EBRACH

Ein Konzept für alle Staatswälder?

Über zwei Tage erstreckte sich die Fortbildungsreihe „Naturerbe Buchenwälder“ in Ebrach. Der Bund Naturschutz (BN) und die deutsche Naturschutzakademie luden mit einer Exkursion und zahlreichen Vorträgen alle Waldinteressierten dazu ein, der Frage „Wie viel Schutz braucht und wie viel Nutzen verträgt der Wald“ nachzugehen. Die Veranstaltung mündete in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern des bayerischen Landtags und des BN.
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Schutz und Nutzen: Im Rahmen der Fortbildungsreihe „Naturerbe Buchenwälder“ diskutierten von links: Florian von Brunn (SPD), Otto Hünnerkopf (CSU), Markus Ganserer (Bündnis 90/Die Grünen), Ralf Straußberger (Waldreferent Bund Naturschutzes) und Hubert Weiger (Vorsitzender Bund Naturschutz in Bayern). Foto: Foto: Matthias Beck

Über zwei Tage erstreckte sich die Fortbildungsreihe „Naturerbe Buchenwälder“ in Ebrach. Der Bund Naturschutz (BN) und die deutsche Naturschutzakademie luden mit einer Exkursion und zahlreichen Vorträgen alle Waldinteressierten dazu ein, der Frage „Wie viel Schutz braucht und wie viel Nutzen verträgt der Wald“ nachzugehen. Die Veranstaltung mündete in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern des bayerischen Landtags und des BN.

Ralf Straußberger, Waldreferent des Bund Naturschutzes, begrüßte in der Runde die Abgeordneten Otto Hünnerkopf von der CSU, Florian von Brunn von der SPD, Markus Ganserer von Bündnis 90 die Grünen und den Vorsitzenden des Bund Naturschutzes in Bayern, Hubert Weiger. Als Moderator interessierte sich Straußberger dafür, inwieweit die Vertreter sich für eine naturverträgliche Nutzung oder den Schutz von Wäldern einsetzen. Von Brunn sagte, die SPD stehe zu den Biodiversitätszielen, wolle zehn Prozent der staatlichen Wälder aus der Nutzung nehmen und verfolge die Ziele Naturschutz, forstliche Nutzung und Erholung. Das Trittsteinkonzept solle auf alle Staatswälder in Bayern übertragen werden.

Keine Gefahr für die Biodiversität

Straußberger übte Kritik an der Höhe der Haushaltsvorgaben der Regierung gegenüber den bayerischen Staatsforsten. Hünnerkopf sagte, dass die Vorgaben nur zweitrangig interessieren. Man wolle in Sachen Biodiversität seinen Aufgaben nachkommen. Der beste Weg sei, ein verantwortungsvolles Nutzen des Waldes mit dem Schutz zu vereinbaren. Es gebe ein klares Votum, aber noch keinen Antrag der CSU, das Ebracher Konzept auf andere Gebiete zu übertragen.

Straußberger wandte ein, dass die Haushaltsvorgaben Auswirkungen auf die Hiebsatzhöhe hätten. Aufgrund dieser Gewinnvorgaben sei der Hiebsatz um 10 000 Festmeter erhöht worden. Hünnerkopf sah keine Gefahr für die Biodiversität, da von den 140 000 Metern Zuwachs im Jahr lediglich 103 000 geerntet werden und von diesen vieles als Totholz liegen bliebe. Man werde keine Übernutzung zulassen, die die Ziele des Nutzens und Schützens gefährde.

Ganserer warnte vor einem Vergleich der Zahlen der Bundeswaldinventur mit denen der bayerischen Staatsforsten. Insgesamt seien Vorräte abgebaut worden und man verzeichne nur eine leichte Zunahme an Totholz, wobei das Laubtotholz geringfügig abgenommen habe. Er sah durch die Gewinnvorgaben der Staatsregierung durchaus einen Handlungsdruck der Staatsforsten, was sich auch auf den Spielraum für Naturschutzmaßnahmen auswirke.

Mangelnde Transparenz

Weiger begrüßte einerseits die Bemühungen für den Naturschutz durch das Trittsteinkonzept. Andererseits kritisierte er die mangelnde Transparenz gegenüber Verbänden und der Bevölkerung. Er forderte die Veröffentlichung der Karten, in denen die Vorrangflächen des Waldnaturschutzes eingezeichnet seien. Kritik übte er auch an der Forstreform 2002 und 2004. Inzwischen werde die mittelfristige Planung durch die Staatsforsten übernommen. Daher sei die Eigentümerstellung des Landtags zu verbessern.

Hünnerkopf sagte, dass die Forstreform dazu diente, die hohen Kosten, darunter jene des Personals, zu senken. Weiterhin habe er von den Beiräten noch nicht gehört, dass mehr Einfluss nötig sei. Angesichts der Reform sei den Staatsforsten Handlungsspielraum zuzubilligen. In Sachen Haushalt stimmte er zu, dass man angesichts von Preisveränderungen auch flexibel in den Vorgaben sein müsse. Denn auch die Natur brauche ihren Spielraum.

Von Brunn sagte, dass die Staatsforsten ein Betrieb seien, der dem Volk gehöre. Daher habe er als Vertreter des Landtags in vollem Umfang Informationen zu erhalten. Auch Ganserer beklagte die fehlende Transparenz.

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