KITZINGEN

Hier schlagen Sammlerherzen schneller

Da geht was. Auf dem Gelände des Aplawia e.V. im Kitzinger Gewerbegebiet Richtung Schwarzach entsteht mehr und mehr ein Paradies für alle, die nicht immer nur neue Sachen konsumieren möchten, sondern gern auch zwischen Gebrauchtem stöbern.
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Frisch, bunt und fröhlich: Die neu gestaltete Kinderabteilung im Aplawia-Kaufhaus lockt mit richtig coolen Klamotten, Spielen und allerlei Accessoires. Foto: Foto: Diana Fuchs
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Da geht was. Auf dem Gelände des Aplawia e.V. im Kitzinger Gewerbegebiet Richtung Schwarzach entsteht mehr und mehr ein Paradies für alle, die nicht immer nur neue Sachen konsumieren möchten, sondern gern auch zwischen Gebrauchtem stöbern.

Hell, ordentlich, gut strukturiert und blitzsauber präsentiert sich die große Halle, in der nicht nur Flohmarkt-Freunden das Herz aufgeht. Alles, was die Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins etwa bei Wohnungsauflösungen so entdecken oder was ihnen anderweitig vermacht wird, präsentieren sie hier am Lochweg 22 fein säuberlich. Möbel, Kleidung, Bücher aller Art: Mancher Sammler kann sein Glück kaum fassen, wenn er etwa ein altes Goldrand-Service entdeckt oder die Lieblingsschallplatte von 1960. Und das zum wahren Schnäppchenpreis.

Svea Roßberg ist beim Aplawia e.V. zuständig für die soziale Betreuung und das Qualitätsmanagement. Unter ihrer Regie hat nicht nur das Kaufhaus neuen Glanz – und eine topmoderne Kinderabteilung – erhalten, sondern auch ein automatisches Preisreduktions-System. „Wir möchten, dass Waren nicht ewig im Kaufhaus bleiben, sondern dass ein regelmäßiger Wechsel stattfindet“, erklärt die junge Frau. Seit kurzem erkennt der Kunde an der Farbe des Etiketts, wie lange die Ware schon bei Aplawia liegt oder steht. „Nach zwei Wochen wird der Preis um 25 Prozent reduziert, nach vier Wochen um die Hälfte und nach sechs Wochen sogar um 75 Prozent.“

Gegen die Wegwerf-Gesellschaft

Findet sich dann noch immer kein Käufer, gelangen die Artikel in den „Schnäbblesmarkt“. Svea Roßberg: „Da kann man schon mal ein Marken-Jackett oder einen handgedrechselten Kerzenständer für 50 Cent ergattern. Sie selbst kaufe sich schon lange keinen neuen Klamotten mehr. „Nicht, weil ich es mir nicht leisten könnte. Sondern weil ich die Wegwerf-Gesellschaft einfach nicht gut finde.“

Kann denn generell jeder im Aplawia-Kaufhaus einkaufen oder werden Bedürftige bevorzugt? Svea Roßberg schüttelt energisch den Kopf: „Jeder soll kommen, egal ob Arzt oder Arbeitsloser. Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Und es trägt ja jeder Einkauf dazu bei, unsere soziale Arbeit zu unterstützen.“

Apropos unterstützen: Vor etwa einem Jahr hatte der Aplawia e.V. Politiker und Unternehmer zu einer Krisen-Sitzung eingeladen. In der gut 30-jährigen Vereinsgeschichte hatte es noch nie so schwere Zeiten gegeben. Die „Instrumentenreform“ 2012 hatte Aplawia stark zugesetzt: Die Maßnahmenplätze für sozial Benachteiligte, etwa Arbeitslose, waren von einst 70 auf gerade mal 16 geschrumpft. „Das heißt, dass wir Langzeitarbeitslosen weniger Hilfsangebote machen konnten“, berichtet Geschäftsführer Volker Lang.

Zwar hat sich an der Zahl der Plätze seither nichts geändert – „das Jobcenter hat uns signalisiert, dass das so schnell wohl auch nicht der Fall sein wird“ –, aber Volker Lang will nicht klagen. Es tue zwar weh, wenn man Hilfsbedürftigen keine Chance geben kann, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Aber im möglichen Rahmen machen wir wirklich gute Arbeit.“ Die Freude eines psychisch oder körperlich belasteten Menschen, wenn er wieder „auf die Erfolgsspur“ kommt, entschädige für vieles und lasse einen immer wieder versuchen, Hürden zu nehmen.

„Jeder Auftrag hilft unserer Arbeit“, betont Lang. Zu 96 Prozent finanziere sich der Verein selbst: aus den Erträgen des Sozialkaufhauses und Dienstleistungen wie Umzügen, Entrümpelungen, Gebäudereinigungen oder Renovierungen. Aufträge können sowohl Privatleute erteilen als auch Firmen und Behörden.

Aktuell leistet das Aplawia-Team im Rahmen seiner gemeinnützigen Tätigkeit Integrationsarbeit und gibt Flüchtlingen beziehungsweise noch nicht anerkannten Asylbewerbern zum Beispiel beim Einräumen des Kaufhauses etwas zu tun. „Wir haben gute Erfahrungen mit der Arbeit und der Motivation von Flüchtlingen gemacht“, betont Lang.

Dennoch: „Gern würden wir noch mehr machen.“ Zum einen braucht es dafür Aufträge. Zum anderen aber hilft sich der Aplawia e.V. auch selbst. „Wir wollen künftig jeden Monat mit einer neuen Aktion auf uns aufmerksam machen“, sagt Svea Roßberg. Start ist am 27. Juni mit einem großen Flohmarkt auf dem Vereinsgelände. Jeder kann mitmachen.

„Das ergänzt sich gut. Wir haben ja hier im Kaufhaus quasi einen Ganzjahres-Flohmarkt.“ Svea Roßberg lächelt, während sie weiterspricht: „Es ist ein Flohmarkt für Jung und Alt, Arm und Reich, Groß und Klein.“

Flohmarkt und mehr

Monats-Aktion: Der gemeinnützige Aplawia e.V. („Andere planen, wir arbeiten“), der sozial benachteiligte Mitmenschen in Lohn und Brot bringen will, möchte künftig jeden Monat mit einer neuen Aktion auf sich aufmerksam machen. Ende Juni wird das ein großer Flohmarkt sein. Im Juli (17. und 18. Juli) können die Besucher bei einer Tombola tolle Preise gewinnen, u. a. ein Wochenend-Auto und Freizeitland-Tickets.

Flohmarkt: Der Flohmarkt findet am Samstag, 27. Juni, von 9 bis 16 Uhr auf dem Gelände des Vereins am Lochweg 22 in Kitzingen statt. Die Standmiete beträgt pro laufendem Meter 3,50 Euro, Kinder müssen nichts zahlen. Anmeldungen: entweder an der Kaufhaus-Kasse oder bis spätestens 26. Juni unter Telefon 09321/25247. Weitere Infos: www.aplawia.de FOTO: *ldk*

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