Glosse

Werbung und alte Hasen

Es gibt Menschen, die derzeit mit etwas verkniffenen Gesichtszügen durch die Welt laufen. Man sieht ihnen an. Sie verzichten schwerpunktmäßig. Ob das gut ist?
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Frühstück: Noch was für echte Rechner

Es gibt Menschen, die derzeit mit etwas verkniffenen Gesichtszügen durch die Welt laufen. Man sieht ihnen an. Sie verzichten schwerpunktmäßig. Damit das auch jeder mitkriegt, wird der Gesichtsausdruck dem Elend angepasst.

Aschermittwoch ist wie Neujahr für die weniger erfahrenen Leutchen ein Anlass für den Versuch, ihr Leben durch Verzicht und Entsagung zu verändern. Die sollen es probieren. Solange sie die anderen in Ruhe lassen und nicht missionieren wollen, alles kein Thema.

Die anderen, das sind die alten Hasen. Die wissen nicht nur, wo die besten Rüben stehen, sondern haben im Lauf der Jahre gelernt: Erstens, solche Aktionen bringen nichts. Und zweitens: Wer sich ändern muss, hat vorher was falsch gemacht. Also lassen sie das ganze Theater und leben weiter, gleichmäßig und verzichten aufs Fasten.

Fasten kann ohnehin nicht im Trend liegen. Das sieht man an den Werbeprospekten, die jedes Wochenende ins Haus flattern. Die treffen normalerweise exakt den Bedarf und den Trend: Ostern, Weihnachten – zu allem gibt es Angebote ohne Ende. Zum Thema Fasten nicht. Kann sich also nicht rentieren. Da haben Werbung und alte Hasen dann doch etwas gemeinsam.

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