KITZINGEN

Mit Bewegung gesund und munter bis ins hohe Alter

Mehr als 17 000 Menschen sind in Deutschland 100 Jahre alt und älter. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Zahl weiter ansteigt. Im Landkreis Kitzingen erst recht. Tipps und Anregungen gab es während der Seniorenwochen jedenfalls in ausreichender Zahl.
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Das Ziel vor Augen: Gesund und glücklich älter werden. Rund 100 Senioren aus dem Landkreis Kitzingen haben sich informiert, wie das funktionieren kann. Foto: Foto: Ralf Dieter

Mehr als 17 000 Menschen sind in Deutschland 100 Jahre alt und älter. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Zahl weiter ansteigt. Im Landkreis Kitzingen erst recht. Tipps und Anregungen gab es während der Seniorenwochen jedenfalls in ausreichender Zahl.

140 Veranstaltungen hat das Landratsamt in den vergangenen Wochen organisiert: vom Vortrag über Beratungen zum barrierefreien Wohnen bis zu Ausflügen. Den Abschluss bildete am Montagnachmittag eine Sprechstunde der anderen Art. Bei Kaffee und Kuchen gaben Chefarzt Dr. Wolfgang Karmann und Internistin Stefanie Held von der Klinik Kitzinger Land Ratschläge für ein gesundes Leben im Alter – und beantworteten Fragen der rund 100 Senioren. Körperliche Bewegung, eine gesunde Ernährung, weder Übergewicht noch Stress und der Verzicht auf Nikotin: Wer all diese Faktoren beherzigt, der hat gute Chancen auf ein hohes Alter. Und vor allem auf ein gesundes Leben im Alter.

Gene sind keine Ausrede

Zahlreiche und langjährige Studien gibt es mittlerweile über dieses Thema. Die Quintessenz: Die meisten Menschen haben es in der Hand, ob sie gesund altern oder nicht. „Die Gene sind keine Ausrede mehr“, betonte Dr. Karmann. Nur bei zehn Prozent der Bevölkerung ist die Genetik ausschlaggebend. Die absolute Mehrheit der Bevölkerung kann die Gesundheit aktiv beeinflussen. Auch im Alter.

Immer mehr Menschen bewegen sich immer weniger im Alltag. Die Arbeit am Computer lässt grüßen. Die körperliche Inaktivität liegt schon auf Rang 5 der Risikofaktoren für einen vorzeitigen Tod. Anders ausgedrückt: Wer sich weniger als eine Stunde in der Woche bewegt, der verliert durchschnittlich 3,2 Lebensjahre an Gesundheit und Wohlbefinden. Dabei würden sich schon zwei Stunden Bewegung in der Woche wohltuend auf das Herz-Kreislauf-System auswirken und vorbeugend wirken gegen Krankheiten wie Diabetes oder Arteriosklerose oder sogar Krebs. „So etwas schafft kein Medikament“, so Karmann.

30 Minuten Bewegung und das an fünf Tagen in der Woche: Dieses Pensum ist für den Mediziner optimal. Zum Sportler muss deshalb niemand werden. Es reicht, manche Bewegungen wieder in den Alltag zu integrieren.“ Einkaufen zu Fuß, spazierengehen, Treppen steigen. Auch mit 65 Jahren lässt sich der Alltagstrott ändern. Gerade bei älteren Frauen hat das einen positiven Effekt auf die Gesundheit.

Inaktivität ist fatal

Wie immobil ein Großteil der Deutschen geworden ist, zeigt eine andere Statistik: nur 60 Prozent bewegen sich mindestens zwei Stunden in der Woche. Selbst junge Leute schaffen dieses Pensum nicht, wie Beobachtungen von Gymnasiasten zeigen. Dr. Karmann: „Wir erziehen unsere Schüler zur Inaktivität. Das kann noch fatale Folgen haben.“

Fatale Folgen hat die Bewegungsarmut schon jetzt. Etwa 50 Prozent der Todesfälle in Europa sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Und deren Ursache liegt in einer ungesunden Lebensweise. Die fränkische Kost ist lecker, aber nicht sehr gesundheitsförderlich, warnt der Mediziner. Mittelmeerkost (Gemüse, Salat, kalt gepresstes Olivenöl) wäre besser.

Und noch eine Nachricht hatte Dr. Karmann mitgebracht, die gerade manche Männer nachdenklich stimmen dürfte: „Der Mann mit Bierbauch ist Diabetes gefährdet“, warnte Dr. Karmann. „Die Frau mit Hüften nicht.“ Begründung: Das Fett am Bauch hat besondere Zellen, die Diabetes fördern.

Vorbeugen und auf die Symptome achten. Diesen Rat gab auch Internistin Stefanie Held den Senioren. Wer innerhalb kurzer Zeit ungewollt Gewicht abnimmt oder über Atemnot klagt, der sollte zum Arzt gehen und sich durchchecken lassen.

Bei der anschließenden Fragerunde bestätigte Karmann beispielsweise, dass die Medikamentenfülle bei älteren Mitbürgern ein großes Problem sei. „Wir gehen mittlerweile dazu über, einzelne Medikamente zu streichen.“ Eine gesunde und bewusste Lebensführung sei der bessere Weg. Und auf diesem Weg bewahrheitet sich vielleicht sogar der Wunsch, den Landrätin Tamara Bischof zu Beginn der besonderen Sprechstunde mit einem Augenzwinkern ausgesprochen hat: „Die Ärzte geben uns heute Tipps und Anregungen, damit wir alle hier mindestens 100 Jahre alt werden.“

Daten rund um die Senioren und die Seniorenwochen

Bevölkerung: Im Jahr 2013 lebten im Landkreis Kitzingen 17 000 Senioren ab 65 Jahren. In 2023 werden es voraussichtlich rund 27 000 Senioren sein.

Am liebsten zu Hause: 96 Prozent der alten Menschen leben zu Hause beziehungsweise werden dort gepflegt. Nur zwei Prozent der deutschen Bevölkerung kann sich vorstellen, in einem Heim zu leben.

Wohnen im Alter: Laut Pestel-Studie 2013 sind nur rund zwei Prozent der 40 Millionen Wohnungen in Deutschland altersgerecht beziehungsweise barrierefrei ausgebaut. Die Studie sieht für den Landkreis Kitzingen bis zum Jahr 2035 einen Bedarf von 2770 altersgerechten Seniorenwohnungen.

Seniorenwochen: Insgesamt 140 Veranstaltungen gab es zum Themenschwerpunkt Gesundheit und Fitness. Das sind 40 mehr als im vergangenen Jahr. Der Seniorenbeauftragte am Landratsamt, Herbert Köhl, ist mit der Resonanz sehr zufrieden. Bedarf sieht er in den kommenden Jahren bei den Themen Barrierefreiheit und Wohnen im Alter. „Für Senioren-Wohngemeinschaften gibt es beispielsweise bislang nur schüchterne Ansätze“, bedauert er. Um das Thema alternative Wohnformen will er sich in den kommenden Jahren verstärkt kümmern.

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