BUCHBRUNN

Der Goiker ist heiß begehrt

Draußen bläst ein eisiger Wind. Mit hochgestelltem Mantelkragen eilt Hans Friederich auf das große Schild mit dem Gockel zu. Der „Goiker“ ist quasi das Wappentier der Buchbrunner. Er kräht: „KummRei“. Das lässt sich Altbürgermeister Friederich nicht zweimal sagen. Im Dorfladen ist es schön warm. Und wie es duftet: Nach frischem Kaffee und butterzarten Brezeln. Hans Friederich lächelt.
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Frisch und fröhlich – so wird in Buchbrunn eingekauft. Besonders freitags und samstags hat Helga Hopfengart vom vierköpfigen Verkaufs-Team alle Hände voll zu tun. Auch Lydia Richter (vorne) deckt sich im „KummRei“ gern mit allem Nötigen und allerhand Leckerem ein. Foto: Fotos: Diana Fuchs
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Draußen bläst ein eisiger Wind. Mit hochgestelltem Mantelkragen eilt Hans Friederich auf das große Schild mit dem Gockel zu. Der „Goiker“ ist quasi das Wappentier der Buchbrunner. Er kräht: „KummRei“. Das lässt sich Altbürgermeister Friederich nicht zweimal sagen. Im Dorfladen ist es schön warm. Und wie es duftet: Nach frischem Kaffee und butterzarten Brezeln. Hans Friederich lächelt.

Verkäuferin Helga Hopfengart und Dorfladenleiter Klaus Sattes stehen hinter der Theke und haben ganz schön zu tun. Es ist Freitagvormittag. Im Buchbrunner Dorfladen geht es rund. Einheimische und Auswärtige erledigen ihren Wochenendeinkauf und nehmen sich vielleicht auch Zeit für ein kleines Pläuschchen.

Umsatz liegt im Plan

„Wir freuen uns!“ Günther Schmidts blaue Augen blitzen, wenn er das rege Treiben beobachtet. „Kaum einer hätte gedacht, dass der Betrieb so gut anlaufen würde.“ Als ehrenamtlicher Geschäftsführer ist der 66-jährige Buchbrunner so gut wie täglich im Laden. Er und seine Kollegin Ulla Weber kümmern sich mit viel Liebe und Leidenschaft um ihr „KummRei“. Dieser Einsatz – und der von sechs weiteren ehrenamtlichen Helfern – senkt die Kosten ebenso wie ein ausgeklügeltes Photovoltaik-, Heiz- und Abwärmenutz-System. Und so vermeldet das „KummRei“-Team ein Dreivierteljahr nach der Eröffnung Positives: Der Umsatz liegt im Plan.

Alle Sorgen fallen damit aber nicht von Schmidt ab. Denn: Es war ein Wagnis – und es bleibt eines. „Damit so ein Dorfladen zumindest eine schwarze Null schreibt, sind viele Faktoren zu berücksichtigen“, gibt der frühere Abteilungsleiter der Firma Leoni zu bedenken: „Von den Bau- bis zu den laufenden Kosten für Heizung oder Beleuchtung, von den Personalausgaben bis hin zum passenden Warensortiment.“

2500 Stunden Eigenleistung

Den Buchbrunnern war das bewusst. Sie trauten sich trotzdem. Als Erste im Landkreis gründeten sie zwecks Nahversorgung der Bevölkerung eine Genossenschaft. 180 Anteilszeichner halfen dem „KummRei“ auf die Beine, nachdem der Gemeinderat im November 2012 grünes Licht für den Bau eines Dorfladens gegeben hatte.

In nur einem halben Jahr Bauzeit – und mit 2500 Stunden Eigenleistung – haben engagierte Bürger neben der Hauptstraße, an der Grünfläche zur neuen Siedlung, ein modernes und mit Weitsicht geplantes Gebäude errichtet.

Es könnte irgendwann zum Beispiel auch als Gemeindehaus genutzt werden; entsprechende bauliche Voraussetzungen haben die Buchbrunner geschaffen. Aktuell sieht es freilich nicht danach aus, als müsste der Notfallplan aktiviert werden.

Der Name des Ladens ist Programm. Im Durchschnitt zählt die High-Tech-Kasse 220 Kunden pro Tag – eine stattliche Zahl. „Gut zwei Drittel sind Einheimische“, berichtet Günther Schmidt. Vor allem ältere Leute freuen sich, dass sie im „KummRei“ ihren gesamten Einkauf erledigen können und niemanden brauchen, der sie irgendwohin fährt. „Die Jüngeren kaufen dagegen eher das, was sie anderswo vergessen haben.“

Von Briefmarke bis Brathering

Immerhin 30 Prozent der Kunden sind Auswärtige. „Sie schätzen es, dass sie bei uns bequem bis vor die Tür fahren können und frische Bäcker- und Metzgerwaren bekommen“, stellt Helga Hopfengart fest. Die Verkäuferin freut sich unter anderem über regelmäßige Besucher aus Dettelbach, Mainstockheim und vom Kitzinger Ortsrand.

Seit vergangener Woche Montag gibt es im „KummRei“ sogar einen Lehrling: Nicole Queck wird zur Verkäuferin und danach eventuell zur Einzelhandelskauffrau ausgebildet. Damit besteht das Team komplett aus echten Buchbrunnern: Neben Lehrling Nicole stehen Dorfladenleiter Sattes die beiden 450-Euro-Kräfte Helga Hopfengart und Martina Penka zur Seite.

Das Quartett um die freiwilligen Helfer sorgt dafür, dass sich die 1500 Artikel, die Edeka anliefert, immer schön an Ort und Stelle befinden – von der Briefmarke bis zum Brathering. Was wie oft gekauft wird, vermerken sie auf einer „Renner-Penner-Liste“. Schmidt erklärt: „Wir wollen das Sortiment stetig optimieren und immer mal was Neues bieten.“ Er betont aber gleichzeitig: „Wir sind ein Dorfladen, kein Supermarkt.“

Zu den „Rennern“ gehören auf jeden Fall die regionalen Produkte. Günther Schmidt zählt als Beispiele Eier, Nudeln, Blumen, Weine und Äpfel auf. „Im Herbst hatten wir Trauben aus unserem Alte-Reben-Wengert im Angebot. Und später echten Buchbrunner Bremser, dann Glühwein sowie selbst gebundene Adventskränze.“

Beliebter Treffpunkt

Seit Mai 2014 gibt es im „KummRei“ auch einen Kaffee-Vollautomaten. „Sage und schreibe 5500 Tassen Kaffee haben wir seitdem verkauft“, erzählt Schmidt begeistert. Sicher hat die nette Kaffeeecke, in der die Gäste ein Päuschen einlegen können, dazu beigetragen. Im Sommer kann man sich auf der Terrasse in die Sonne setzen, neben der Grünfläche mit Kinderspielplatz. Dann wird der Dorfladen erst recht zum Kommunikationszentrum.

Hans Friederich kommt fast täglich her. „Was will man mehr?“, fragt er angesichts der frischen Bäcker- und Metzgerwaren, des Vollsortiments und der gemütlichen Kaffeeecke: „Ich bin sehr froh, dass wir den Günther und die Ulla haben. Ihren Einsatz und den der anderen Ehrenamtlichen könnten wir nicht bezahlen.“

Friederichs Nachfolger Hermann Queck sieht das ganz genauso: „Es ist super, was wir hier für ein Team haben und was es auf die Beine stellt.“ Darauf stoßen beide Männer an – mit einem frisch gebrühten KummRei-Kaffee.

Eine gute Sache

Wo gibt es Dorfläden? Im Landkreis Kitzingen bestehen noch zahlreiche privatwirtschaftlich betriebene Dorfläden. Mit seinem genossenschaftlich organisierten Dorfladen ist Buchbrunn aber ein Vorreiter. Zwar gibt es in Rödelsee schon seit 1995 den „Rödelseer Markt“; dieser wird aber als kommunaler Eigenbetrieb geführt. In Obervolkach wird die Idee eines Dorfladens derzeit diskutiert, ist aber noch nicht spruchreif. Wie wirken sich Dorfläden aus? „Gerade für ältere, weniger mobile Bürger ist es eine äußerst feine Sache, wenn sie direkt im Ort einkaufen können. Ihre Selbstständigkeit profitiert davon natürlich enorm“, betont Herbert Köhl, Seniorenbeauftragter des Landkreises Kitzingen. Zudem ist so ein Dorfladen auch ein Kommunikationszentrum. Man trifft sich, unterhält sich, trinkt vielleicht einen Kaffee zusammen. „Das hebt die Lebensqualität.“ Gefahr: Da die Menschen generell immer älter werden – „das kann man nicht ignorieren“ –, glaubt Herbert Köhl, dass Projekte wie Dorfläden eine gute Zukunft haben. Doch eine Gefahr besteht: Nur durch ältere Menschen allein lässt sich solch ein Unternehmen kaum finanzieren. „Die Jungen und Mobilen sind gefordert, das System zu unterstützen und Vor-Ort-Angebote zu nutzen“, findet Köhl. *ldk*

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