POSSENHEIM

Die Jugend als Kulturstütze

Wer heiratet, ist raus. Das ist die eherne Regel, festgeschrieben in der Vereinssatzung. Zwischen 14 und 30 Jahren gehört man in Possenheim der Jugend an – zumindest, wer Mitglied des eingetragenen Vereins ist, der sich 2002 gegründet hat. Etwa 20 Jugendliche des Ortes schlossen sich damals zusammen, aus eher pragmatischen Gründen: Um Veranstaltungen leichter abzuwickeln und sich vor möglichen Haftungsansprüchen zu wappnen. Natürlich geht es auch um Zusammengehörigkeit und um Kultur- und Brauchtumspflege in dem Iphöfer Stadtteil, also um eine gewisse Romantik.
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Verschworener Haufen: Die Possenheimer Jugend entwickelt viel Fantasie, wenn es um Erhalt und Belebung der Dorfkultur geht. Foto: Foto: Marion Fink
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Wer heiratet, ist raus. Das ist die eherne Regel, festgeschrieben in der Vereinssatzung. Zwischen 14 und 30 Jahren gehört man in Possenheim der Jugend an – zumindest, wer Mitglied des eingetragenen Vereins ist, der sich 2002 gegründet hat. Etwa 20 Jugendliche des Ortes schlossen sich damals zusammen, aus eher pragmatischen Gründen: Um Veranstaltungen leichter abzuwickeln und sich vor möglichen Haftungsansprüchen zu wappnen. Natürlich geht es auch um Zusammengehörigkeit und um Kultur- und Brauchtumspflege in dem Iphöfer Stadtteil, also um eine gewisse Romantik.

Seit der Eröffnung des Bürgerhauses an Silvester 1999 trifft sich die Jugend im Gewölbekeller. Doch so sehr sie räumlich isoliert scheint, so stark bringt sie sich ins Dorfleben ein. Sie stellt Maibaum und Kirchweihbaum auf, hält mit spitzer Zunge die Kirchweihpredigt, veranstaltet eine jährliche Spansau-Party für Jung und Alt oder als Jahreshöhepunkt das Metal-Maniax, einen Beatabend, der schon immer ein Traum der Dorfjugend gewesen sei, wie es auf der Internetseite des Vereins heißt. 2007 fand das bisher letzte Metal-Festival statt, das regelmäßig einige hundert Gäste in das Dorf lockte. Der damalige Vorsitzende Jürgen Adler hatte es im Jahr 2003 initiiert.

„In Possenheim“, so sagte Mitorganisator Martin Voß einst, „hören fast alle Metal.“ Dass die Jugend auch andere Töne anzuschlagen weiß, zeigte sich unlängst beim Wirtshaussingen zur Kirchweih. Als der unnachahmliche Reinhard Hüßner im Bürgerhaus alte Volkslieder anstimmte, stürmten ein paar der jungen Leute die Bar und machten sich zur Melodie von „Der schönste Baum“ ihren eigenen Reim. „Das schönste Heim, das ist Possenheim.“ Da mochte kaum einer widersprechen.

Einige Monate zuvor war Vereinsvorsitzender Daniel Kräutlein in eine Rolle geschlüpft, die es so noch nicht gab in Iphofens Historie. Er schlüpfte in ein Monarchenkostüm und trat als erster Weinprinz des Weinlandkreises auf. Kräutlein war im Jahr zuvor einer der treibenden Kräfte des „Possenheimer Weingenusses“ gewesen. Mit der Veranstaltung hatten die Bürger den Abschluss der Dorferneuerung gefeiert und somit ein weiteres Fest im Ort geboren.

Einen Teil des Erlöses zweier Feten spendeten die Jugendlichen vor vier Jahren für die Restaurierung der Kirche – 250 Euro, keine riesige Summe, aber eine symbolische Geste, mit der sie sich wieder einmal als aktiver Teil der Dorfgemeinschaft in Erinnerung brachten. Dass sie bei der Kirchweihpredigt dieses Jahr die Leistungs- und Hilfsbereitschaft der örtlichen Feuerwehr beim Großbrand in einer örtlichen Schreinerei hervorhoben, zeugt von Seriosität.

Die Selbstverwaltung funktioniert, das zeigt sich auch bei den alle zwei Jahre angesetzten Wahlen. Während sich in vielen Vereinen kaum Kandidaten finden, stehen bei der „Possermer Jugend“ für viele Posten mehrere Kandidaten zur Verfügung. Lebendige Demokratie nennt man das wohl. Die Jugend lernt früh, dass ein Verein nicht nur zum Feiern da ist, sondern dass Vereinsleben auch bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, und sei es beispielsweise als Schriftführer oder Kassenprüfer.

Die Main-Post in Possenheim

Am kommenden Montag (10. November, 19.30 Uhr) lädt die Main-Post alle Possenheimer ins Bürgerhaus ein. In lockerer Runde soll darüber disku- tiert werden, was die 220 Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils von Iphofen beschäftigt. Für jeden Gast gibt es ein Freigetränk, am Mittwoch (12.11.) werden wir über die Veranstaltung ausführlich berichten. NOH

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