LANDKREIS KITZINGEN

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Landwirte, Obst- und Weinbauern schauen optimistisch ins Jahr 2018
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Zu tun gibt es in diesen Tagen mehr als genug für die fränkischen Winzer. Ausbrechen ist angesagt. Vereinzelt stehen auch noch die Frostruten. Geht das Wetter so weiter, wird die Blüte schon Ende Mai erwartet. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Sonne, Wärme – und in den letzten Tagen ein paar Regenschauer. Wer in diesen Tagen mit offenen Augen durch das Kitzinger Land fährt, der hat den Eindruck, dass die Natur förmlich explodiert. Die Obst-, Wein- und all die anderen Bauern sind zufrieden. Zumindest bis dato.

„Es war der wärmste April, seit es unsere Wetteraufzeichnungen gibt“, sagt Thomas Karl vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen. Um 5,2 Grad war der April wärmer als im Durchschnitt der letzten Jahre. Mit rund 14 Grad war er sogar wärmer als ein „normaler“ Mai.

„Die Feldkulturen sind förmlich explodiert“, sagt Karl. Die Vegetation ist in etwa eine Woche früher dran als es üblicherweise der Fall ist. Eine Folge: Mais und Rüben haben sich schön entwickelt. „Die haben ja auch noch nicht so viel Wasser gebraucht“, erinnert Karl. Bei den früheren Kulturen wie Wintergerste schaut es dagegen anders aus. Die Niederschläge vom vergangenen Wochenende und diesem Wochenanfang haben noch nicht ausgereicht, um das Defizit abzufedern. „Gerade auf den sandigen Standorten gibt es schon ein paar Trockenschäden“, sagt der Berater. Große Sorgen müssen man sich deshalb nicht machen. Zu dieser Jahreszeit sei das nichts Ungewöhnliches.

„Die Feldkulturen sind förmlich explodiert.“
Thomas Karl, Berater am Amt für Landwirtschaft

Ungewöhnlich schnell haben sich die Reben entwickelt. „Die Vegetation ist bisher toll gelaufen“, freut sich Artur Baumann vom Weinbauring. Schädlinge habe es bisher nicht gegeben, genauso wenig wie Pilzkrankheiten. Die Niederschläge der letzten Tage werden allerdings Folgen haben. „Ab Ende der Woche wird Pflanzenschutz wohl nötig sein“, prognostiziert er. „Sonst wandern die Pilze vom Boden auf die Blätter.“ Immerhin: Vor Spätfrösten müssen sich die hiesigen Winzer nicht mehr fürchten. Dafür ist das Frühjahr schon zu weit fortgeschritten. Und das könnte dank der besonderen Wetterbedingungen einen Rekord bringen. Geht es mit diesen Temperaturen so weiter, kommt es schon Ende Mai zu einer Blüte – und damit voraussichtlich auch zu einer sehr frühen Ernte. 90 bis 95 Tage nach der Blüte werden die Trauben in der Regel gepflückt. Bewahrheitet sich diese Faustregel auch in diesem Jahr, könnte die Ernte bereits Ende August anlaufen.

So schön sich die Natur bislang auch gezeigt hat: Für die Weinbauern haben die nahezu idealen Wachstumsbedingungen auch eine Kehrseite. Sie kommen mit der Arbeit kaum noch hinterher. Zum Teil stehen die Frostruten noch, die wilden Ausschläge an den Stämmen müssen entfernt werden und die Triebzahlen eingestellt werden. Viel Arbeit, die die Winzer in diesem Frühjahr ordentlich fordert.

Nach dem „Katastrophenjahr 2017“ ist auch Thomas Riehl, Ansprechpartner für Obstbau am Amt für Landwirtschaft in Kitzingen, froh, dass die Gefahr der Spätfröste gebannt ist. 2011 und 2017 sind in manchen Obstanlagen 50 bis 100 Prozent der Bestände erfroren. In diesem Jahr schaut es deutlich besser aus. Die Bäume hingen auch deshalb so voller Blüten, weil das letzte Jahr so schlecht gelaufen ist. Gleichzeitig ging die Blüte relativ schnell vonstatten.

Für eine verlässliche Aussage zur Obsternte sei es jetzt noch viel zu früh. Bei der Kirsche rechnet er zum jetzigen Zeitpunkt mit einer Durchschnittsernte, bei den Apfelplantagen müsse man abwarten, wie sie mit der Trockenheit zurecht kommen.

„Die Trockenheit ist

in unseren Breiten

immer ein Problem.“

Thomas Riehl, Berater Obstbau

In den Wintermonaten habe es genug Feuchtigkeit gegeben, seit Anfang April habe die Niederschlagsmenge aber zu wünschen übrig gelassen. „Viele Obstanlagen sind nicht bewässerbar“, sagt Riehl. „Die Trockenheit ist in unseren Breiten immer ein Problem.“

Mit diesen Worten spricht er seinem Kollegen Thomas Karl aus der Seele. „Das Wasser ist bei uns immer ertragsbestimmend“, bestätigt er. Am liebsten wäre ihm und den Landwirten im Kreis eine kontinuierliche Versorgung.

Die punktuellen Regengüsse vom Wochenende und Wochenanfang hätten gerade den Landwirten mit sandigen Standorten wie bei Prichsenstadt oder Michelfeld wenig Erleichterung gebracht. Eine Umstellung auf Getreidearten, die mit Trockenheit gut zurecht kommen – beispielsweise Roggen – lasse sich auch nur bedingt empfehlen. „Als Landwirt musst du ja auch den Markt im Blick haben“, erinnert Karl. Roggen wird beispielsweise im Osten Deutschlands im großen Stil angebaut. Ob eine Umstellung in unseren Breiten da sinnvoll ist, sei fraglich.

„Der Markt bestimmt die Sorten“, bestätigt Thomas Riehl. Das sei auch bei den Obstsorten nicht anders. Der Großhandel habe klare Vorstellungen, was wann und in welchen Mengen geliefert werden muss. Einen Markt für exotische Früchte aus Franken sieht er nicht – zumal die klimatischen Voraussetzungen gar nicht vorhanden sind. Kiwi oder Aprikose werden es auch weiterhin schwer haben, in Franken Fuß zu fassen. Die Region werde auch weiterhin vom kontinentalen Klima geprägt, und dazu gehöre nun mal die Gefahr von Spätfrösten. Für früh reifende Sorten wie Aprikose oder Kiwi eine viel zu große Gefahr.

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