RÜDENHAUSEN

„Der Dreck muss weg!“

Wenn Erwin Roth nachts seine Zeitungen austrägt, kommt er auch am einstigen Lomo-Gelände vorbei. Dort begegnet er immer öfter Ratten, die im Dunkeln nach Fressbarem suchen. Erwin Roth ist ein „echter Rüdenhäuser“, der sein Dorf liebt.
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Unappetitlich: In den früheren Blumenkübeln auf dem Autohof türmen sich Abfallbeutel und Plastikflaschen mit urinfarbenem Inhalt. Foto: Fotos: Diana Fuchs
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Wenn Erwin Roth nachts seine Zeitungen austrägt, kommt er auch am einstigen Lomo-Gelände vorbei. Dort begegnet er immer öfter Ratten, die im Dunkeln nach Fressbarem suchen. Erwin Roth ist ein „echter Rüdenhäuser“, der sein Dorf liebt. Deshalb ärgert es ihn auch so, dass der frühere Rasthof am Ortsausgang Richtung Wiesentheid immer stärker vermüllt, Ungeziefer anlockt und ein schlechtes Licht auf ganz Rüdenhausen wirft. Dabei soll der Ort doch eigentlich aufblühen.

Das war zumindest die Hoffnung, als die HC-Concepts GmbH aus Aschaffenburg den früheren Autohof im April 2014 ersteigerte; die Betreibergesellschaft für den Gastrobereich war in die Insolvenz gegangen, der Autohof wurde zwangsversteigert. Der neue Eigentümer Dietmar Gast, Geschäftsführer der Immobilienfirma HC-Concepts, informierte wenig später den Rüdenhäuser Gemeinderat, dass er auf dem 30 000 Quadratmeter großen Areal unter anderem ein Hotel mit 160 Betten und ein Outlet-Center mit bis zu 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten möchte. Der Gemeinderat beschloss, das Gelände deshalb zu überplanen und einen Bebauungsplan aufzustellen.

„Euer Dorf ist ganz schön runtergegammelt.“
Auswärtige zum Rüdenhäuser Erwin Roth

Seitdem hat sich zwar noch nichts Sichtbares getan – außer den wilden Müllablagerungen –, doch der gemeindliche Bebauungsplan ist in Arbeit. Als Vorabzug wurde er im Gemeinderat Anfang März bereits vorgestellt. Am Montag, 16. März, soll nun in einer öffentlichen, außerordentlichen Sitzung des Marktgemeinderats ein Bauantrag der Betreiberfirma diskutiert werden, in dem es um den Autohof und das Tankstellengebäude geht.

Außen sollen laut Ausführung des Architekten keine Änderungen vorgenommen werden; lediglich die Zahl der Sitzplätze soll auf 60 erhöht werden, die Sanitäranlagen sollen saniert und die Küche ins Erdgeschoss verlagert werden.

Ob neben dem Autohof auch das vorgesehene Outlet-Center und das Hotel realisiert werden können, bleibt abzuwarten – die Frage ist, ob die Fläche überhaupt groß genug ist. Ein „Autohof“ muss 100 Lkw-Stellplätze vorweisen.

Vorerst am dringendsten erscheint vielen Rüdenhäusern ohnehin die Frage der Müllentsorgung. Die allerdings ist nicht so einfach zu beantworten. Wolfgang Sandreuter, Leiter des Sachgebiets Abfallwirtschaft am Kitzinger Landratsamt, sagt: Rest- und Biomülltonnen sowie Papiercontainer wurden zum 30. September abgemeldet. „Seitdem hat die kommunale Abfallwirtschaft mit dem Grundstück nichts mehr zu tun.“ Dietmar Gast habe Widerspruch gegen den Gebührenbescheid (bis September) eingelegt und im Dezember gefordert, das Landratsamt solle ihm kostenfrei Gefäße zur Verfügung stellen, damit er den Abfall entsorgen kann. Diesem Ansinnen erteilte Sandreuter eine Absage. „Der Grundstückseigentümer ist zuständig für die Entsorgung auf seinem Gelände.“

Bürgermeister Gerhard Ackermann kann sich vorstellen, wie Gast dazu kam, sich kostenlose Gefäße für den Müll zu wünschen: Eigentlich wollte er die Zufahrt zum Gelände ja komplett sperren – dann hätte niemand mehr hineinfahren und dort Dreck ablagern können. Doch die hinter dem Autohof liegende Gärtnerei Tropica hätte ihr Betriebsgelände dann nicht mehr anfahren können – ihre ganze Logistik ist auf die Zufahrt ausgelegt. „Also hat man eine Vereinbarung geschlossen, dass die Tropica-Lkw durchfahren dürfen“, erklärt Ackermann.

Der Markt Rüdenhausen hätte freilich eine andere Lösung favorisiert: Er wollte den Gemeindeweg zwischen Tankstelle und „Casino an der A3“ (Rasthof) für die Gärtnerei wieder öffnen. Dagegen habe sich das Staatliche Bauamt gewehrt. „Nur deshalb ist es zu der unbefriedigenden Lösung gekommen, die Einfahrt zum Gelände mit Bauzäunen abzusperren, die Ausfahrt aber aufzulassen.“

Was nun? Im Landratsamt ist nicht mehr das Sachgebiet kommunale Abfallwirtschaft zuständig, sondern das staatliche Abfallrecht. „Wir werden auf Herrn Gast zugehen und ihn darauf hinweisen, dass er als Grundstückseigentümer für einen ordnungsgemäßen Zustand sorgen muss“, erklärt Herbert Schwoche. Falls Gast darauf nicht reagiere, könne eine gebührenpflichtige Anordnung erlassen werden, gegebenenfalls auch ein Zwangsgeld. „Doch so weit sind wir noch nicht. Wir versuchen zunächst, uns vernünftig zu einigen.“

Wer die „Sauerei“ letztendlich beseitigt, ist für den Rüdenhäuser Erwin Roth zweitrangig. Er hört ständig Sätze wie: „Euer Dorf ist ganz schön runtergegammelt“

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Und das ärgert ihn. Deshalb fordert er klar und deutlich: „Der Müll muss so schnell wie möglich weg!

Was geschieht mit „der Lomo“?

Was ist passiert? Nachdem der Rasthof an der Rüdenhäuser Ortsausfahrt (an der Anschlussstelle zur A3) Einheimischen und Reisenden jahrelang als „die Lomo“ bekannt war, übernahm der örtliche Spediteur Kai Flagge das Areal im Juni 2009. Er führte Rasthof und Tankstelle als „A3-Lounge“.

Nach drei Jahren stellte sich heraus, dass Tankstelle, Rasthof und Flagges Spedition in Schwierigkeiten geraten waren. Im September 2012 stellte der Mineralölkonzern Total den Tankbetrieb ein, da er laut Flagge andere Interessen verfolte. Im Juli war schließlich auch für die „A3-Lounge“ Schluss.

Flagge ging im Sommer 2013 in die Insolvenz, seitdem steht das Gelände mehr oder weniger leer.

Neue Pläne: Per Zwangsversteigerung wurde das Gelände Ende April 2014 verkauft – an die Immobilienagentur HC-Concepts Aschaffenburg. Deren Geschäftsführer Dietmar Gast erklärte im Sommer 2014 dem Rüdenhäuser Gemeinderat, auf dem insgesamt 30 000 Quadratmeter großen Areal unter anderem ein Hotel mit 160 Betten errichten zu wollen. Außerdem soll ein Outlet-Center mit einer Verkaufsfläche von 1200 bis 2000 Quadratmetern entstehen und der Autohof wieder eröffnet werden. Die Gemeinde erstellt derzeit einen Bebauungsplan.

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