KITZINGEN

Museum als Veranstaltungsort etablieren

Narrisch vor Freude wird er nicht, der Stiftungsvorsitzende des Deutschen Fastnachtmuseums in Kitzingen, Bernhard Schlereth. Dafür gibt es noch zu viele Baustellen und Verbesserungsmöglichkeiten. Aber sein Resümee fällt positiv aus. „Ich bin sehr zufrieden mit der bisherigen Resonanz.“ Vor acht Monaten ist das Deutsche Fastnachtmuseum in Kitzingen eröffnet worden. Etwas mehr als 6000 zahlende Besucher sind seither gekommen. 145 gebuchte Führungen gab es, 14 davon nur für Kinder. So weit die blanken Zahlen. Hinter ihnen verbirgt sich jede Menge Arbeit. Und Überraschungen. Positive wie negative.
Artikel drucken Artikel einbetten
Spendenkappen: Privatpersonen und Firmen können eine rote Samtkappe erwerben und mit ihrem Namen bedrucken lassen. Die 444 Euro kommen dem Deutschen Fastnachtmuseum zugute. Foto: Archiv-Foto: Daniel Peter
+1 Bild

Narrisch vor Freude wird er nicht, der Stiftungsvorsitzende des Deutschen Fastnachtmuseums in Kitzingen, Bernhard Schlereth. Dafür gibt es noch zu viele Baustellen und Verbesserungsmöglichkeiten. Aber sein Resümee fällt positiv aus. „Ich bin sehr zufrieden mit der bisherigen Resonanz.“ Vor acht Monaten ist das Deutsche Fastnachtmuseum in Kitzingen eröffnet worden. Etwas mehr als 6000 zahlende Besucher sind seither gekommen. 145 gebuchte Führungen gab es, 14 davon nur für Kinder. So weit die blanken Zahlen. Hinter ihnen verbirgt sich jede Menge Arbeit. Und Überraschungen. Positive wie negative.

Hoffen auf Schneeballsystem

Zu den angenehmen Überraschungen zählt sicher die 90-Jährige, die zum Senioren-Erzählcafé gekommen ist und von den Rokoko- und Harlekin-Kostümen ihrer Kindheit erzählt hat. Fünf Exponate hat sie dem Museum zur Verfügung gestellt. Und die werden in den nächsten Wochen aufbereitet und ausgestellt. „Wir hoffen auf ein Schneeball-System“, sagt Museumsleiterin Daniela Sandner. Will heißen: Auf mehr Menschen, die dem Museum ihre wertvollen Erinnerungsstücke an die eigene Fastnacht übergeben. Angenehm sind auch die vielen Besucherstimmen, die von den weitläufigen Ausstellungsräumen und der modernen Architektur schwärmen. „Die meisten Besucher kommen aus Bayern und dem Rheinland“, berichtet Sandner. Viele kommen extra wegen des Museums nach Kitzingen. Die meisten sind Tagestouristen.

Schlereth und Sandner haben in den acht Monaten allerdings auch den Eindruck gewonnen, dass das Alleinstellungsmerkmal Deutsches Fastnachtmuseum noch nicht in allen Kitzinger Köpfen verankert ist. Sie berichten von Broschüren, in denen noch der Falterturm als Adresse angegeben wird, vom langen Warten auf Beschilderungen in der Stadt und von Anfragen, die abgeschmettert wurden. „Wir hatten den Vorschlag unterbreitet, dass die Stadt den Eintritt für Schulklassen fördert“, erzählt Schlereth. Das sei von Ex-Bürgermeister Klaus Christof so interpretiert worden, als ob das Museum um Geld bettele. „Das haben wir gar nicht nötig“, versichert Schlereth. Das Museum wird eigenständig betrieben. Die Stadt steuert einen Zuschuss in Höhe von 6100 Euro pro Jahr hinzu. Ansonsten helfen pfiffige Vermarktungs- und Spendenideen, wie der „Kappenhimmel“. Die roten Samtkappen im Eingangsbereich können für einen Betrag von 444 Euro pro Stück mit dem Namen des Förderers bedruckt werden.

Hilfreich sind auch Benefiz-Veranstaltungen wie das Open-Air-Konzert mit Michl Müller am 19. Juli. 999 Gäste werden am Platz hinter der Alten Synagoge erwartet. Nur noch wenige Restkarten sind zu haben.

Die Einnahmen aus der Veranstaltung kommen dem Fastnachtmuseum zugute. „Und das ist auch nötig“, sagt Schlereth. „Wir können finanzielle Kapazitäten gebrauchen.“ Der Stromverbrauch ist bei einer Gesamtnutzfläche von rund 1200 Quadratmetern enorm, manche Abläufe im Museumsalltag müssen nach den Erfahrungen der letzten acht Monate neu strukturiert werden. Ein neues Kassensystem muss her, eine neue Inventarisierungssoftware. Und für die Senioren sollten Klappstühle angeschafft werden.

4,2 Millionen Euro hat die erste Bauphase gekostet. Für die zweite sind rund 300 000 Euro veranschlagt. Die Arbeiten laufen gerade an und sollen im November abgeschlossen sein. Am 8. November soll jedenfalls die rund 160 Quadratmeter große Fläche eröffnet werden, die im ehemaligen Altbau an der Rosenstraße untergebracht ist. Kronjuwelen und Orden, die Bräuche der Fastnacht, eine Maskengalerie und Ausstellungsstücke zum Rollenverhalten von Mann und Frau im Fasching sind zu sehen. Am gleichen Tag wird auch die erste Sonderausstellung zum Thema „Fasching, Fastnacht, Karneval in der DDR“ eröffnet.

Testlauf mit Schiffstouristen

Es sind nicht die einzigen Herausforderungen, die auf Museumsleitung und Stiftungsvorsitz zukommen. Das Museum soll in Kitzingen als Veranstaltungsort etabliert werden – im Oktober wird beispielsweise die Närrische Europäische Jugend in Kitzingen tagen – und die touristischen Angebote sollen verbessert werden. Ebenfalls im Oktober soll deshalb ein Testlauf mit den Schiffstouristen über die Bühne gehen. Sandner will außerdem an einer besseren Vernetzung in der Kitzinger Kulturszene arbeiten und die Zusammenarbeit mit den Museen verbessern.

Jede Menge Arbeit also. Aber wer glaubt, dass ein Deutsches Fastnachtmuseum ohne neue Herausforderungen und Aufgaben funktioniert, der ist ein rechter Narr.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren