Kitzingen
Arbeitsmarkt

Experten sind dringend gesucht

Inzwischen buhlen Unternehmen um gut ausgebildete Arbeitnehmer. Die Entwicklung hat sich im Vergleich zu früher umgekehrt. Doch kann davon jemand profitieren?
Artikel drucken Artikel einbetten
Eine Personengruppe, die immer kleiner wird: Fachkräfte wie Tobias Kleinhans. Er bearbeitet mit dem Winkelschleifer einen Kunstgegenstand aus Metall. Foto: Archiv (fp)
Eine Personengruppe, die immer kleiner wird: Fachkräfte wie Tobias Kleinhans. Er bearbeitet mit dem Winkelschleifer einen Kunstgegenstand aus Metall. Foto: Archiv (fp)
+3 Bilder
Was tun, wenn am Wochenende die Heizung ausfällt oder der Strom wegbleibt? Bei wem holt man Hilfe bei Gasgeruch oder drohendem Wasserschaden? Den Bereitschafts- oder Störungsdienst, den Handwerker des Vertrauens. Was ist aber, wenn keiner kommen kann, weil er schon einen anderen Einsatz hat oder überlastet ist? Ein Szenario, das schaudern lässt.
Zeiten, in denen Experten fehlen könnten, sehen Unternehmer und Dienstleister heraufziehen. Vielen ist klar, dass sie jetzt die Reißleine ziehen müssen, um dem drohenden Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen. "Aber noch nicht alle Firmeninhaber und Führungskräfte sind hier sensibilisiert", hat Simone Göbel vom Regionalmanagement Kitzinger Land anhand einer Umfrage dieses Jahr unter Betrieben im Landkreis Kitzingen festgestellt.
Wegen des Bevölkerungsrückgangs gibt es immer weniger Schulabgänger, die zu echten Fachleuten ihres Gebietes ausgebildet werden könnten. "Ich denke, dass die Unternehmen in Zukunft verstärkt von sich aus die Jugendlichen bewerben müssen, sei es auf Berufsbörsen, durch Schulbesuche oder mit diversen Angeboten bis hin zu Praktika. Die Zeit, wo die Bewerber von sich aus kamen, ist vorbei", sagt Kreishandwerksmeister Michael Bissert.
Die Handwerkskammer wirbt mit unterschiedlichen Aktionen für eine Karriere im Handwerk. Bei der Industrie sieht es nicht anders aus. Aktuell fehlen der Region Mainfranken 13 000 Fachkräfte, im Jahr 2014 voraussichtlich 28 000. Das geht aus Erhebungen hervor, die die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt (IHK) in Auftrag gegeben hat. Industrie und Handwerk stehen mittlerweile in einem Wettlauf um Realschüler, Abiturienten und Studienabbrecher und versuchen, sie für sich zu gewinnen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch sind qualifizierte Fachkräfte Personen, die eine anerkannte und abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Akademiker werden deshalb häufig nicht als "Fachkraft" in diesem Sinne bezeichnet. "Sprechen wir aber vom Fachkräftemangel, so schließt dieser Begriff alle qualifizierten Arbeitnehmer, vom Facharbeiter über den Auszubildenden, den Meister, Techniker bis hin zum Akademiker mit ein", sagt Isabel Linz, Referentin für Fachkräftesicherung bei der IHK Würzburg-Schweinfurt.
Im Oktober dieses Jahres wurde eine Allianz "Fachkräfte für Mainfranken" gegründet. Die IHK ist eines der Allianz-Mitglieder. Es geht dabei auch darum, Personal an die Firma zu binden.
Und da kommt der zweite Faktor der demografischen Entwicklung ins Spiel, auf den sich Betriebe einstellen müssen: Belegschaften werden älter. Hier müssten Programme zum Beispiel mit Weiterbildungsangeboten oder betrieblichem Gesundheitsmanagement anlaufen. Arbeitsplätze müssten entsprechend angepasst oder verändert werden.
Die großen Unternehmen im Landkreis Kitzingen sind hier deutlich weiter, zum Beispiel GEA Brewery Systems. Um den Herausforderungen der demografischen Entwicklung und des Wertewandels zu begegnen, setzt der Brauereianlagenhersteller mit zirka 350 Mitarbeitern an zwei Standorten auf verschiedene Instrumente. "Wir nutzen Flexibilisierung der Arbeitszeit und Auszeiten bei bestimmten Lebensereignissen", sagt Personalleiterin Birgit Mantel.

Kopf frei für die Tätigkeit

Das Unternehmen schafft die Rahmenbedingungen. Wer beispielsweise sein Kind erst in die Kita bringt oder einen besonders langen Arbeitsweg hat, fängt später an. Birgit Mantel: "Die Arbeitszeiten können so abgestimmt werden, dass der Arbeitnehmer im Unternehmen den Kopf frei hat für seine dortige Tätigkeit." Dabei musste das Unternehmen das Rad nicht neu erfinden. "Bestimmte Rahmenbedingungen waren schon immer vorhanden, wurden aber nicht immer so intensiv genutzt wie jetzt", erklärt Mantel.
Aufgabe der Arbeitgeber ist es nun, sich für Bewerber und Mitarbeiter attraktiv zu machen. Michael Bissert hat es vergleichsweise gut. Sein Spenglerei- und Installationsbetrieb in Iphofen ist ein Familienunternehmen. Deswegen muss sich der Kitzinger Kreishandwerksmeister noch keine Sorgen machen, weil Nachfolge und Ausbildung geklärt sind.













was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren