Prichsenstadt
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AfD darf zum allerletzten Mal in die TSV-Halle

Zum vierten und letzten Mal kommt die AfD in die TSV-Halle nach Prichsenstadt. Der Protest wird immer größer und der Vereinsvorstand zieht die Konsequenzen.
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Die Junge Alternative Bayern der AfD hielt in der Sporthalle des TSV Prichsenstadt am 14. Juli einen Kongress. Am 9. August folgt die nächste Parteiveranstaltung mit Björn Höcke. Danach lässt der TSV keine Parteiveranstaltungen mehr in seiner Halle zu.
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„Weil es schwierig ist, Hallen zu bekommen. Prichsenstadt bietet sich an.“ So begründet Christian Klingen die Ortswahl. Klingen ist Vorsitzender des Kreisverbands der AfD Kitzingen-Schweinfurt.

Bereits zum vierten Mal lädt die Partei ins Sportheim des TSV Prichsenstadt ein – dieses Mal am Donnerstag, 9. August, um 18 Uhr. Die Veranstaltung trägt den Titel „Politischer Infoabend zur Landtagswahl 2018“. Gastredner des Abends ist der wegen seiner rechtsextremen Äußerungen umstrittene Fraktionsvorsitzende der AfD im Thüringer Landtag, Björn Höcke. Doch neben Parteimitgliedern und -freunden werden auch ungeladene Gäste kommen.

Protest wird immer größer

„Wann immer eine derartige Partei sich trifft, werden wir dabei sein“, erklärt Hanjo von Wietersheim. „Denn derartige Gruppierungen werden sonst immer weitermachen.“ Von Wietersheim ist evangelischer Pfarrer in Iphofen.

Außerdem leitet er den Arbeitskreis „Gehwissen“, ein „Aktionsbündnis für Dialog, Solidarität, Gewaltlosigkeit und Toleranz“. Der Arbeitskreis ist Teil einer „Kundgebung gegen die AfD“. Neben ihm beteiligen sich SPD und Jusos, die Grünen, die IG Metall Unterfranken, der AWO-Bezirksverband Unterfranken, das Bündnis für Zivilcourage Würzburg, der Verein Schweinfurt ist Bunt und der Verein Alt Prichsenstadt an der Kundgebung. Sie möchten die Veranstaltung nicht unkommentiert lassen – und rufen daher ebenfalls ab 18 Uhr zum friedlichen Protest auf.

„Weil es schwierig ist, Hallen zu bekommen. Prichsenstadt bietet sich an.“

Christian Klingen,

AfD-Kreisvorsitzender, über die Wahl des Veranstaltungsorts

Neben der Schwierigkeit, Räumlichkeiten zu finden, sei Prichsenstadt aufgrund der Lage zwischen Kitzingen und Schweinfurt für alle Mitglieder des AfD-Kreisverbandes gut zu erreichen, begründet Christian Klingen die Entscheidung für Prichsenstadt, wo die AfD bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 9,8 Prozent erreichte.

Warum immer Prichsenstadt?

Der Prichsenstädter Bürgermeister René Schlehr (CSU) vermutet einen weiteren Grund: „Bei Aktionen der AfD wird Gegenwind erwartet – daher sucht man Plätze, die nicht so eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr haben.“ Der Ort hat keinen Bahnhof, ist nur mit Bus oder Auto zu erreichen. „Wenn sie in Prichsenstadt eine Veranstaltung auf den Abend legen, fährt hier nun mal nicht alle fünf Minuten eine Straßenbahn.“ Schlehr fürchtet einen Imageschaden für seine Gemeinde: „Die Gefahr besteht, wenn man immer wieder in den Schlagzeilen ist. Prichsenstadt ist ein Tourismusort. Kommentare wie ,Muss ich jetzt um Prichsenstadt einen Bogen machen?‘ schmerzen.“

Die Prichsenstädter Bevölkerung bleibt unterdessen scheinbar gelassen: „Man wird immer mal wieder darauf angesprochen und gefragt: ,Warum tust du nichts?‘“, sagt Schlehr. Er versuche dann zu vermitteln, dass die Stadtverwaltung keinen Einfluss auf die Entscheidung des TSV habe.

Kritik in den sozialen Medien

Auch Nicole Loebl, Schriftführerin des TSV, empfindet die Stimmung in Prichsenstadt als „eher unauffällig“. „Klar gibt es Gegner, aber es wird sich eher nicht öffentlich echauffiert“, fährt sie fort. Loebl zufolge wird die Kritik an der Entscheidung des Vereins hauptsächlich über die sozialen Medien geäußert.

Schlehr hatte im Vorfeld versucht, zwischen Gemeinde und Verein zu vermitteln. Er bedauert, zu spät einbezogen worden zu sein: „Beraten können wir immer, auch wenn es eigentlich nicht unsere Zuständigkeit ist. Aber natürlich können wir Verträge vor Abschluss durchgucken und die Risiken abwägen.“ In diesem Fall jedoch sei „das Kind schon in den Brunnen gefallen“.

Vertrag bindet den TSV

Er habe versucht, Gespräche zu führen, sagt Schlehr. Aber die Veranstaltung lasse sich nicht verhindern. „Der Vertrag ist bindend.“ Klingen erklärt, dass er erst nach dem Vertragsschluss von der Entscheidung des Vereins, künftig keine politischen Veranstaltungen im Sportheim mehr stattfinden zu lassen, erfahren habe: „Über Herrn Uhl wurde mir das mitgeteilt“, sagt Klingen.

Da der Vertrag zu diesem Zeitpunkt rechtskräftig war, hätte der Verein allerdings die Kosten, die im Vorfeld entstanden waren, übernehmen müssen – laut Klingen eine vierstellige Summe. TSV-Schriftführerin Loebl kann zu den Vorgängen keine Stellung nehmen. „Das hat Herr Uhl als erster Vorstand übernommen“, erklärt sie.

Öffentliche Hetze gegen TSV-Vorsitzenden

Thomas Uhl ist mittlerweile von seinem Posten als Vorsitzender des TSV zurückgetreten. Nicole Loebl sagt dazu, der Rücktritt habe persönliche Gründe, „aber die öffentliche Hetze hat eine Rolle gespielt“.

Uhl selbst wirft den Medien vor, Öl ins Feuer gegossen zu haben. Er möchte sich allerdings vor der Veranstaltung definitiv nicht mehr zu diesem Thema äußern, erklärt er auf Anfrage per E-Mail. Der stellvertretende Vorsitzende, Thomas Kühnl, gibt ebenfalls keine Auskunft. Am 8. September finden beim TSV Wahlen statt; man will schnell über Uhls Nachfolge entscheiden.

Fest steht jedenfalls: Die Veranstaltung der AfD wird die letzte politische im Sportheim des TSV sein. Der Vorstand hat jetzt einstimmig entschieden, künftig nicht mehr an Parteien zu vermieten.

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