Heutzutage arbeiten in vielen Familien beide Elternteile. Die langen Sommerferien können da schnell zum Problem werden: Wohin mit den Kindern? Genau dieses Problem versucht das evangelische Jugendwerk in Kitzingen durch Jugendfreizeiten und Stadtranderholungen zu lösen. Seit 19 Jahren wird daher den Eltern angeboten, ihre Kinder in den letzten zwei Wochen der Sommerferien zur Ganztagsbetreuung in den Römerhof zu bringen.
"Wir machen das, um die Eltern zu entlasten", sagt Holger Dubowy-Schleyer. Der 39-Jährige ist Diakon an der evangelischen Stadtkirche und hat die diesjährige Stadtranderholung gemeinsam mit Tobias Wölfel organisiert. "Das evangelische Jugendwerk macht die Ausschreibungen und kümmert sich um die Beiträge und die Bezahlung. Um den Rest kümmern wir uns", erklärt Dubowy-Schleyer.

82 Kinder sind dabei


Von März bis Juli haben sich die 25 Mitarbeiter getroffen, um die Stadtranderholung zu planen. "Am Wichtigsten war es, über die Aufsichtspflicht, pädagogische Verhaltensfehler und die Gruppenstunden zu sprechen", sagt der 39-Jährige. Außerdem wurde der Rahmen der Freizeit mit dem Römerhof abgeklärt und es mussten unter anderem Zelte bestellt, Speisepläne erstellt und Busse organisiert werden. Denn um den Eltern die Fahrerei zu ersparen, werden die Kinder jeden Tag von zwei Bussen abgeholt und wieder heim gebracht.
Wenn um 9 Uhr alle 82 Kinder am Römerhof angekommen sind, begeben sie sich nach einer kurzen Begrüßung in ihre Gruppen. "Die Kinder sind zwischen sechs und zwölf Jahre alt und werden nach Alter aufgeteilt. Meistens nehmen wir zwei Jahrgangsstufen für eine Gruppe zusammen", erklärt Dubowy-Schleyer. In einzelnen Gruppen werden Spiele gespielt, es wird gebastelt und gesungen.Um das Ganze für die Gruppenleiter zu erleichtern, gibt es Wochenpläne, die auf die Altersklassen der Kinder abgestimmt sind.

Piraten sind das Thema


Damit es den Kindern von Jahr zu Jahr nicht langweilig wird, gibt es jedes Jahr ein anderes Thema, um das sich die Programmpunkte drehen. "Dieses Jahr geht es inhaltlich um Piraten. Wir singen Piratenlieder, basteln die passenden Kleider dazu und spielen Piratenkämpfe nach", sagt Dubowy-Schleyer.
Ein Konzept, das sichtlich bei den Kindern ankommt. "Es gefällt mir hier. Wir haben eine Schnitzeljagd gemacht und
T-Shirts bemalt, das war echt toll", erzählt Michael Brönner. Der Elfjährige ist zum zweiten Mal bei der Freizeit dabei. Ob er nächstes Jahr wieder kommt, weiß er noch nicht, weil er dieses Jahr schon einer der ältesten war.
Auch die Mädels sind begeistert von der Stadtranderholung. "Wir haben Fernrohre, Hüte und Augenklappen gebastelt. Und wir haben Lieder gelernt", sagt Carla Martorelli. Seit die Sechsjährige einmal auf Stelzen gelaufen ist, will sie es ständig üben, um sich zu bessern.
Neben den einzelnen Gruppenaktivitäten gibt es jedes Jahr ein Geländespiel, eine Lagerolympiade und verschiedene Tagesausflüge. Dieses Jahr waren die Kinder einen Tag lang im Wildpark in Sommerhausen. Morgen vormittag können die 82 Kinder auf dem Waldspielplatz in Birklingen ein letztes Mal gemeinsam ihren Spaß haben, bevor die Freizeit zu Ende geht.

Theater zum Abschluss 


Das Highlight der beiden Wochen ist allerdings jedes Jahr der sogenannte bunte Abend - der letzte Abend vor dem Abbau. "Die einzelnen Gruppen führen ihren Eltern ein Theaterstück auf, erzählen Gedichte oder singen Lieder", verrät Dubowy-Schleyer. Anschließend können die Familien gemeinsam essen und den Rest des Abends genießen.
Auch wenn die Stadtranderholung aus einem christlichen Hintergrund geschieht, ist das Konzept des evangelischen Jugendwerks und der evangelischen Stadtkirche nicht missionarisch. "Wir haben auch Muslime, Atheisten und Kinder aus östlichern Gebieten hier. Wir sprechen ein Gebet vor dem Essen, das war's", erklärt Dubowy-Schleyer. Viel wichtiger sei es, dass die Kinder beispielsweise nach dem Essen selbst ihre Teller zusammenstellen und ihren Müll wegräumen. "Eigentlich wollen wir nur, dass die Kinder beschäftigt sind. Sie sollen ihren Spaß haben und sich austoben können", sagt der 39-Jährige. Denn wenn die Kinder glücklich nach Hause kommen, sind auch die Eltern zufrieden.