KITZINGEN

Was bleibt, sind die guten Gefühle: Schulleiterin Hofmann geht

Der Abschied: Fast zwölf Jahre lang hat Margit Hofmann das Armin-Knab-Gymnasium Kitzingen geleitet. Freitag war der letzte Arbeitstag. Fragen an die Schulleiterin.
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Hier hat sich Margit Hofmann am wohlsten gefühlt: Inmitten der Schüler. Foto: Foto: Kerstin Weber

Der Abschied fällt ihr nicht leicht. Fast zwölf Jahre lang hat Margit Hofmann die Geschicke am Armin-Knab-Gymnasium Kitzingen geleitet. Freitag war der letzte Arbeitstag. Was danach kommt? Hofmann zitiert lächelnd einen deutschen Fußballphilosophen: „Schaun mer mal.“

Frage: Im Februar 2006 sind Sie ans AKG gekommen. Im Juli 2017 verlassen Sie die Schule. Was wird Ihnen am meisten im Gedächtnis bleiben?

Margit Hofmann: Es gab eine Menge spannender Ereignisse, aber es bleiben vor allem gute Gefühle.

Mit welchen Vorstellungen sind Sie damals ans AKG gekommen?

Hofmann: Es ist nie gut, wenn man neu an eine Schule kommt und alles komplett verändern will. Der Ansatz sollte ein anderer sein: Die neue Schule erst mal anschauen und eruieren, was für das Kollegium, die Mitarbeiter im Sekretariat, die Eltern und die Schüler das Beste ist. All das muss sich langsam entwickeln. Zum Glück war mein Kollegium hier von Anfang an offen für Vorschläge und hat sehr innovativ mitgearbeitet.

Die Schüler- und damit einhergehend die Lehrerzahlen sind am AKG Jahren kontinuierlich gestiegen. 70 Kollegen waren es bei ihrem Amtsantritt, jetzt etwas mehr als 100. Die unterrichten 1130 Schüler. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Hofmann: Das ist ein Erfolg des gesamten Kollegiums. Unsere gute Nachmittagsbetreuung hat sicher dazu beigetragen. Diese Betreuungsform war in Bayern ja lange Zeit verpönt. Mein Vorgänger hat das Potenzial allerdings schnell erkannt und einen entsprechenden Antrag gestellt. Das war sehr weitsichtig.

Warum ist die Nachmittagsbetreuung so wichtig?

Hofmann: Weil sie eine Entlastung für die Eltern darstellt. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass Schule seither ganz anders mit Leben gefüllt ist. Es werden verschiedene Aktivitäten angeboten, es gibt eine Mensa. Die Schule ist Lebensraum geworden. Für mich ist aber vor allem wichtig, dass die Kinder hier bis 16.30 Uhr ohne Smartphones und Handys zusammen sind. Die virtuellen Welten verändern vieles. Die offenen Ganztagsschulen fördern das soziale Lernen.

Sind die virtuellen Welten die größte Herausforderung für Schulen im 21. Jahrhundert?

Hofmann: Schwer zu sagen, letztendlich haben wir auf den Medienkonsum der Jugendlichen nur begrenzten Einfluss. Die Eltern sind stärker in der Verantwortung, wie ihre Kinder mit den Medien umgehen.

So eine große Schule ähnelt letztlich einem mittelständischen Unternehmen. Was ist bei der Mitarbeiterführung entscheidend?

Hofmann: Das Zuhören, aber manchmal auch das Durchgreifen. Ich habe versucht, das Kollegium möglichst schnell kennen zu lernen. Wo sind die Stärken, wo ist jemand bereit, sich einzubringen? Und dann muss man die Mitarbeiter auch machen lassen.

Bewerten Sie die Wachstumszahlen der Schule als Erfolg?

Hofmann: Es wäre schön, wenn dem so ist. Aber Erfolg ist in der Schule schwer messbar. Die Schülerzahlen alleine sind es sicher nicht.

Das neue Gebäude hat sicher auch ein paar Schüler angezogen.

Hofmann: Ja, aber die Eltern haben ihre Kinder auch in den zwei Jahren Bauphase angemeldet. Der Boom hat schon vorher begonnen.

Das AKG gehört dank des Umbaus zu den modernsten Schulen im Landkreis. Hat das Kollegium alles, um nach den neuesten Standards zu arbeiten.

Hofmann: Wir haben anfangs gar nicht in jedem Raum die beste technische Ausstattung gewollt. Beamer oder Whiteboards ziehen ja auch Folgekosten nach sich. Und ein guter Unterricht hängt nicht in erster Linie von der technischen Ausrichtung ab.

Sondern?

Hofmann: Von den Personen. Vom Miteinander, vom gegenseitigen Respekt. Ich kann einen guten Unterricht auch nach wie vor mit Tafel und Kreide machen.

Was waren denn die gravierendsten Veränderungen während ihrer gesamten Laufbahn?

Hofmann: Als ich angefangen habe, gab es keine Handys, nicht mal Internet. Eigentlich unvorstellbar.

War es damals leichter, die Schüler zu erreichen?

Hofmann: Das kann ich so nicht sagen. Die Zeit entwickelt sich und man geht mit.

Das heißt? Die heutige Generation ist gar nicht schwieriger zu unterrichten als die vorherige?

Hofmann: Ich mache keine Einteilung in leichter und schwieriger. Damit kommt man als Lehrer auch nicht weiter. Die Frage lautet doch: Wie gehe ich mit der aktuellen Situation vernünftig um? Welche Bedürfnisse haben Jugendliche und wo kann ich sie mitnehmen?

Wo werden die Schüler am AKG mitgenommen?

Hofmann: Bei den verschiedensten Angeboten, die von Theater über Musik bis hin zum Sport reichen. Wir haben hier auch alle möglichen Tiere, Hasen, Fische und vieles mehr.

An der Schule?

Hofmann: Ja. Das gehört für mich zu den schönsten Errungenschaften. Wenn ich vor Schulbeginn den Hasen frischen Salat bringe und auf die Schule schaue, dann geht mir das Herz auf. Der Opa eines Schülers hat mit den Jungs ein Gartenhaus neben den Hasenstall gebaut. Da liegen manche Kinder auch in den Ferien nachmittags in den Liegestühlen und lesen. Das finde ich fantastisch.

Klingt so, als wäre das G8 gar nicht so dramatisch, wie es immer heißt?

Hofmann: Hier an der Schule ist es jedenfalls kein besonders großes Thema. Ich habe auch nicht feststellen können, dass bestimmte Wahlkurse nicht mehr gewählt wurden. Und wir haben nach wie vor ganz viele Schüler, die in Vereinen sehr engagiert sind. Das Gymnasium hat durch das G8 eine andere Dynamik bekommen, gerade weil die Nachmittagsbetreuung dazu kam.

Das heißt: Man hätte es einfach beim G8 belassen sollen?

Hofmann: Am nervigsten fand ich die ganze Diskussion um die Rückkehr zum G9. Aber die ließ sich irgendwann nicht mehr aufhalten. Es ist für alle Beteiligten nicht gut, wenn jahrelang diskutiert wird, ob eine bestimmte Schulform eine Zumutung ist. Eine gute Schulausbildung ist in acht und neun Jahren möglich. Entscheidend ist vielmehr, wie ich als Schüler an die Sache her-angehe.

Würden Sie jungen Menschen heute noch empfehlen, Lehrer zu werden?

Hofmann: Auf jeden Fall, das ist ein toller Beruf. Aber ich würde darauf hinweisen, dass es Zyklen gibt, wo es schwierig ist, einen Arbeitsplatz zu bekommen.

Warum ist dieser Beruf so toll?

Hofmann: Weil man mit jungen Menschen zu tun hat, deren Entwicklung beobachten und begleiten kann.

Wie haben Sie sich in den Jahren als Schulleiterin entwickelt?

Hofmann: Früher habe ich Kritik sehr persönlich genommen. Jetzt kann ich damit souverän umgehen.

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