HELLMITZHEIM

Landwirtschaft: Tierische Sorgen

Herbert Weigand ist voller Hoffnung in seine berufliche Laufbahn als Schweinezüchter gestartet. Jetzt ist ihm die Lust auf Investitionen vergangen.
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Herbert Weigand hat einen Schweinemastbetrieb in Hellmitzheim Foto: Foto: Ralf Dieter
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Was ihm fehlt? Die Verlässlichkeit der Politik – und damit auch die Planungssicherheit. Herbert Weigand ist 43 Jahre alt. Er wird seinen Schweinemastbetrieb in Hellmitzheim noch viele Jahre führen. Ob ihn seine Kinder irgendwann einmal übernehmen? Weigand ist skeptisch.

1500 Schweine stehen im Stall, weit außerhalb von Hellmitzheim. Vor neun Jahren hat er das Gebäude errichtet, fünf Jahre später erweitert. „Das war schon eine Entscheidung fürs Leben“, sagt er. Schon als kleiner Junge wollte Herbert Weigand Bauer werden, dann machte er doch eine Ausbildung bei Knauf, arbeitete danach bei einer Spedition, ehe er wieder umschwenkte und seinen beruflichen Traum verwirklichte. Weigand holte die Ausbildung zum Landwirt nach und sattelte den Meister drauf. Bereut hat er den Schritt nicht. „Aber die Entwicklungen der letzten Monaten machen mir schon Sorgen.“

Weigand bewirtschaftet 72 Hektar, mitten auf der fränkischen Platte. „Das ist alles als rotes Gebiet eingestuft“, sagt er. Will heißen: Die Abgabe von Stickstoff wird reglementiert – ab dem kommenden Jahr neu. Jedes Jahr wird der so genannte Düngebedarf ermittelt. Ab 2020 soll er 20 Prozent unter dem bisherigen Bedarf liegen. „Damit setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang“, warnt der Hellmitzheimer. Weniger Düngung bedeutet weniger Ertrag. Der ist aber ausschlaggebend für die jährlich stattfindende Bedarfsermittlung. „Mir bleiben künftig nur zwei Möglichkeiten“, sagt er. „Ich schränke meine Tierhaltung ein oder gebe Gülle an interessierte Kollegen ab.“ Mit einer großen Nachfrage rechnet er keinesfalls. „Die Kollegen haben doch alle das gleiche Problem.“

Und eine Erweiterung der eigenen Lagerkapazitäten? Weigand wiegt den Kopf hin und her. Zum einen sei es sehr schwer, eine Genehmigung zu erhalten, zum anderen seien die Baukosten explodiert. 40 Euro pro Kubikmeter hat er vor zehn Jahren bezahlt. Jetzt lägen die Kosten doppelt so hoch. „Und es gibt nur zwei Firmen in Bayern, die so etwas überhaupt machen.“

Die steigenden Auflagen machen allen tierhaltenden Betrieben zu schaffen. Vor allem den kleinen. Vom 1. Oktober bis zum 31. Januar dürfen sie keine Gülle ausbringen. Daran hat sich Weigand gewöhnt. Jetzt soll auch die verbliebene Zeit streng reglementiert werden. „Der Bedarf muss vor einer Ausbringung festgestellt sein“, erklärt er. Dabei sei bei der Gülleausbringung nach der Ernte immer Bedarf vorhanden, da die Bodenlebewesen immer Nährstoffe bräuchten, um das Stroh in Humus umzuwandeln. „Dieser Humus wird ja später wieder von den Pflanzen zum Wachstum genutzt“, erklärt Weigand. „So entsteht ein Kreislauf, die Nährstoffe bleiben im Boden und werden nicht ausgewaschen.“ Ab nächstem Jahr darf zur Strohrotte allerdings keine Gülle mehr verabreicht werden. Dabei ist Gülle für Weigand ein wertvolles Naturprodukt.

Dass die Landwirte bei der Ausbringung kontrolliert werden, kann er grundsätzlich nachvollziehen. Die kürzlich beschlossene bodennahe Verteilung hält er beispielsweise für richtig. „Mach ich schon seit fünf Jahren so.“ Allerdings müsse man genau hinschauen und differenzieren. Bei Milchvieh sei die Gülle dicker, löse sich gerade auf den trockenen fränkischen Standorten nicht so leicht auf. Viehhaltung in Oberbayern sei nicht dasselbe wie in Franken. „Die Politik sollte die lokalen Unterschiede bei ihren Entscheidungen berücksichtigen“, fordert er.

Und wenn er seinen Tierbestand aufgrund der neuen Gesetzmäßigkeiten tatsächlich reduzierten muss? Weigand zuckt mit den Schultern. „Dann hätte ich mehr Platz im Stall“, sagt er lakonisch und wird gleich wieder ernst. Was ihn am meisten ärgert ist, dass die Vorgaben und Auflagen in Deutschland besonders hoch seien. „Die Holländer und die Dänen lachen uns doch aus“, sagt er. Von dort werden pro Jahr rund elf Millionen Ferkel nach Deutschland importiert.

Durch die geplante Novellierung der Nutztierhaltungsverordnung werden die deutschen Ferkelerzeuger gezwungen, ihren Tieren deutlich mehr Platz zur Verfügung zu stellen als die holländischen oder dänischen Kollegen. Dort gelten auch andere Regeln bei der Kastration. „Und trotzdem kommt da der QS-Stempel drauf“, ärgert sich Weigand. Qualität und Sicherheit sind zumindest nach außen hin gewährleistet.

Der größte Markt für Schweine ist jedoch in China zu finden. 50 Prozent aller Mastschweine leben dort. „Zurzeit grassiert dort die Schweinepest“, sagt Weigand. „Zahlreiche Tiere werden unter desaströsen Umständen entsorgt.“

Dass es seinen Tieren gut geht, ist dem 43-Jährigen schon aus wirtschaftlicher Sicht wichtig. „Nur dann bringen sie auch Leistung“, sagt er. Zweimal täglich schaut er im Stall vorbei. Platz genug hat er dort. Auch für eine Erweiterung. Weigand könnte Auslaufbuchten anbauen und dann auf Bio umstellen. „Aber der Markt ist voll, da ist gar kein Bedarf da“, sagt er. Er könnte auch Platz für weitere 500 Tiere schaffen, die konventionell gehalten werden. „Aber ich weiß nicht, ob ich das wirklich will“, sagt er.

Die Lust auf Investitionen ist ihm mittlerweile vergangen. Die Unsicherheit sei derzeit viel zu groß. Auf der anderen Seite weiß auch Weigand: In jeder Veränderung liegt auch eine Chance. Vielleicht übernimmt einer seiner Söhne einmal den Betrieb. „Aber kann man das den Kindern wirklich zumuten?“, fragt er.

Morgen endet die Serie über Landwirte aus dem Kreis Kitzingen und ihre aktuellen Sorgen mit einem Artikel über Gerhard Heubach, der schon vor mehr als 25 Jahren auf Bio umstieg.

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