, genannt – stellen für die Biologin Carolin Dittrich vom Naturkundemuseum in Berlin die einzige Möglichkeit dar, um mit vertretbarem Aufwand ausreichend Informationen über das Vorkommen des Feuersalamanders im Steigerwald geliefert zu bekommen.

Die Informationen dienen zum einen dazu, die Art besser zu verstehen. Zum anderen fließen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Beobachtung und Arbeit in Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der hier lebenden Feuersalamander-Arten ein. Durch solche Projekte (Schlagwort: „Bürger schaffen Wissen“) wird daneben das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Wissenschaft als auch für den Arten- und Naturschutz geweckt, indem man den Elfenbeinturm verlässt und den Bürger auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen mitnimmt.

Text: novo

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