KITZINGEN

Volle Kartons, voller Erfolg

Heike Engel aus Kitzingen ruft zur Sachspendenaktion für bedürftige Rentner auf - und muss wenig später ihr Wohnzimmer räumen.
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Abtransport: Claudia Kossyk und Pamela Joch von der Caritas sowie Volker Göbel von der Diakonie holen die Sachspenden ab – und verteilen sie bei bedürftigen Senioren. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Das Wohnzimmer ist vollgestellt. Nur ein kleiner, schmaler Weg führt noch in Richtung Couch. Dort sitzt Heike Engel und betrachtet die Kartons vor ihr voller Freude. Der Spendenaufruf hat sich mehr als gelohnt.

Ende Juli hat die Tätowiererin aus Kitzingen ihren Aufruf gestartet: Wer Sachmittel für bedürftige Rentner in Kitzingen spenden will, der ist bei ihr genau richtig. Spätestens seit ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin hat Heike Engel ihr Herz für die Senioren entdeckt. Für Menschen, die das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut haben, die Zeit ihres Lebens die Ärmel hoch gekrempelt haben.

„Mein Aufruf hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen.“
Heike Engel, Spendensammlerin

Und im Alter mitunter nicht genug Geld haben, um sich ein paar Dinge des alltäglichen Gebrauchs zu leisten. „Mein Aufruf hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen“, freut sich Engel. Von Geschäftsinhabern aus Stadt und Landkreis Kitzingen über Zahnärzte bis hin zu den Mitarbeitern der Landratsamtes: Etliche Personengruppen haben mitgemacht. Die weiteste Strecke hat ein Paket aus Coburg zurückgelegt. Ein Kosmetikstudio hat jede Menge Parfüms geschickt.

„Am meisten haben natürlich Privatleute abgegeben“, sagt Engel, die vor vier Jahren schon einmal einen ähnlichen Aufruf gestartet hatte. „Dieses Mal habe ich ungefähr fünf Mal so viel bekommen“, erklärt sie und zeigt auf die vollen Kartons. Shampoo-Flaschen lagern darin, Seifen, aber auch Zahnputzbecher, Nagelscheren oder Rasierpinsel. „Insgesamt sind es 6640 Einzel-Artikel“, berichtet Engel und muss selbst über diese Zahl und die Kreativität der Spender staunen. Die haben sich nicht strikt an die Vorschläge der Organisatorin gehalten, sondern auch so sinnvolle Dinge wie Einmal-Rasierer oder Tuben für Lippenpflege abgegeben.

An diesem Montag sind die Spenden – wie geplant – übergeben worden. Claudia Kossyk und Pamela Joch von der Caritas in Kitzingen und Volker Göbel von der Diakonie haben die Kartons mitgenommen. „Es gibt genug Bedürftige, die sich über diese Sachspenden freuen werden“, versichert Kossyk. Manche von ihnen schämen sich für ihre Altersarmut und wollen Geschenke gar nicht annehmen. „Denjenigen werden wir die Sachspenden einfach vor die Tür stellen“, kündigt sie an.

Ein Teil der Spenden wird in den Pflegeheimen der Caritas verteilt, die meisten Artikel von den Mitarbeitern der ambulanten Pflege mitgenommen. Ähnlich verfährt die Diakonie. „Wir werden mit unseren Mitarbeitern beraten, wer diese Dinge besonders gut gebrauchen kann“, kündigt Volker Göbel an. In den Heimen will er Artikel wie Leselupen oder Rasierpinsel anbieten. „Das sind Zusatz-Artikel, die keine Krankenkasse bezahlt“, erklärt er. Nach und nach räumen die beiden zusammen mit Pamela Joch und dem Fahrer Andreas Zahl das Wohnzimmer von Heike Engel leer und verfrachten die Kartons in den jeweiligen Autos. In den nächsten Tagen werden die Spenden – wie versprochen – direkt bei den hilfsbedürftigen Senioren ankommen. Ob sie noch einmal so eine Aktion starten will? Heike Engel zieht eine Augenbraue hoch. „Das bin ich schon häufiger gefragt worden.“ Ihre Antwort: Irgendwann wird sie noch einmal loslegen. Jetzt freut sie sich aber erst einmal, dass sie wieder viel Platz in ihren eigenen vier Wänden hat.

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