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MARKT EINERSHEIM

Trotz Corona-Auszeit: So kriegen Kinder keine Krise

Ein Beispiel aus Markt Einersheim zeigt: Per WhatsApp tauschen sich Eltern aus, um ihren Nachwuchs sinnvoll zu beschäftigen – und machen sich dabei auch noch Mut.
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Zweitklässler Moritz hat die Hausaufgabe bekommen, ein Holzschiffchen zu bauen. Mitgemacht hat letztendlich die ganze Familie – und beim Ausflug an den Bach wurde auch die Schwimmtauglichkeit getestet. Foto: Foto: Jennifer Hofmann
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Fünf Wochen frei?! Was sich im ersten Moment vor allem für die Kinder nach ziemlich langen Ferien angehört hat, entpuppte sich im Verlauf der letzten Tage als Trugschluss – für alle Beteiligten. Hallenbad, Kino und Sportplatz sind geschlossen, Freunde treffen verboten. Und jetzt? Unter dem Mut machenden Titel „You can do it“ hat sich über den Messenger-Dienst „What?s App“ eine Gruppe von Eltern zusammengefunden, die sich und ihren Kindern mit vielen Spiel- und Bastelideen gegenseitig über diese anstrengende Zeit helfen – und noch viel mehr füreinander tun. „Krass, wie kreativ ihr alle seid“, schrieb da ein Vater, dessen Zwillingsmädchen im Grundschulalter sich bisher mit Puzzle und Gartenarbeit begnügten. Andere Gruppenmitglieder mussten gleich ganz andere Beschäftigungskaliber auffahren – aus verschiedenen Gründen. Während eine Familie die „Hausaufgaben“ aus der Schule zu lösen hatte und beim angeordneten Schiffchenbau auch die jüngeren Geschwister mithelfen durften, war eine andere Mutter mit ihrer Sechsjährigen dauerhaft gefordert. „Hut ab vor allen Muddis mit Einzelkindern“, stand dafür ein respektvoller Kommentar im Chat.

Wunsch nach sinnvollen Tipps

Die Idee zu der Gruppe, in der „konstruktive Ideen zur Kinderbeschäftigung“ gesammelt werden sollen, hatte Carina Klatt. Die dreifache Mutter mit Kindern im Alter von einem, drei und fünf Jahren hatte sich zuvor über mehr oder weniger lustige Kommentare, Bilder oder Videos zu diesem Thema gewundert, die über die Sozialen Netzwerke in Umlauf gebracht wurden. „Ich habe mir mehr Tipps gewünscht, mit denen ich wirklich etwas anfangen konnte“, erklärt die Markt Einersheimerin und fügt mit einem Zwinkern hinzu: „Am liebsten von Leuten, die ich kenne und von denen ich weiß, dass sie ein bisschen Erfahrung haben mit Kinderbetreuung.“ Niemand wurde ungefragt hinzugefügt, jeder konnte sich freiwillig melden. So brachte Carina Klatt Bekannte und Verwandte zusammen, nicht nur aus Markt Einersheim und der näheren Umgebung, sondern aus den verschiedensten Ecken Deutschlands. Ob Dorsten-Rhade in Nordrhein-Westfalen, Roßtal im Landkreis Fürth oder Landeshauptstadt München: Überall waren die Mütter und Väter froh über die ganz unterschiedlichen, aber immer kreativen oder sorgfältig recherchierten und selbst geprüften Vorschläge.

Der Austausch tut allen gut

So ging es zum Beispiel auch um den Medienkonsum und die unbegrenzten Möglichkeiten des Internets. Mit Freunden zum Beispiel Stadt-Land-Fluss per Webcam zu spielen, ist eher den älteren Kindern (und ehrgeizigen Papas) vorbehalten, ebenso wie die Live-Übertragung von Mozarts „Die Zauberflöte“ des Münchner Marionettentheaters. Und für die Kleineren bieten sich Hörspiele an. Viel Material finde sich bei Spotify und Co. „Wenn man sicher sein will, dass jemand fachlich mal auf den Inhalt geschaut hat, kann ich Kinderpodcasts empfehlen“, erklärt der Vater der Zwillinge – und hat auch gleich einige Anbieter parat.

Inzwischen geht es in der Gruppe aber um viel mehr, als einfach nur Beschäftigungsmöglichkeiten zu sammeln. „Jetzt mal ganz im Ernst: Leiden Eure Kinder auch so?“, schrieb zum Beispiel Ende letzter Woche eine Mutter zweier Mädchen, die „so selig“ waren, als sie mal mit ihren beiden Cousins spielen durften – das war vor der Ausgangsbeschränkung. „Meine Eltern sitzen auf der Terrasse und schauen von weitem zu. Die sind auch schon ganz fertig, weil alle auf Abstand gehen.“ Aus der Ferne nicken sich die Mitglieder zu. „Ja, es ist hart für alle“, antwortet einer von ihnen. „Aber es muss leider sein, wir werden es sonst alle bereuen.“ Man versteht sich, macht sich Mut. Wen wundert da noch der Gruppenname: „You can do it – wir schaffen das“.

Ideen für daheim

Hausaufgaben Nicht nur die Schulen kümmern sich online um die Betreuung der Kinder („Unsere Lehrerin macht das wirklich spitze“, sagt zum Beispiel eine Einersheimer Grundschulmama). Viele Kindergärten zeigen auf ihren Homepages verschiedene Angebote, mit denen auch jüngere Kinder sinnvoll beschäftigt werden können.

Ideen Hier eine kleine Zusammenstellung der Vorschläge aus der Gruppe „You can do it“: Atemschutzmasken aus Stoff nähen, Salzteig kneten und Figuren bemalen, einen Brief an den Osterhasen schreiben (bis 6. April an Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt), Steine sammeln und mit Wasserfarben bemalen, Petersilienköpfe pflanzen (werden mit Papier-Ohren leicht auch zu Osterhasen); eine schöne Aktion für alle: Regenbogen malen, ins Fenster hängen und beim Spazierengehen schauen, wo noch jemand gemalt und aufgehängt hat.

Online Hinweise und Tipps für die Corona-Auszeit gibt es unter https://coronapause.de; ganz verschiedene Anregungen bietet www.labbe.de; an einer täglichen, digitalen Sportstunde kann man unter www.albaberlin.de teilnehmen oder sich mit Grecco Ampelini auf www.youtube.com auspowern; schöne Ausmalseiten gibt es unter www.handsoffmydinosaur.com oder Vorlagen für Postkarten an Oma und Opa unter www.touchnote.com ; Vorstellungen aus dem Münchner Marionettentheater werden auf www.muema-theater.de übertragen; pädagogisch wertvolle Kinderpodcasts gibt es online beim BR (Geschichten für Kinder, Wissenschaftliches bei Radio Mikro, Klassik für Kids bei Do Re Mikro), vom Deutschlandfunk (Kakadu Kinderhörspiel) oder vom WDR (Die Sendung mit der Maus zum Hören, Kiraka).

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