Aschaffenburg
Heavy Metal

Fäuste hoch für Doro!

Mit "Raise Your Fist" bangt sich Doro Pesch direkt in ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum hinein. Im Dezember kommt die Ex-Warlock-Frontfrau nach Aschaffenburg, 2013 steht sie wieder beim Wacken Open Air auf der Bühne. Unserer Redaktion verriet sie, was am neuen Album dran ist und wie die Zusammenarbeit mit Lemmy von Motörhead war.
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Doro Peschs neues Album heißt  "Raise Your Fist". Im Dezember kommt die Ex-Warlock-Frontfrau nach Aschaffenburg.  Foto: Carsten Rehder/dpa
Doro Peschs neues Album heißt "Raise Your Fist". Im Dezember kommt die Ex-Warlock-Frontfrau nach Aschaffenburg. Foto: Carsten Rehder/dpa
Knapp vier Jahre nach dem Erfolgsalbum "Fear No Evil" (Platz 11 der deutschen Albumcharts) meldest Du Dich nun wieder mit einem neuen Album zurück. "Raise Your Fist" steht in den Startlöchern und wird in einigen Tagen weltweit veröffentlicht. Was hat sich in der Zwischenzeit alles im Doro-Lager getan?
Doro Pesch: Natürlich war ich mit meiner Band nach der Veröffentlichung der "Fear No Evil" ausgiebig auf Tour und wir absolvierten auch wieder eine ganze Reihe Festival-Auftritte. Danach konzentrierten wir uns aber auch stark auf die Arbeit am "25 Years in Rock... and Still Going Strong"-DVD-Boxset, das Ende 2010 veröffentlicht wurde. Auf der DVD haben wir ja das 2008er-Jubiläumskonzert in Düsseldorf verewigt. Das war natürlich alles recht zeitaufwändig und bedeutete auch die erste Zusammenarbeit mit meiner neuer Plattenfirma Nuclear Blast. Aber im Anschluss ging es dann eigentlich Schlag auf Schlag, und ein Song nach dem anderen wurde für "Raise Your Fist" fertig gestellt.

Insgesamt befinden sich 13 Songs auf dem neuen Doro-Album. Wie würdest Du die Songs beschreiben. Traditioneller Doro-Stoff, oder gibt es Experimente?
In erster Linie ist es natürlich wieder eine Scheibe für meine Fans, das ist klar. Mit "Raise Your Fist In The Air" haben wir dann auch einen klassischen Doro-Headbanger als Opener. Daneben gibt es aber mit dem in deutsch gesungenen "Freiheit (Human Rights)" einen Song, der tiefgründiger ist und den ich der Arbeit der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes gewidmet habe. Dieser Song hat auch einen etwas moderneren Beat. Auch gibt es mit "It Still Hurts" auch wieder ein Duett zu hören, diesmal mit Lemmy von Motörhead. Dieser Song ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album, gerade da sich Lemmy hier von seiner sehr gefühlvollen Seite zeigt. Wenn wir schon bei den gefühlvollen Songs sind, dann ist natürlich auch das deutschsprachige "Engel" zu erwähnen, eine Ballade im klassichen DORO-Stil. Ich liebe eben Songs, die mir ans Herz gehen, egal ob es nun aggressive und schnelle Songs sind, oder eben auch Balladen. Auf dem Album ist diesmal aber auch eine Fremdkomposition gelandet. Dabei handelt es sich um "Victory", eine Power-Hymne, mit etwas modernem, oder sagen wir besser neuartigerem Groove. Wenn man sich beispielsweise an den etwas experimentelleren Song "Metal Tango" vom "Triumph And Agony"-Album (das letzte Warlock-Studioalbum von 1987, d. Red.) erinnert, weiß man, was ich mit neuartigerem Groove meine. Der Rest der Songs ist wiederum sehr traditionell gehalten; soweit kann ich also alle Oldschool-Metal-Fans schon mal beruhigen. Da wären beispielsweise "Take No Prisoner", wo ich ein wenig Judas Priest-Einflüsse verarbeitet habe, oder aber das treibende "Revenge" sowie das rockige Little Headbanger (Nackenbrecher), die ich jetzt mal mit meinen alten Krachern wie "Hellbound", "Earthshaker Rock" oder "Metal Racer" vergleichen würde. Der an den Songtitel "Little Headbanger" angehängte Zusatz "Nackenbrecher" kommt übrigens daher, dass mich einer meiner größten Fans überhaupt, der auch als Betreuer unserer Facebook-Fanseite fungiert, darum bat, für das neue Album doch auf jeden Fall mal wieder einen echten "Nackenbrecher" zu schreiben.

Gibt es einen Song auf dem neuen Album, an dem Dein Herz besonders hängt?

Für mich ist das "Hero", der auch der erste Song war, den ich überhaupt für das neue Album geschrieben habe. Das besondere an dem Song ist, das ich "Hero" dem 2010 verstorbenen Ronnie James Dio (u.a. ex-Sänger von Rainbow und Black Sabbath, d. Red.) gewidmet habe, dessen Tod ja ein so großer Schock für die gesamte Metal- und Rockwelt war. Ich kannte Ronnie ja sehr gut, weil ich die Ehre hatte, sehr oft mit ihm zu touren, das erste Mal 1987 mit Warlock als wir Support auf der Europa-Tour von Dio waren und zuletzt noch mal im Vorprogramm von Heaven & Hell.

Mit welchem Doro- oder Warlock-Album würdest Du denn "Raise Your Fist" am ehesten vergleichen?
Das ist schwer zu sagen, da mir ja eigentlich jede meiner Platten so viel bedeutet, und ich natürlich alle liebe. Vielleicht aber würde ich die neue Platte doch als so was wie die "Triumph And Agony" bezeichnen, da eben auch eine Menge Hit-Potential drinsteckt. Ich denke schon, dass sich auf der neuen Platte einige der stärksten Songs befinden, die ich je geschrieben habe. Neben "Raise Your Fist In The Air" möchte ich in diesem Zusammenhang auf jeden Fall auch "Rock Till Death" erwähnen, oder auch "Coldhearted Lover", ein Song mit einer sehr eingängigen Melodie, aber mächtig geil!

Mit dem neuen Album hast Du auch eine neue Plattenfirma. Das neue Album erscheint nun beim Weltmarktführer in Sachen Independent Metal, dem Nuclear Blast-Label mit Sitz im baden-württembergischen Donzdorf. Damit bist Du jetzt quasi beim Major unter den Independent-Labels im Spartenbereich Metal gelandet...
Mit dem Wechsel zu Nuclear Blast ist für mich ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen, da es eben ein starker Partner ist. Und bei Nuclear Blast kann ich sicher sein, und das ist der große Unterschied zu den eigentlichen Major-Labels, das man dort eben ein totales Herz für Metal hat. Ich muss allerdings sagen, dass ich mit allen meinen früheren Plattenfirmen immer noch ein gutes Verhältnis habe, gerade auch zu AFM, mit denen ich ja noch in diesem Sommer die Best-of-Veröffentlichung "Under My Skin: A Fine Selection of Doro Classics" auf den Markt gebracht habe. Aber natürlich gibt es eben auch personelle Kontinuitäten, die für mich sehr vorteilhaft sind. So ist der A&R-Manager Markus Wosgien, der früher bei AFM war, auch zu Nuclear Blast gewechselt, und nun dort mein Produkt-Manager. Da fühlt man sich natürlich schon sehr gut aufgehoben und betreut.

So eine problemlose Zusammenarbeit mit Plattenfirmen gab es in der Vergangenheit aber nicht immer, oder?
Gerade in den 1980ern, als ich bei Major-Firmen unter Vertrag war, die auch viele Pop-Künstler auf dem Label hatten, zeigten die Verantwortlichen dort leider nicht immer das richtige Gespür für Heavy Metal. Zwar hatten wir mit dem damaligen Phonogram-Manager Louis Spillmann einen Partner, der auch schon Metallica, Def Leppard und Bon Jovi unter Vertrag genommen hatte, und mit dem wir die gleiche Sprache gesprochen haben. Aber später wurde es dennoch schwieriger. Einige wollten halt ständig nur die Hit-Single haben, und diese Leute verstanden es eben manchmal nicht, dass Metalbands albumorientiert sind, und somit alle Songs auf dem Album eine wichtige Rolle spielen, und nicht nur einzelne Hits. So hatten wir mit Warlock damals beim "True As Steel"-Album auch die Erfahrung machen müssen, wie es ist, wenn die Plattenfirma die Daumenschrauben ansetzt, und man dann Kompromisse macht. Aber das war eine andere Zeit und wir waren noch eine so junge Band, die damals eben auch ihr Lehrgeld bezahlen musste. Und auch die Phase Anfang der 1990er als die Grunge-Welle aufkam war natürlich eine harte Zeit für mich, weil zum Beispiel meine Plattenfirma in den USA voll auf Grunge setzte, und meine Songs, die ich ablieferte, nicht mehr akzeptierte. Die fragten dann immer nur: "Ist das Grunge?", und als ich das verneinte, sagten die mir glatt, dass sie das dann nicht veröffentlichen wollten. Zum Glück war es aber in Europa nicht ganz so extrem.

Wo kommt der Doro-Sound derzeit am besten an, wo liegen also Deine Schwerpunktmärkte?
Neben Deutschland sind Spanien und Südamerika für mich eigentlich schon immer die ganz wichtigen Märkte. Daneben läuft es mittlerweile aber auch in Russland und Frankreich sehr gut. Gerade in Frankreich ist die von mir auf französisch eingesungene Version von "Raise Your Fist In The Air" (französisch: Lève ton poing vers le ciel) ein richtiger Hit, der sogar bei den größeren Radiostationen, die normalerweise gar keinen Metal spielen, gesendet wird. Und darüber freue ich mich natürlich ganz besonders.

Nach Veröffentlichung der "Raise Your Fist" gehst Du doch sicher auch wieder auf Tournee. Welche Stationen sind denn schon fest eingeplant?

Am 15.11 startet unsere "Raise Your Fist"-Tour in Kiel und wird uns dann neben vielen Terminen in Deutschland auch nach Holland, Belgien, England, Spanien und Frankreich führen. Ende Januar 2013 werden wir dann ab Miami für vier Tage auf der 70.000 Tons of Metal-Kreuzfahrt mit an Bord sein, wo insgesamt 40 Metalbands den 2000 mitreisenden Fans einheizen werden. Anschließend werden wir dann den gesamten Februar in den USA unterwegs sein.

Übrigens: Nachdem es in letzter Zeit ja durchaus einige Band-Reunions gab (Stichwort: Accept), drängt sich natürlich die Frage auf, ob Du Dir vorstellen kannst, auch noch mal wieder unter dem Warlock-Banner die Bühne zu entern? Es gab so was ja schon mal 2004 beim damaligen Wacken-Open-Air.
Im Moment gibt es da zwar nichts Konkretes, aber man sollte ja niemals nie sagen, oder? Vielleicht nur soviel: Ich hatte ja das Warlock-Line-up von 1986 zuletzt 2008 bei meinem Düsseldorfer Jubiläumskonzert für ein paar alte Warlock-Songs auf der Bühne versammelt. Mittlerweile hat Frank Rittel jedoch seinen Bass an den Nagel gehängt, und wird wohl für ein weiteres Mal nicht mehr zur Verfügung stehen. Zum anderen plane ich natürlich derzeit schon für das 30-jährige Doro-Jubiläum, das nächstes Jahr sogar über zwei Tage gefeiert werden soll. Hier möchte ich wieder eine Menge Gäste mit dabei haben, und eventuell sogar ein Orchester zum Einsatz bringen. Die Sache soll also wieder ganz groß aufgezogen werden. Hier wäre es zumindest eine Überlegung wert, einen Teil der Show Warlock zu widmen und auch wieder alte Warlock-Mitstreiter auf die Bühne zu holen. Gerade auch meine früheren amerikanischen Warlock-Musiker, Tommy Bolan, John Levin und Tommy Henriksen, der übrigens derzeit in der Band von Alice Cooper spielt, würde ich auch gerne mal bei so einem Auftritt dabeihaben.


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