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VOLKACH/GEROLZHOFEN

Trauerkreis: Lernen, mit der Lücke zu leben

Sie kennen die Trauer aus eigener Erfahrung. Sie wissen, wie man mit ihr umgehen kann. Doris Frömmert und Marianne Wendorf leiten den Trauerkreis „Trauern und Trösten“ in Volkach.
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Marianne Wendorf und Doris Frömmert leiten den Trauerkreis Volkach/Gerolzhofen. Ihr Ziel: Betroffenen in der schweren Zeit helfen. Foto: Foto: Ralf Dieter

Sie kennen die Trauer aus eigener Erfahrung. Sie wissen, wie man mit ihr umgehen kann. Doris Frömmert und Marianne Wendorf leiten den Trauerkreis „Trauern und Trösten“ der Hospizgruppe Volkach/Gerolzhofen. Betroffenen schenken sie ihre Zeit – und ihre Aufmerksamkeit.

Frage: Kann man lernen, richtig zu trauern?

Marianne Wendorf: Jeder trauert anders. Und das ist auch richtig so.

Doris Frömmert: Wichtig ist es, die Trauer immer wieder zuzulassen. Es hilft nichts, sich dagegen zu wehren.

Weil man sonst krank wird?

Wendorf: Das kann tatsächlich passieren. Die Trauer muss raus, sonst kann sie beispielsweise zu Depressionen führen.

Frömmert: Das ist nicht immer ein leichtes Unterfangen.

Wendorf: Wir sprechen nicht umsonst von Trauerarbeit.

Wie können Sie dabei helfen?

Frömmert: Wir bieten zwei Mal im Monat den Trauerkreis „Trauern und Trösten“ an. Die Teilnahme ist absolut freiwillig. Jeder kann kommen, keiner muss sich anmelden. Wir tauschen uns aus, jeder hat genug Freiraum und kann über seinen Verlust reden. Muss er aber nicht.

Wie viele Menschen kommen?

Wendorf: Ganz unterschiedlich, manchmal nur einer, manchmal sind wir zu viert.

Frömmert: Wir leiten den Trauerkreis immer zu zweit. Kann ja sein, dass ein Teilnehmer eine Einzelbetreuung braucht.

Wie läuft so eine Sitzung ab?

Wendorf: Wir geben normalerweise Impulse zu einem bestimmten Thema – Dankbarkeit, Erinnerung oder ein ähnliches Stichwort – und setzen uns in einen Kreis. Dann hören wir in erster Linie zu.

Ist es das, was den Trauernden am meisten fehlt? Jemand, der ihnen zuhört?

Frömmert: Das ist oft der Fall. Für die Angehörigen der Trauernden ist es auch nicht immer leicht, mit der Trauer der Betroffenen umzugehen.

Wie sollte man reagieren?

Wendorf: Auf keinen Fall sollte man Ratschläge geben so nach dem Motto: „Jetzt hast Du aber lange genug getrauert“ oder: „Jetzt wird es Zeit, dass Du wieder mal ausgehst“. Jeder trauert anders, jeder für sich.

Frömmert: In „Ratschläge“ steckt nicht umsonst das Wort Schläge.

Gibt es eine Zeitspanne, in der die Trauerarbeit abgeschlossen sein sollte?

Wendorf: Nein. Es gibt verschiedene Trauerphasen, aber die Trauer selbst ist so individuell, da lässt sich kein zeitlicher Rahmen festlegen.

Frömmert: Ich erinnere mich an eine Mutter, die um ihren verstorbenen Mann trauerte. Sie hat die Trauer erst an sich herangelassen, als ihre Kinder groß genug und aus dem Haus ausgezogen waren.

Frömmert: Manche Betroffene wollen auch Jahre nach dem Tod ihres Partners über ihn oder sie reden. Das mag für deren Angehörige manchmal schwierig sein. Wir hören zu..., ohne zu werten oder besser zu wissen.

Wendorf: Früher gab es in Deutschland ein Trauerjahr. Das war auch äußerlich ein klares Zeichen. Der Respekt der Umgebung war automatisch da. Heute nehmen sich viele nicht mehr die Zeit zum Trauern, stürzen sich gleich wieder in die Arbeit oder in Freizeitaktivitäten.

Können Freunde und Bekannte helfen?

Wendorf: Das Angebot „Ruf mich an, wenn es Dir schlecht geht“, ist zu wenig. Man sollte immer wieder fragen, was den Betroffenen, gerade heute, gut tut: Ruhe oder Reden. Und entsprechend handeln.

Trauern Männer anders als Frauen?

Wendorf: Männer haben eher die Tendenz zum Verdrängen. Manche tragen viel Wut in sich, andere versuchen, körperlich aktiv zu werden. Frauen können eher über ihre Gefühle reden.

Wie viele Männer kommen in Ihren Trauerkreis?

Frömmert: Männer kommen eher selten.

Gibt es auch Trauerfälle, bei denen Sie nicht helfen können?

Frömmert: Die gibt es, aber zum Glück nur in Einzelfällen. Bei jeder Trauer raten wir zusätzlich zu entsprechenden Therapien.

Was hilft den Teilnehmern an Ihren Treffen am meisten?

Wendorf: Sie merken, dass sie nicht alleine sind in ihrer Trauer. Sie tauschen sich aus.

Zwei Mal im Monat dürfte für manchen zu selten sein.

Frömmert: Unser Angebot ist ehrenamtlich. Wir können das nicht jede Woche leisten. Zum Glück gibt es die Telefonseelsorge und Trauerforen im Internet.

Wendorf: Es hilft auch, über die Gefühle zu schreiben. Diesen Rat geben wir allen Trauernden. Beim Schreiben schauen wir zurück und merken: Es geht doch langsam aufwärts. Auch wenn sich manche Lücke nie mehr schließt.

Frömmert: Aber wir können lernen, mit dieser Lücke zu leben.

Hilfe in der Trauer

Trauerkreis der Regionalgruppe Volkach /Gerolzhofen: „Trauern und Trösten“, jeden ersten Mittwoch im Monat um 9 Uhr und jeden dritten Mittwoch im Monat, 19.30 Uhr, Ort: Engertstr.7 Sozialstation, Volkach. Einsatztelefone 09381/9205 oder 09382/8275

Außerdem in Kitzingen Tel. 0151/26 90 14 03 jeden ersten Mittwoch abends ab 19 Uhr.