KITZINGEN

Plötzlicher Herztod: Das Herz in die Hand nehmen

65 000 Menschen sterben in Deutschland Jahr für Jahr an einem plötzlichen Herztod. Die meisten von ihnen könnten mit beherztem Eingreifen gerettet werden.
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Sie haben gut lachen: Dr. Wolfgang Karmann freut sich auf das Arzt-Patienten-Seminar am 23. November. Und Karl-Heinz Falk, dass er trotz seines schwachen Herzens daran teilnehmen kann. Foto: Foto: Ralf dieter

Vermeidbar oder schicksalshaft? Auf diese Frage hat Dr. Wolfgang Karmann eine eindeutige Antwort: zum großen Teil vermeidbar! Gegen die Gefahr des plötzlichen Herztodes lässt sich etwas tun. Karl-Heinz Falk ist das beste Beispiel dafür.

Der Hüttenheimer ist 69 Jahre alt. Jetzt sitzt er neben dem Chefarzt in der Klinik Kitzinger Land und lächelt.

Und das mit gutem Grund. Die Behauptung ist nicht übertrieben: Ohne Vorsorge, ohne ein schnelles Eingreifen und ohne etliche medizinische Eingriffe hätte der Winzer dieses Alter nicht erreicht.

„Der hat mir schon ein paar Mal das Leben gerettet.“
Karl-Heinz Falk, über seinen Defibrillator

65 000 Menschen erleiden in Deutschland den plötzlichen Herztod. Jahr für Jahr. „Das sind viel zu viele", findet Dr. Karmann und runzelt die Stirn. Die Klinik will etwas dagegen tun und hat ihr mittlerweile 26. Arzt-Patienten-Seminar dem Thema gewidmet. Durch Aufklärung könnten viele derartige Fälle vermieden werden. Davon sind Dr. Karmann und seine Mitarbeiter überzeugt. Und diese Aufklärung wollen sie am Samstag, 23. November, betreiben.

Karl-Heinz Falk ist seit 13 Jahren in Behandlung. Damals merkte er, dass die Kraft nachließ, dass er kaum noch Treppen steigen konnte. Eine umfangreiche Untersuchung in der Klinik ergab: Ein schwacher Herzmuskel war für den Leistungsverlust verantwortlich. Falk bekam seinen ersten Herzkatheter gelegt. Mittlerweile hat er vier – und einen Defibrillator. „Der hat mir schon ein paar Mal das Leben gerettet“, sagt er und lächelt. Das schwache Herz ist immer in Gefahr, den Patienten in eine Ohnmacht und in den plötzlichen Herztod durch das sogenannte Kammerflimmern zu treiben. Der von einem Defibrillator abgegebene Schock rettet dann dem Patienten das Leben. Das Herz nimmt seine Arbeit wieder auf.

Eine Herzmuskelerkrankung, wie sie Karl-Heinz Falk hat, ist bei rund 15 Prozent der Fälle ausschlaggebend für einen plötzlichen Herztod. Weit häufiger ist bei den älteren Patienten eine schwerwiegende Durchblutungsstörung ursächlich für den plötzlichen Herztod. Autopsien bei am plötzlichen Herztod Verstorbener ergaben eine Häufigkeit der so genannten koronaren Herzkrankheit von bis zu 75 Prozent. Experten schätzen, dass rund sechs Millionen Deutsche an einer koronaren Durchblutungsstörung leiden. Raucher, Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder zu hohem Cholesterin zählen zu den Risikopatienten. Bei den unter 40-Jährigen ist für den plötzlichen Herztod oft eine Entzündung des Herzmuskels verantwortlich. „Wer während eines Infektes ambitioniert Sport treibt, kann seinem Herzen erheblich schaden“, warnt Dr. Karmann.

Außerdem sind bei jungen Patienten für den plötzlichen Herztod in seltenen Fällen eine angeborene Herzmuskelerkrankung, angeborene Herzfehler oder „elektrische Erkrankungen“ verantwortlich. Sportmedizinische Untersuchungen versuchen vor Beginn einer Extremsportart derartige Fälle aufzudecken. Wie auch immer: Gegen die allermeisten Risiken lässt sich etwas tun.

„Der plötzliche Herztod ist in der Regel vermeidbar“, betont Dr. Karmann und empfiehlt jungen Menschen, die genetisch vorbelastet sind, eine Untersuchung beim Hausarzt: Blutabnahme, Ultraschall am Herzen, Belastungs-EKG. Schon wissen Arzt und Patient Bescheid und können Vorsorgemaßnahmen treffen. „Wir raten Frauen und Männern ab 40 Jahren zur Früherkennung durch regelmäßige Check-ups beim Hausarzt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Dr. Dietrich Andresen.

Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler sollten ihr Herz regelmäßig von einem Experten kontrollieren lassen. Zunächst einmal müsse das Ziel lauten, möglichst viele Patienten mit unerkannten Herzkrankheiten zu identifizieren.

Karl-Heinz Falk hat seine Erkrankung rechtzeitig bemerkt. Auch wenn er mittlerweile vier Sonden in seinem Herzen hat: „Eine gewisse Lebensqualität habe ich mir bewahren können", sagt er und lächelt. Im Urlaub ist er in die Berge gefahren und auch in diesem Herbst war er in seinen Weinbergen aktiv. Natürlich spürt er eine gewisse Müdigkeit und muss sich regelmäßig von den Ärzten durchchecken lassen. Aber dank des rechtzeitigen Einschreitens und der Fortschritte der Medizin ist er vom plötzlichen Herztod verschont worden.

Programm

Das 26. Arzt-Patienten-Seminar findet am Samstag, 23. November, in der Klinik Kitzinger Land statt.

9 Uhr: Begrüßung und Vortrag: „Der plötzliche Herztod – Vermeidbar oder schicksalshaft?“ mit Dr. Wolfgang Karmann. 9.45 Uhr: Koronare Herzerkrankung. Vermeidung schützt vor Herzinfarkt und plötzlichem Herztod. (Stefanie Held, Oberärztin). 10.15 Uhr: Was tun beim leblosen Patienten? Rettung durch Wiederbelebung (Dr. Christian Sommer) 10.30 Uhr: Pause mit praktischen Übungen: Wie reanimiere ich richtig? 11 Uhr: Wann sind Herzrhythmusstörungen normal, wann bedrohlich? (Dr. Wolfgang Karmann) 11.30 Uhr: Wann ist ein Defibrillator sinnvoll? (Ulrike Parkinson, Ass.Ärztin) 12 Uhr: Ende der Veranstaltung

Herzstillstand - Was tun?

Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand haben nur eine Chance zu überleben: wenn Zeugen vor Ort sind, die das Geschehen beobachten, richtig einschätzen, die Notrufnummer 112 wählen und sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Laut Deutscher Herzstiftung werden 60 bis 70 Prozent der Herzstillstände beobachtet, von den Zeugen als Notfall richtig erkannt und auch die Notfallnummer alarmiert. Nicht einmal die Hälfte der Zeugen beginnt nach dem Absetzen des Notrufs mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Der Grund: Angst, etwas falsch zu machen.

Der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dietrich Andresen, betont: „Eine Wiederbelebung durch Ersthelfer zur Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsteams (nach durchschnittlich acht bis neun Minuten) ist unabdingbar.

Uns so geht es: Erster Schritt: Bewusstlosigkeit prüfen. Sprechen Sie die Person laut an und schütteln sie kräftig. Zweiter Schritt: Setzen Sie den Notruf ab. 112. Wer ruft an? Was ist passiert? Wo bin ich? Dritter Schritt: Drücken: 100- bis 120-mal pro Minute, etwa fünf bis sechs Zentimeter tief in Richtung Wirbelsäule drücken. Vierter Schritt: Ein Externer Defibrillator kann Kammerflimmern beseitigen.

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