KITZINGEN

„Wegweiser“ hilft gegen die Not im Notwohngebiet

Nach fünf Wochen: Die „Notwohner“ nehmen ihren Treff gerne an - Siedler-Sonnenblumen laden zum Bayerisch-Fränkischen Fest, dessen Erlös wieder einem sozialen Zweck zufließt.
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Fleißige Helfer an der Kuchen- und Snack-Theke. Foto: Foto: DIANA FUCHS
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Er trägt ein helles T-Shirt und eine Jogginghose. Mit langen, schnellen Schritten, eine Sporttasche geschultert, durchquert der junge Mann den Raum. Er geht auf Sandra Lussert zu: „Is' frei?“, fragt er leise. „Gleich. Warte kurz“, antwortet sie und lächelt freundlich-aufmunternd. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass die Dusche im neuen Bürgertreffpunkt montags, mittwochs und freitags geöffnet ist. Viele „Notwohner“ nutzen das Angebot.

Es ist Mittwoch, kurz nach halb zwei. Eigentlich öffnet der Treff namens „Wegweiser“ in der Egerländer Straße 22 in der Kitzinger Siedlung erst um 14 Uhr. Doch im Notwohngebiet schlägt die Uhr nicht immer im gleichen Takt wie im Rest der Welt. Während Sandra Lussert in der Küche gespendete Kuchen aufschneidet und auf einem Buffet schön anrichtet, wird im Nebenraum schon das erste Mal die Brause angestellt.

„Anfangs hat man deutlich eine Hemmschwelle gespürt. Die Leute sind nur zögerlich zum Duschen gekommen“, sagt die Stadträtin und engagierte Siedlerin Andrea Schmidt, die in der Küche Kaffee kocht und Brötchen schmiert. Sandra Lussert vom Verein „Siedler-Sonnenblumen“ ergänzt: „Aber jetzt wird das Angebot schon richtig gut angenommen.“ Viele Besucher greifen auch gerne in den offenen Schrank, in dem Handtücher und Bettwäsche, Spielsachen und Kleidung zum Mitnehmen liegen.

Der „Wegweiser“ hat im Notwohngebiet für Aufbruchsstimmung gesorgt. Das seit Jahren leer stehenden Caféstüble ist zur Begegnungsstätte umgebaut worden – inklusive Dusche und Waschmaschine. 30 000 Euro hat die Stadt für die seit acht Jahren leer stehenden Räume bereitgestellt, die durch einen Wasserschaden schwer gelitten hatten. Zahlreiche Sponsoren – Privatleute und Firmen – sorgten mit Spenden für eine adäquate Ausstattung von Küche und Gemeinschaftsbad. Letzteres steht prinzipiell allen „Notwohnern“ offen, vor allem aber natürlich denen, die selbst kein Warmwasser in ihren Wohnungen haben.

Neben einer Dusche gibt es im „Wegweiser“ jeden Mittwoch auch Kaffee, Brötchen, Kuchen – und Hilfe in schwierigen Lebenssituationen. Denn der Name soll Programm sein: Die Siedler-Sonnenblumen, der Bürgerverein Siedlung und andere Ehrenamtliche, darunter die frühere Soziale-Stadt-Referentin Andrea Schmidt, wollen Wegweiser für die „Notwohner“ sein. Sie haben die Verantwortung für den Treffpunkt in der Problemzone übernommen.

Erich Zink kommt herein. Wechselgeld in der einen, eine Tüte Zucker in der anderen Hand. Der 51-Jährige, der im AWO-Wohnheim am Klettenberg wohnt, hat für den Kaffeenachmittag eingekauft. Er, der früher einmal Mönch werden wollte, dann aber krank wurde, hilft regelmäßig im Notwohngebiet. „Für die Leute am Rand der Gesellschaft ist es ein Segen, dass es das hier gibt“, sagt er mit freundlichem Lächeln. Andrea Schmidt sieht die neue Situation ebenfalls als ersten Schritt aus der Isolation der Bewohner. „Ich gehe jeden Mittwoch heim und denke mir: 'Heute war ein guter Tag.' Wir spüren, dass die Leute dankbar sind.“

Die Siedler-Sonnenblumen engagieren sich nicht nur fürs Notwohngebiet, sondern für die ganze Siedlung. Die zwölf Damen und ihr Helfer-Team laden am Pfingstsonntag, 15. Mai, von 14 bis 19 Uhr zum „1. Bayerisch-Fränkischen Pfingstfest“ vor dem Stadtteilzentrum in der Königsberger Straße ein. Das Programm reicht von Musik über das Spiel „Wer haut den Nagel am schnellsten in den Stamm?“ bis zum Kinderschminken. Die Einnahmen sollen für einen sozialen Zweck verwendet werden – wofür, entscheidet das Publikum. Zünftige Kleidung (Dirndl/ Lederhosen) erwünscht.

Pfingstfest in der Siedlung

Bayerisch-Fränkisches Pfingstfest: Die Siedler-Sonnenblumen engagieren sich nicht nur fürs Notwohngebiet, sondern für die ganze Siedlung. Die zwölf Damen und ihr Helfer-Team laden am Pfingstsonntag, 15. Mai, von 14 bis 19 Uhr zum 1. „Bayerisch-Fränkischen Pfingstfest“ vor dem Stadtteilzentrum in der Siedlung ein (Königsberger Straße/ neben der Sparkasse).

Das Programm reicht von zünftiger Musik über das Wettspiel „Wer haut den Nagel am schnellsten in den Stamm?“ bis zum Kinderschminken. Zu genießen gibt es Bratwürste mit Kraut/Brot, Leberkäse mit Kartoffelsalat, Bier vom Fass sowie Wein, Secco, Kaffee und Kuchen. Die Einnahmen sollen für einen sozialen Zweck verwendet werden – für welchen, entscheidet das Publikum per Zettel am „Wunschbaum“. Zünftige Kleidung (Dirndl/ Lederhosen) ist erwünscht.

Die Siedler-Sonnenblumen: Der Zusammenschluss von Siedlerinnen wird demnächst in einen Verein münden. „Die Unterlagen für die Vereinsgründung sind im Notariat eingereicht“, sagt Sandra Lussert. Zusammen mit Stefanie Stockmeyer und Michelle Roth hat sie die „Sonnenblumen“ vor zwei Jahren gegründet, um soziale Projekte umzusetzen. Die drei Gründerinnen sind nun gleichberechtigte Vorsitzende.

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