POSSENHEIM

Possermer Jugend mischt beim Wirtshaussingen mit

„Wenn olle Liedla so lang sin, müss mer zwischendurch mal trink“, ruft ein Gast in die Runde – und sogleich wird sich fröhlich zugeprostet im Possenheimer Bürgerhaus. Aber eine der sieben Strophen von „Der schönste Baum“ auszulassen, das kommt unter gar keinen Umständen in Frage beim Wirtshaussingen am Montagabend zum Abschluss der Possermer Kerm.
Artikel drucken Artikel einbetten
Taktgeber: Reinhard “Vitus“ Hüßner mit seiner Quetsche. Foto: Foto: N. Hohler

„Wenn olle Liedla so lang sin, müss mer zwischendurch mal trink“, ruft ein Gast in die Runde – und sogleich wird sich fröhlich zugeprostet im Possenheimer Bürgerhaus. Aber eine der sieben Strophen von „Der schönste Baum“ auszulassen, das kommt unter gar keinen Umständen in Frage beim Wirtshaussingen am Montagabend zum Abschluss der Possermer Kerm.

Fast 40 sangesfreudige Gäste haben sich eingefunden, das Ritual hat Quetsche-Spieler Reinhard „Vitus“ Hüßner vorgegeben: Reihum wählt jeder Tisch ein Lied, er spielt es kurz an, und schon geht's los. „Tisch vier braucht immer so lang“, lästert Hüßner irgendwann am Abend.

Er ist der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik des Bezirks und hat sichtlich Freude im Bürgerhaus. „Ihr seid richtig gut“, lobt er die Schoppen- und Bierselige Runde und verweist nicht ohne Stolz auf das von ihm mit herausgegebene Büchlein „Wirtshauslieder“, das alle vor sich haben. „Fast 30 000 sind inzwischen davon verkauft. Damit haben wir 2010 bei der Präsentation keineswegs gerechnet.“

Jetzt ist wieder volle Konzentration gefordert: Wer „Beim Gengeleswirt“ die Pause vor dem letzten Wort „Schuh“ nicht einhält, muss eine Lokalrunde ausgeben. Fast hätte es mich erwischt – das „S“ konnte ich grade noch so runterschlucken.

Erstaunlich und durchaus erfreulich: Der Possermer Jugendclub feierte nebenan im anderen Gastraum. Und dort wurde nicht etwa die Nase gerümpft über unsere Sangeskünste – vielmehr wurde Vitus gebeten, doch auch bei ihnen mit seinem Akkordeon rumzukommen. „Spiel nicht nur für die Alten, auch für uns“ forderten die Burschen und Mädels um Daniel Kräutlein und Marion Fink ziemlich keck ein.

Als es schließlich so weit war, gab es in unserem Saal nicht etwa eine Schoppen-, Bier- oder Zigarettenpause. Vielmehr wurde laut und energisch „Lustig ist das Zigeunerleben“ angestimmt, auch ohne Vorspieler folgte ein Lied aufs andere. Man merkte, dass die meisten erfahrene Wirtshaussänger sind. Zum Beispiel Georg Falter aus Rehweiler, der bei „Morgenrot, Morgenrot, unsere alte Sau ist tot“, den Vorsänger beziehungsweise Vorbeter gibt. „So wie bei einer Wallfahrt, auch wenn ihr Possenheimer fast alle evangelisch seid.“

Als Vitus längst wieder bei uns den Ton angibt, kommen die Jugendlichen einfach rüber, entern die Bar. Ein paar Lieder stimmen sie an, und „Der schönste Baum“ wird jetzt noch um Strophe acht und neun erweitert: „Das beste Bier ist das Hofmann-Bier“ und „Das schönste Heim, das ist Possenheim.“ Da klingt später fast schon so etwas wie Wehmut durch bei unserem „Schön ist die Jugend“ – die Zeit, die nimmer mehr kommt, egal, wie sehr man sich auch anstrengt.

Die Zeit verfliegt, fast vier Stunden sind um, als Vitus das letzte Lied anstimmt. „Um fünf vor zwölf machen wir Schluss. Ihr sollt ja alle mit raus, wenn Mitternacht die Kerm beerdigt wird.“ Als das leere Bierfass schließlich feierlich unter der Erde gebracht ist, ist Ruh' in Possenheim – bis 2015, bis zur nächsten Kerm.

Die Main-Post in Possenheim

Vorhang auf für eine neue Main-Post-Reihe: Am Montag, 10. November (19.30 Uhr) lädt die Redaktion alle Possenheimer ins Bürgerhaus ein. In lockerer Runde soll darüber diskutiert werden, was die 220 Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils von Iphofen beschäftigt: Wie schafft man es, junge Familien im Ort zu halten bzw. hierher zu holen? Welche Angebote der Kinderbetreuung gibt es, wie steht es mit schnellem Internet, wie mit der Nahversorgung oder der Bus-Anbindung an Iphofen und Kitzingen? Wie ist der Ort für die Zukunft gerüstet?

Moderiert wird die Veranstaltung von Redaktionsleiter Norbert Hohler, für Fra- gen stehen auch Bürgermeister Josef Mend und Main-Post-Berichterstatter Eike Lenz zur Verfügung. Diskussions-Themen ergeben sich vermutlich auch bei der Vorstellung der fünf Vereine des Ortes (Bürgerhausverein, Feuerwehr, Jugendclub, Posaunenchor und Landfrauen) kommende Woche in der Main-Post. Für jeden Gast gibt es ein Freigetränk, selbstverständlich werden wir über die Veranstaltung ausführlich berichten. Im Frühjahr 2015 soll dann Teil zwei der Reihe folgen. NOH

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren