Laden...
LANDKREIS KITZINGEN

Demokratie statt Großkonzerne

An diesem Samstag, 17. Januar, findet in Berlin eine Großdemonstration unter dem Namen „Wir haben es satt“ statt. Ein breites Bündnis fordert Abschaffung von Tierfabriken und den Ausstieg aus dem Freihandelsabkommen TTIP. Mit dabei: Die Kreisgruppe Kitzingen vom Bund Naturschutz (BN). Dazu Fragen an den Vorsitzenden Manfred Engelhardt aus Dettelbach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Manfred Engelhardt Foto: Foto: Haass

An diesem Samstag, 17. Januar, findet in Berlin eine Großdemonstration unter dem Namen „Wir haben es satt“ statt. Ein breites Bündnis fordert Abschaffung von Tierfabriken und den Ausstieg aus dem Freihandelsabkommen TTIP. Mit dabei: Die Kreisgruppe Kitzingen vom Bund Naturschutz (BN). Dazu Fragen an den Vorsitzenden Manfred Engelhardt aus Dettelbach.

Frage: Großdemo in Berlin – wie stark ist der Landkreis Kitzingen vertreten?

Manfred Engelhardt: Unser Bus mit 45 Plätzen ist voll, wir mussten noch Leute abweisen.

„Wir haben es satt“ – worum genau geht es?

Engelhardt: Es geht um die Idee der bäuerlichen Landwirtschaft, die von der industriellen Landwirtschaft in Bedrängnis gebracht wird. Es geht um Umweltstandards, Tierwohl und die Gesundheit des Konsumenten.

Was versprechen Sie sich von der Demo?

Engelhardt: Wir wollen die Politik im Sinne genannter Ziele beeinflussen und ein Gegengewicht gegen die etablierten Lobbys der Agro-Industrie darstellen. Außerdem entsteht durch die etwa 30 000 Teilnehmer aus vielen Teilen der Republik und aus allen Schichten der Bevölkerung ein bewegender Gesamteindruck.

Was regt Sie persönlich im Moment am meisten auf?

Engelhardt: Dass eine Bewegung weg von einer mehr oder weniger demokratischen Welt hin zu einer anderen zu beobachten ist, bei der wenige Großkonzerne sowohl das Kapital der Welt wie auch die Informationslenkung und -verwendung in ihre Hände bekommen. Die Interessen von Wenigen stechen die Interessen der Vielen aus.

„Wir brauchen Menschen, die aktiv mit anpacken.“
Manfred Engelhardt, BN-Kreischef
Ihre Meinung zu gentechnisch veränderten Pflanzen?

Engelhardt: Dazu hatten wir hier im Landkreis 2007 bis 2010 und Anfang 2014 viele Aktionen, Demonstrationen und Diskussionen. Zusammen mit anderen haben wir den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verhindert, um die Vielfalt der Fauna und Flora in der Feldflur zu schützen – und auch zum Schutz der Gesundheit der Menschen.

Eine große Mehrheit der Bevölkerung scheint das geplante Freihandelsabkommen nicht zu bewegen?

Engelhardt: Angesichts der letzten bestürzenden Ereignisse wie Kriege und terroristische Aktionen treten andere Probleme in den Hintergrund. Trotzdem muss man sagen, dass viele Menschen sich für TTIP interessieren. Das sieht man an dem Erfolg einer Unterschriftenaktion im Internet und an der Tatsache, dass der Kitzinger Kreistag sich neben Gruppierungen, Parteien und Institutionen gegen dieses Abkommen positioniert hat.

Der BN im Landkreis – was ist hier gerade das bestimmende Thema?

Engelhardt: Wir fahren auf verschiedenen Gleisen gleichzeitig. Wir sind im Artenschutz unterwegs, indem wir ein weiteres Grundstück für den Amphibienschutz gekauft haben. Meine Stellvertreterin, Ulrike Geise, betreut das Wildkatzenprojekt des BN. Unser Geschäftsführer Klaus Petter fungiert als Biberberater im Landkreis. Außerdem planen wir eine Veranstaltung zur Diskussion von TTIP, schalten uns in die Agrar-Diskussion ein und beziehen Stellung zu Bauprojekten im Landkreis, bei denen wir meist versuchen, den Flächenfraß zu bremsen. Immer wieder taucht das Energiewendethema auf, bei dem wir mit großem Unverständnis den letzten Schwenk der CSU-Politik kommentieren.

Der Naturschutz ist nicht gerade ein bestimmendes Thema – verzweifeln Sie manchmal?

Engelhardt: Resignation macht aus einer möglichen Niederlage eine gewisse. Es gibt gerade angesichts globaler Probleme wie dem Klimawandel reichlich Grund zur Resignation. Manche Wissenschaftler setzen die Zeit auf der Überlebensuhr der tragfähigen Erde auf 20 nach zwölf. Ich versuche mit dem BN diese fatale Zeigerstellung ein Stück zurückzudrücken.

Wann Sind Sie in den BN eingetreten - und warum?

Engelhardt: Nachdem ich 1984 in die neu gegründete Ortsgruppe Dettelbach des LBV eingetreten war, ließ ich mich 1990 von der Kreisgruppe Kitzingen des BN abwerben und im gleichen Jahr zum Vorsitzenden wählen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das hat etwas zu tun mit dem Wunsch, irgendwie in das Geschehen einzugreifen und Zukunft ein wenig wahrscheinlicher zu machen.

Was ich schon immer mal loswerden wollte . . .

Engelhardt: Ich würde mir sehr wünschen, dass sich doch der eine oder andere finden möge, der/die sich mit den oben genannten Zielen und Motiven in irgendeiner Weise identifizieren könnte. Wir haben mehr als 2000 Mitglieder und Förderer in unserer Kreisgruppe, worüber ich sehr erfreut bin. Wir bräuchten aber dringend Menschen, die über ihre Mitgliedschaft hinaus bereit sind, aktiv mit anzupacken und irgendwelche Talente in den Dienst unserer Sache zu stellen. Uns fehlen solche Menschen von Jahr zu Jahr schmerzhafter.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren