KITZINGEN

Glosse: Wenn Seehofer die Welt rettet

Wer's nicht mitgekriegt hat: Der Tag der Franken ist auch ohne Landesvater Horst Seehofer ein Erfolg. Sein Wegbleiben war ein gefundenes Fressen für die Nummer zwei.
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Horst Seehofer in Moskau
Wo sieht Horst Seehofer seine Zukunft?Foto: dpa Foto: A3216/_Peter Kneffel (dpa)

Wer mit den Großen dieser Welt zu tun hat, weiß: Die Damen und Herren stehen ständig unter Strom, werden von Terminen gejagt und neigen deshalb dazu, ihre Verabredungen mit der bodennahen Umwelt mal umzuwerfen.

Diese Erkenntnis hat sich auch in Kitzingen in die Köpfe derer eingebrannt, die den Tag der Franken organisieren oder darüber berichten durften. Ein Ministerpräsident Horst Seehofer ist halt viel beschäftigt und muss schon deswegen ständig umdisponieren.

Da haben wir auch größtes Verständnis dafür. Ein Mann, der seine Meinung vom Frühstückstisch beim Brunch bereits ändert und beim Mittagessen in einer ganz anderen Spur läuft, lässt sich doch nicht von ein paar Kitzingern terminlich auf Reihe bringen. Und so hat der Landesvater erst einen nicht geplanten Blitzbesuch am Fastnachtmuseum angekündigt, um ein paar Tage später seine Kitzingen-Visite gänzlich zu streichen.

Was? Kein Seehofer am Tag der Franken? Die Eröffnungsrede übernahm die Nummer zwei, Innenminister Joachim Herrmann. Bei fünf Demos zur Nationalpark-Diskussion fehlte der prominenteste Prellbock und im Fastnachtmuseum musste der arme Herrmann den Baustaub schlucken.

Und warum das Ganze? Die Staatskanzlei bleibt auf Nachfrage vage. Unaufschiebbarer Termin am Sonntag, sagt eine Sprecherin. Dem Ministerpräsidenten tue sein Fernbleiben am Tag der Franken in Kitzingen sehr leid.

Uns auch. Ohne die Nummer eins in Bayern ist schon der Staatsempfang nur die Hälfte wert. Auch das Goldene Buch von Kitzingen hat ein Problem. Da stand der Name Seehofer – in künstlerisch gestalteten Lettern – drin. Da hat jetzt der Innenminister seinen profanen Herrmann drunter gekritzelt.

Egal. Man sollte für Seehofer Verständnis haben. Vermutlich musste der Landesvater am Sonntag die Welt retten. Oder zumindest den Bierpreis.

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