Bimbach

Feuer und Flamme für den Wein

Der Großteil der fränkischen Winzer blieb von Frostschäden verschont. Manch einer sorgte mit Paraffin-Kerzen vor. Dank des Regens ist die Ausgangslage jetzt sehr gut.
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Weinberg im Sonnenschein
Der Regen hat den Reben gut getan, der Frost glücklicherweise nur in wenigen Lagen die Triebe geschädigt. Wird es jetzt warm, werden die Weinberge innerhalb von 12 bis 13 Tagen grün, sagt Weinbaupräsident Artur Steinmann. „Die Startposition ist genial.“ Foto: len/Foto: Karl-Josef Hildenbrand/DPA
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Die Wettervorhersage lässt die Winzer aufatmen: Es geht bergauf mit den Temperaturen. Die kalten Nächte der zweiten und dritten Maiwoche haben insgesamt keine allzu großen Folgen, lediglich in einzelnen Lagen in den Seitentälern waren Schäden zu verzeichnen. Angesichts des vielen Regens spricht Weinbaupräsident Artur Steinmann sogar von einer „genialen Startposition“.

Anfang Mai ist alljährlich eine kritische Zeit in den Weinbergen. Die jungen Triebe zeigen erste Blütenansätze und denen tun Temperaturen um den Gefrierpunkt gar nicht gut. Doch gerade in dieser Zeit, rund um die Eisheiligen, gibt es häufig noch einmal einen Kälteeinbruch durch Polarluft, die aus dem Norden einströmt. Wie schlimm die Folgen sein können, hatte sich 2011 gezeigt: Eisiger Wind ließ damals in ganz Franken die Triebe erfrieren, was massive Ernteeinbußen nach sich zog.

In diesem Jahr ist das Kerngebiet von Schäden verschont geblieben. Weinbaupräsident Artur Steinmann zeigt sich erleichtert. „Franken ist sehr gut weggekommen.“ Einzelne Schäden habe es aber schon gegeben, vor allem in den Seitentälern. Ramsthal sei stark betroffen, auch in Handthal, Retzstadt und im Taubertal wurden Triebe durch die niedrigen Temperaturen geschädigt. Die Einzelschicksale seien teils erheblich, sagt auch Andreas Oehm, Vorsitzender der Winzergemeinschaft Franken. Insgesamt werde sich das aber nicht auf die Ernte auswirken, da sind sich die beiden einig.

Es galt „höchste Alarmstufe“

In diesem Jahr war die Nacht vom 5. auf den 6. Mai besonders kritisch. Meteorologen hatten den Einzug eisiger Polarluft angekündigt. „Wir wussten aufgrund der Prognose, dass höchste Alarmstufe gilt“, sagt Kerstin Laufer. Ihr Weingut ist in Lisberg im Landkreis Bamberg beheimatet, baut aber auch auf 2,5 Hektar Fläche bei Bimbach im Landkreis Kitzingen Wein an. Da ein Teil dieser Fläche frostgefährdet ist, wurde Kerstin Laufer tätig: 200 Paraffin-Fackeln wurden zwischen den Zeilen platziert, um die Triebe vor Schaden zu bewahren. „Die Kerzen erwärmen die Luft und der Rauch vertreibt die Kälte“, erklärt Michael Bock, Pressesprecher des Fränkischen Weinbauverbandes.

Der Aufwand mit den Kerzen ist groß, sie sind nicht gerade billig und zudem werden mehrere Leute benötigt, um sie anzuzünden und die Weinberge zu überwachen, während die Fackeln brennen, gibt Kerstin Laufer zu bedenken. Dauerhaft werde sie das nicht durchführen.

In besagter Nacht aber hat sie um 2.30 Uhr mit ihrem Team die Fackeln entzündet und um 7.30 Uhr wieder gelöscht, als die Temperatur über den Gefrierpunkt gestiegen waren. Das Feuer hatte den gewünschten Effekt: „Die Temperatur fiel nicht in den kritischen Bereich. Bei minus vier Grad wäre alles kaputt, da bricht einem das Herz“, sagt die Winzerin.

In der folgenden Nacht allerdings schlug der Frost doch noch zu. Weil es nicht ganz so kalt gemeldet war, wurden im Bimbacher Weinberg keine Kerzen mehr angezündet. „Wir haben die Temperatur an der nächstliegenden Mess-Station kontrolliert“, sagt Kerstin Laufer. Früh, gegen 3.30 Uhr, lag sie bei -0,2 Grad, danach wurde es wärmer. „Da haben wir Entwarnung gegeben“. Was im Nachhinein betrachtet zu früh war, denn bei Sonnenaufgang zog es nochmal an, die Temperatur sank erneut. „Von unten hoch ist uns ein Drittel der Triebe erfroren.“

Geschädigt wurden dabei auch die Frosttriebe, die beim Rebschnitt extra stehen gelassen werden, quasi als Rückversicherung für den Fall, dass die Fruchttriebe erfrieren. Letzte Chance für die geschädigten Stöcke sind nun die Beitriebe, die eventuell noch austreiben. „Aber da weiß man nicht, was kommt und ob die Trauben dann reif werden“, gibt Kerstin Laufer zu bedenken. Wird der Herbst warm und sonnig, stehen die Chancen gut. „Wenn es ein kalter und regnerischer Herbst wird, werden die Trauben wohl gar nicht reif.“ Schon jetzt steht dagegen fest, dass die Laufers die betroffenen Weinberge wegen des unterschiedlichen Reifezeitpunkts auf jeden Fall in zwei Etappen lesen müssen. „Da ist Handlese programmiert“, sagt Kerstin Laufer.

Auch Beregnen schützt

Kritisch wurde es für die Triebe auch in dieser Woche nochmal, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Auch da sorgten die Winzer vor. „Teilweise wurden die Weinberge bewässert“, sagt Michael Bock und erklärt damit eine weitere Möglichkeit, die Pflanzen vor zu niedrigen Temperaturen zu schützen. Die Reben werden mit Wasser bespritzt, das Wasser gefriert und bildet eine Schutzschicht, so dass der Frost nicht in die Triebe eindringen kann.

Nur ein geringer Teil der Winzer nimmt direkt in den Kältenächten Schutzmaßnahmen vor. „Wenn überhaupt, machen das zehn Prozent“, schätzt Artur Steinmann. Doch es gibt andere Maßnahmen, um die Reben zu schützen. „Die Winzer greifen wieder auf das Können ihrer Väter zurück.“ Keine Bodenbearbeitung vor den Maifrösten, zum Beispiel, die Gras-Einsaaten in den Zeilen kurz halten, eine Frostrute anlegen.

Mit dem bisherigen Verlauf des Jahres ist der Weinbaupräsident „ganz glücklich“. Der Austrieb ging schnell und gut, was natürlich auch mit dem vielen Regen in den letzten Wochen zu tun hat, denn die Rebe brauche beim Austrieb viel Wasser. Wenn es jetzt warm werde, könne man zuschauen, wie die Reben explodieren: Innerhalb von 12 oder 13 Tagen sind die Weinberge grün. „Die Startposition ist genial.“



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