Kitzingen

Unsere WM-Kolumne: Letzte Stunden als Weltmeister

Ist doch klar, wer Weltmeister wird: Unsere Nachbarn! Weil sich alles viel eleganter und weicher anhört. Mbappé. Griezmann. Mon Dieu. La Ola.
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Autofähnchen auf Halbmast
Wenn man ganz ehrlich ist, lässt es sich nicht anders sagen: Mexiko hat so gespielt, wie wir gerne aufgetreten wären. Frisch, unbekümmert, stürmisch. Da muss man – das gebietet der Sportsgeist – den Sombrero vor ziehen. Die Frage ist nur: Wer hat unseren Jungs beim WM-Auftaktspiel Blei in die Schuhe gesteckt? Wahrscheinlich steckt mal wieder der Putin dahinter. Jedenfalls ist es jetzt um so gewagter, mit einer Kolumne anzutreten, die den umwerfend optimistischen Titel „Wir werden Weltmeister!“ trägt. Aber bitte: Wer nicht wagt . . . Zumal es ja trotz oder gerade wegen der unerwarteten Niederlage einiges zu sagen gibt: Beispielsweise tauchte nach dem 0:1-Fiasko umgehend die Frage auf, ob man jetzt die vielen Autofähnchen nicht besser auf Halbmast setzen müsste? Heiß diskutiert wurde zudem, ob das Gekicke gegen die Speedy-González-Mexikaner schon Arbeitsverweigerung war? Oder ob man sich einfach noch im Vorbereitungsmodus befand und unserem Team keiner gesagt hat, dass es jetzt losgegangen ist. Vielleicht sollten wir unserem Team mal die entsetzten Gesichter vom Public Viewing auf dem Kitzinger Bleichwasen schicken – das müsste dann eigentlich für ein 5:0 gegen Schweden am kommenden Samstag reichen. Wobei zur Wahrheit auch gehört: Zuletzt sind die WM-Titelverteidiger allesamt (siehe Spanien 2014 und Italien 2010) in den Gruppenspielen rausgeflogen. Aber egal: Sombrero richten, Fähnchen wieder hissen und fertig machen für 5:0-Jubel auf dem Bleichwasen.

So, das war's nun fast schon wieder mit der WM in Russland. Im Halbfinale ist es für die Belgier und Brexit-Engländer ganz blöd gelaufen. Mehr als die Goldene Ananas ist nicht drin, wobei die Belgier ja immerhin noch die Chance auf das schönste Trikot haben.

Wie das Endspiel läuft, steht im Grunde auch schon fest: Frankreich hat zwar eine formidable Offensive, am Ende aber werden eine Standardsituation und ein Innenverteidiger wie gehabt für die Franzosen entscheiden.

Mon Dieu!

Unsere Nachbarn werden auch deshalb Weltmeister, weil sich alles viel eleganter und weicher anhört. Mbappé. Olala. Griezmann. Mon Dieu. Pogba. Giroud. La Ola. Fromage. Chapeau. Baguette. Contenance. Lauter Wohlfühlworte.

Dazu ein Trainer, der sich wie ein neues In-Getränk anhört: Deschamps. Mbappé macht für Pogba eine Pulle Deschamps auf – das klingt weltmeisterlich.

Dagegen die harten und unrunden Laute der Kroaten: Modric. Mandzukic. Rakitic. Rebic. Kramaric. Nicht so wirklich elegant.

Schachbrett statt Trikot

Was aber noch nicht reicht: Statt Trikots tragen die Spieler Schachbrettmuster – das kann eigentlich nicht gut gehen.

Andererseits: Der schönste Jubel kam definitiv von Kroatien. Wie der Torschütze Mario Mandzukic auf den Fotograf Yuri Cortez fiel. Der hat in der Jubelberg einfach weiter fotografierte – Bilder für die Ewigkeit.

Bloß kein Kater!

Egal wie es ausgeht – auf alle Fälle sollten Sie die Zeit bis zum Endspiel genießen. Bis dahin nämlich sind wir ja schließlich noch Weltmeister. Darauf sollten wir schnell noch einen Deschamps trinken – und einen Mbappé hinterher.

Aber nicht übertreiben. Sonst kann es dann sein, dass Sie am nächsten Tag als entthronter Weltmeister mit einem echten Kramaric-Kater aufwachen.

„WM ganz entspannt“ hat hiermit den Schlusspfiff erreicht. Schöne Endspiel allerseits!



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