Kitzingen

Redaktionsalltag: Kleinigkeiten von Else lernen

Else Lehmann ist tot. 95 Jahre ist sie alt geworden. Die Frau aus Dettelbach war eine erfahrene Kollegin, von der man besonders als Neuling einiges lernen konnte.
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Frühstück: Noch was für echte Rechner

Else Lehmann ist tot. 95 Jahre ist sie geworden. Die Frau aus Dettelbach war eine Kollegin und seit den 60er Jahren im Geschäft. Sie hat schon aus Stadt- und Gemeinderäten berichtet, da haben selbst die heute ganz Alten in der Redaktion nicht einmal geahnt, was eine freie Finanzspange sein könnte.

Es gab im Laufe der Zeit natürlich viele Begegnungen. Die erste bleibt in Erinnerung. Die Kollegin war Anfang der 80er Jahre für die Konkurrenz unterwegs. In Zeiten, als in Dettelbach Bürgermeister Hans Löffler das Regiment führte. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist.

In so einer Sitzung bin ich Else Lehmann begegnet. Der junge Spund, der zum ersten Mal im Stadtrat war, traf auf die erfahrene Berichterstatterin. Sagen wir mal so. Die Tagesordnung war für den Neuling eher uninteressant. Die Kollegin verfolgte, leicht kritisch bis mürrisch, die vom Bürgermeister dominierte Sitzung. Für den Neuling war am interessantesten, dass ein äußerst sympathischer Konditormeister, der sehr früh aus den Federn musste, arg mit dem Schlaf kämpfte und öfter mal verlor.

Nach zwei Stunden war alles vorbei. Der Konditormeister durfte ins Bett, die Berichterstatter hatten Feierabend. Auf die Frage, was man daraus wohl machen kann, sagte die Frau Lehmann: Eine Kleinigkeit geht schon. Zwei Tag später hatte der Neuling tatsächlich eine Kleinigkeit über die Sitzung geschrieben und sich dabei aber so was von sehr schwer getan. Und die Else? Fast eine ganze Seite über die Sitzung. Der Schock saß. Der Neuling war fertig und hatte gelernt, was eine Kleinigkeit a la Else so sein kann.

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