KITZINGEN

Koordinierungszentrum: Ehrenamtliche profitieren davon

Das Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement gibt es seit dem Jahr 2012. Seither hat sich viel getan. An Arbeit und Ideen mangelt es nicht.
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Arbeiten Hand in Hand und in einer Bürogemeinschaft: Lisa Kriesinger (WirKT), Paulina Kriesinger (Integrationslotsin) und Tatjana Fischer-Hock (WirKT). Foto: Foto: Ralf Dieter

Die Einrichtung gibt es seit dem Jahr 2012. Seither hat sich viel getan. An Arbeit und Ideen mangelt es nicht.

Der Name ist sperrig: Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement. Die Kurzform geht schneller in den Kopf und hat sich etabliert: WirKT. Unter diesem Namen sind die Mitarbeiterinnen in Stadt und Landkreis Kitzingen bekannt. Ihre Mission: Menschen zusammenbringen. Solche, die sich ehrenamtlich betätigen wollen mit solchen, die ehrenamtliche Helfer suchen.

„Das Koordinierungszentrum hat sich in den letzten Jahren stetig

weiter entwickelt.“

Gerald Möhrlein, AWO-Vorsitzender

„Ehrenamt braucht eine Rahmenstruktur“, sagt Gerald Möhrlein, Vorsitzender des AWO-Kreisverbandes Kitzingen. Die AWO ist Träger der Einrichtung, die vom Landkreis finanziert wird. „Unser Ziel lautet, neue ehrenamtliche Helfer zu beraten und die bestehenden Kontakte zu pflegen“, erklärt Möhrlein.

Zwei Mitarbeiterinnen sind im Koordinierungszentrum tätig, das vor etwa einem Jahr von der Würzburger Straße in die Kitzinger Marktstraße gezogen ist. „Hier gibt es viel mehr Kundenkontakte“, freut sich Lisa Kriesinger, und ihre Kollegin Tatjana Fischer-Hock nickt. Im Schnitt beraten sie pro Monat zwei neue Personen, die sich ehrenamtlich betätigen wollen. Klingt wenig, ist angesichts der Dichte an ehrenamtlich tätigen Menschen im Raum Kitzingen aber nachvollziehbar. „Bayernweit ist der Landkreis Kitzingen Spitze bei den Ehrenamtlichen“, sagt Möhrlein. Im Freistaat betätigen sich rund vier Millionen Menschen ehrenamtlich. Im Landkreis Kitzingen sind es etwa 30000 Menschen.

Einen Teil dieser Helfer zu beraten, ihnen auf Wunsch neue Betätigungsfelder zu vermitteln: das ist eine der Hauptaufgaben der beiden ausgebildeten Pädagoginnen. Jede Woche vermitteln sie außerdem durchschnittlich fünf bis sechs Menschen in neue Aufgabenfelder. Grundsätzlich ist das Portfolio der möglichen Einsatzgebiete breit gefächert. Viele der Freiwilligen sind als Lesepaten in Grundschulen tätig oder unterstützen Geflüchtete dabei, in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Von der Nachbarschaftshilfe über Besuchsdienste bei Senioren, vom Alltagsbegleiter bis zum Helfer bei Events des Stadtmarketingsvereins reichen die Betätigungsfelder. „Wer selber eine Idee hat, wie er sich ehrenamtlich einbringen kann, ist bei uns natürlich auch willkommen“, versichert Fischer-Hock. Dann werden Kontakte vermittelt oder die rechtlichen Rahmenbedingungen beziehungsweise Finanzierungsmöglichkeiten werden abgeklopft.

Das neueste Projekt der beiden WirKT-Mitarbeiter trägt den Titel „Herz-Omas und Herz-Opas“ und soll Familien, die keine Großeltern vor Ort haben, mit Senioren zusammenbringen, die keine Enkel im näheren Umfeld haben. In Dettelbach hat die Caritas diese Idee bereits mit Leben gefüllt. „Wir wollen das gerne im gesamten Landkreis umsetzen“, erklärt Lisa Kriesinger, die seit kurzem mit ihrer Schwester Paulina in einer Bürogemeinschaft arbeitet. Seit dem 1. August ist die Integrationslotsin für den Landkreis Kitzingen ebenfalls in der Marktstraße angesiedelt. „Die Vernetzung ist hilfreich“, sagt sie und berichtet von Geflüchteten, die sich mittlerweile selbst im ehrenamtlichen Bereich engagieren wollen - sei es als Sprachmittler oder als „Wegweiser“ im deutschen Behördensystem.

Auf der anderen Seite werden immer wieder Ehrenamtliche gesucht, die Flüchtlingen weiterführende Sprachkurse geben – weil sie beispielsweise kurz vor dem Berufseinstieg stehen. Auch bei der Wohnraumsuche sind ehrenamtliche Helfer gerne gesehen. Neu ist ein Bewerbungscoaching, das jeden zweiten Dienstag von erfahrenen Ehrenamtlichen angeboten wird.

Fürs nächste Jahr haben sich die Mitarbeiter von WirKT bereits einiges vorgenommen. Anfang März soll eine Freiwilligenmesse in Kitzingen stattfinden, an den Sprachwochen wollen sie ebenfalls teilnehmen und beim Fest der Kulturen ist das Koordinierungszentrum längst Stammgast. Fort- und Weiterbildungen werden ebenfalls angeboten. „Wir greifen dabei gerne Themen aus der Öffentlichkeit auf“, erklärt Fischer-Hock und nennt ein Beispiel aus den letzten Monaten. „Als es um die neue Datenschutzverordnung ging, kamen mehr als 300 Interessenten zu unserer Informationsveranstaltung.“ Derzeit läuft die Workshop-Reihe „Engagement stärken – Haltung zeigen“. Für Themenvorschläge aus den Reihen der Ehrenamtlichen sind die beiden offen.

„Das Koordinierungszentrum WirKt hat sich in den letzten Jahren stetig weiter entwickelt“, freut sich Gerald Möhrlein und lobt die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. 22.500 Euro werden pro Jahr für die Arbeit zur Verfügung gestellt. Der Bundesverband der AWO schießt weiteres Geld dazu. Im nächsten Jahr wird der Kreistag über eine Fortsetzung der Finanzierung für die nächsten drei Jahre beraten. Möhrlein geht von einer Zustimmung aus. „Diese Arbeit ist wichtig“, sagt er. „Und von großem öffentlichen Interesse.“

WirKT

Definition: WirKT ist die Anlauf- und Beratungsstelle in der Stadt und im Landkreis Kitzingen rund ums Ehrenamt – egal, ob bereits freiwillig engagiert, interessiert an einer Tätigkeit oder auf der Suche nach Freiwilligen.

Kontakt: Marktstraße 46 bis 48 in Kitzingen, Tel. 09321/9254284, Mail: info@ehrenamt-wirkt.de.

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