ALBERTSHOFEN

Schmackhafte Kugel aus der Region

Sie sind weiß, kugelrund und schmecken wie eine Mischung aus Kohlrabi und Rettich. Und sie feiern eine Premiere: Erstmals baut Jürgen Böhm in diesem Jahr für die Gartenbauzentrale Main-Donau in Albertshofen Mairüben an. Zum Auftakt der Freiluftsaison reiht die Gemüsepflanze sich ein in bunte Salate, Kohlrabi, Kopfsalat, Radieschen und Rhabarber, die derzeit auf den Feldern der angeschlossenen Betriebe geerntet werden.
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Geschnitten: Die Schale ist der Mairübe ist etwas härter, kann aber mitgegessen werden. Im Inneren ist die Rübe ganz zart. Foto: Foto: DAniela Röllinger
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Sie sind weiß, kugelrund und schmecken wie eine Mischung aus Kohlrabi und Rettich. Und sie feiern eine Premiere: Erstmals baut Jürgen Böhm in diesem Jahr für die Gartenbauzentrale Main-Donau in Albertshofen Mairüben an. Zum Auftakt der Freiluftsaison reiht die Gemüsepflanze sich ein in bunte Salate, Kohlrabi, Kopfsalat, Radieschen und Rhabarber, die derzeit auf den Feldern der angeschlossenen Betriebe geerntet werden.

„Die Mairübe liegt im Trend“, sagt Kai Fuchs, stellvertretender Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Main–Donau (GMD). Was Trend ist, spiegelt sich nicht nur in den Verkaufszahlen wider, sondern auch in den Jahresgesprächen, die Fuchs mit dem Lebensmittelhandel führt. Mairüben aus Italien konnte man dort bislang schon kaufen – aber keine aus der Region. In diesem Jahr kann Fuchs dem Wunsch nachkommen und Mairüben liefern, die in Albertshofen gewachsen sind. „Der Handel nimmt sie sehr gern.“

Die Mairübe ist auch unter dem Namen Nevette oder Kugelrettich bekannt. Der letzte Name wird ihrem Aussehen gerecht: Die Mairübe sieht aus wie der kleine, dicke Bruder des Rettichs. Geschmacklich ist sie eine Mischung aus Kohlrabi und Rettich, butterweich im Innern und mit einer leichten Schärfe angenehm würzig. Weil sie im zeitigen Frühjahr gesät und im Mai geerntet werden kann, wird „Rübe“ mit dem Monatsnamen gekoppelt.

Eine alte Kulturpflanze

Wer nun glaubt, die Mairübe sei etwas Neues, der irrt. „Das ist eine alte Kulturpflanze“, erklärt Kai Fuchs. Vor der Einführung der Kartoffel spielte sie in Europa eine wichtige Rolle. Und gesund ist die weiße Kugel außerdem: „Sie ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß“, so Fuchs, zudem enthält die Schale einen relativ hohen Anteil an Senf-ölen.

Auch wenn die meisten wie bei jeder Rübe nur genüsslich in die Wurzel beißen, ist auch der Rest der Pflanze essbar. Die Blätter können wie Spinat verarbeitet werden, mancherorts werden auch nur die Blattstiele gegessen, informiert Fuchs.

Wie bei jeder neuen Pflanze geht die Gartenbauzentrale auch die Mairübe erst einmal vorsichtig an. Mit Jürgen Böhm hat sie einen Partner gefunden, der die Rübe anbaut. Der war schnell bereit, mitzumachen. Der Handel hatte Interesse signalisiert, groß investieren musste er nicht und der Anbau ist relativ unproblematisch. „Wenn man erst einen Haufen Geld in die Hand nehmen müsste, wäre es schon schwieriger“, erklärt Böhm. „Aber da ist ja dann die Genossenschaft da“, weist er auf die Unterstützung der GMD hin. Die hat zum Beispiel eine neue Karottenwaschmaschine gekauft – statt wie bislang zwei Tonnen können damit jetzt fünf Tonnen Karotten pro Stunde gewaschen werden.

Jürgen Böhm wäscht die Mairüben in seinem Betrieb auf der eigenen Waschmaschine, die er nicht extra nachrüsten musste. Wenige Meter weiter reiht sich derzeit auf einem halben Hektar Rübe an Rübe. Sechs bis acht Wochen dauert es, bis die Knollen geerntet werden können, acht bis zehn Zentimeter Durchmesser hat jede Kugel dann. Läuft der Absatz weiter so gut wie es jetzt aussieht, wird Böhm seine Anbaufläche erweitern. Ganz auf eine Pflanze spezialisieren wird er sich aber nicht. „Das Risiko wäre zu groß.“ Neben der Mairübe baut der Albertshöfer Tomaten, Gurken, Paprika, Sellerie, Porree und Rettich an. 13 Hektar Freiland bewirtschaftet er, dazu kommt ein halber Hektar im Gewächshaus.

25 aktive Erzeuger hat der Standort Albertshofen der GMD, 19 davon eröffnen die Freilandsaison. Zum Auftakt ernten sie derzeit bunte Salate, Kohlrabi, Kopfsalat, Radieschen, Rhabarber und seit Neuestem eben auch Mairüben. „Wenn das mit der Mairübe funktioniert, vermarkten wir sie in ganz Bayern“, blickt Kai Fuchs in die Zukunft. Etwa 85 Prozent der Produkte werden in Bayern verkauft, der Rest in die angrenzenden Bundesländer.

Trends gibt es nicht nur bei Kleidung oder Schuhen, sondern auch bei Lebensmitteln – und an denen müssen sich die Erzeuger orientieren. Kohlrabi zum Beispiel laufen derzeit nicht mehr so gut, weder vom Absatz her noch vom Preis, so die Erfahrung der GMD. Auch Sellerie und Blumenkohl werden in Bayern immer weniger gegessen. Stark nachgefragt sind dagegen unter anderem Pastinaken und Petersilienwurzeln – sie werden vor allem am zweiten Standort der GMD in Gundelfingen angebaut. Häufig orientieren sich die Käufer übrigens an Kochshows, verrät Kai Fuchs: „Es ist faszinierend, wie viele Leute das schauen und die Produkte dann ganz gezielt kaufen.“

Rezept: Gebackene Mairüben auf Blattsalat

Zur Ernte der ersten Mairüben aus der Region verrät der stellvertretende Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Main-Donau, Kai Fuchs, auch ein Rezept für die schmackhafte Kugel: Gebackene Mairüben mit Sesamkruste auf Blattsalat.

Zutaten: 6 kleine Mairüben (etwa 1 kg), 1 1/2 EL Keimöl, Salz, 1 Bund Schnittlauch, 2 Eier, 40 g ungeschälter Sesam, 2 EL Semmelbrösel, 150 g Babysalat-Mix, 2 EL weißer Balsamessig, Pfeffer, Süßstoff.

Zubereitung: Mairüben schälen und waagrecht halbieren. Den Boden einer flachen Auflaufform mit 1/2 EL Öl bestreichen. Mairüben mit den Schnittflächen nach oben hineinsetzen. Eventuell auf den Unterseiten noch etwas flacher schneiden, damit sie nicht kippen. Mairüben mit Salz bestreuen. Form mit Alufolie verschließen und die Rüben im vorgeheizten Backofen auf der mittleren Schiene bei 200 Grad (Umluft 180 Grad, Gas: Stufe 3) etwa 20 Minuten garen. Inzwischen den Schnittlauch waschen, trockenschütteln und in feine Röllchen schneiden. Eier trennen. Eiweiß mit 1 Prise Salz steif schlagen. Sesam, Schnittlauch und Semmelbrösel unterheben. Eigelb anderweitig verwenden. Masse auf den vorgebackenen Mairüben verteilen. Mairüben wieder in den Ofen geben und weitere 10 bis 15 Minuten bei gleicher Temperatur überbacken. Inzwischen den Salat waschen, putzen und trockenschleudern. Essig, Salz, Pfeffer und restliches Öl zu einer Vinaigrette verrühren und mit etwas Süßstoff abschmecken. Salat mit der Vinaigrette vermischen und auf vier Tellern verteilen. Die überbackenen Mairüben darauf anrichten.

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