KITZINGEN

Das Roxy läuft – dem Einsatz vieler Helfer sei Dank

Seit Monaten herrscht im Kitzinger Kino wieder Betrieb. Jetzt würden sich Genossenschaft und Förderverein über etwas mehr Besucher bei „ganz normalen“ Vorstellungen freuen.
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Volles Haus: Bei der Sonderveranstaltung „Elephant to India“ war Regisseur Wolfgang Pröhl zu Gast im Roxy-Kino. Foto: Foto: Michael Schmitt

Kitzingen. Es soll ein netter Abend mit dem Partner oder guten Freunden werden. Ein Kinobesuch ist da eine willkommene Idee. Seit der Neueröffnung des Roxy-Kinos in Kitzingen wartet diese Möglichkeit sogar direkt vor der Tür. Das Programm steckt Monat für Monat voller Überraschungen. Es lädt zum Entdecken ein und präsentiert oftmals auch Filme, denen man bisher vielleicht keine Bedeutung geschenkt hat – „die es aber wert sind“, so die einhellige Meinung von Michael Schmitt, dem Geschäftsführer der Genossenschaft Roxy Kitzingen e.G, und Christine Jenike, Vorsitzende des Fördervereins.

Frage: Es gibt seit sieben Monaten wieder ein Kino in Kitzingen. Haben Sie das Gefühl, diese Nachricht ist bei allen Bürger schon angekommen?

Jenike/Schmitt: Seit der Eröffnung im März waren immer wieder Berichte über das Kino in verschiedenen Medien, wir haben seit mehreren Monaten eine eigene Webseite, wir sind auf Facebook und Instagram präsent, unser Monatsprogramm liegt überall in der Stadt aus, unter anderem im Tourismusbüro und beim Stadtmarketing Verein, und unser Kinoprogramm wird in der Regionalpresse veröffentlicht – und tatsächlich gibt es trotzdem immer noch einige Kitzinger, die nicht wissen, dass das Kino wieder geöffnet hat. Inzwischen werden es aber immer weniger.

Um den Kinobesuch im Roxy attraktiv zu machen, lassen Sie sich einiges einfallen. Wie werden die Sonderveranstaltungen angenommen?

Jenike: Gut bis sehr gut! Besonders unser „Genusskino“, eine Kooperation mit verschiedenen Kitzinger Gastronomen in Kombination mit einem thematisch entsprechenden Film hat bisher fast immer ein volles Haus gebracht. Besonders viele Anmeldungen gab es für die Veranstaltung mit dem Film „Leberkäsjunkie“ und dem bayerisch-fränkischen Büffet: Alle 90 Plätze im Blauen Saal waren innerhalb von wenigen Tagen reserviert und wir haben noch 30 Leute auf der Warteliste. Aber auch unser „Weinkino“ und das „Literaturkino“ sowie Sonderveranstaltungen mit Regisseur-Gesprächen sind immer sehr gut besucht.

Hinter all dem steckt natürlich auch sehr viel Arbeit. Auf welche Schultern verteilt sich die? Sind Sier gut aufgestellt oder könnte das Team noch Verstärkung gebrauchen?

Jenike/Schmitt: Das so genannte „Kerngeschäft“ liegt noch fast ausschließlich in den Händen der Vorstandsmitglieder und entsprechenden Funktionsträgern der Genossenschaft und des Fördervereins, ist aber ohne die tatkräftige Unterstützung, vor allem von Eva Schmitt und einigen besonders aktiven Förder- und Genossenschaftsmitgliedern, gar nicht möglich. Diesen Kreis werden wir in nächster Zukunft versuchen zu erweitern. Die täglich anfallenden Aufgaben, wie Filmvorführen und Bedienen der Kasse, werden durch unsere einsatzfreudigen, ehrenamtlichen Helfer ausgeführt, denen großer Dank gebührt. Natürlich würden wir uns freuen, wenn sich noch weitere Mitarbeiter finden ließen, jede helfende Hand ist willkommen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, wir unterstützen beim Einlernen. Nähere Angaben dazu können die Interessenten auch dem Monatsprogramm des Kinos entnehmen oder sie können uns telefonisch oder per E-Mail kontaktieren.

Der Anfang war alles andere als leicht. Wegen des Brandschutzes war lange Zeit nur ein Saal – statt der verfügbaren zwei – zum Filmvorführen geeignet. Läuft mittlerweile alles wie geplant? Oder gibt es noch offene „Baustellen“?

Schmitt: Die Baumaßnahmen für den Brandschutz sind im August für beide Säle abgeschlossen worden. Hier verdanken wir der Stadt Kitzingen durch die Vergabe des Zuschusses überhaupt erst die Möglichkeit, das Kino in Betrieb nehmen zu können. Inzwischen ist auch eine Rampe für Rollstuhlfahrer fertiggestellt und die Toilettentür rollstuhlgerecht verbreitert worden. Hier wurde die Finanzierung teilweise durch entsprechende Fördergelder gewährleistet. Offen ist noch die Brandschutzmaßnahme zum Thema Fluchtweg Empore. Hier sollen noch zehn Plätze mit einem speziellen Flair entstehen – für diejenigen Kinobesucher, die sich auch im Kino ein bisschen „Luxus“ gönnen wollen. Wenn alles so läuft, wie wir uns vorstellen, kann die Empore in der ersten Hälfte des nächsten Jahres geöffnet werden.

Gab es Momente, in denen Sie den Schritt bereut haben, das Kitzinger Kino wieder belebt zu haben?

Schmitt: Nein. Ich als Geschäftsführer der Genossenschaft, die der gewerbliche Betreiber des Kinos ist, bin zufrieden damit, wie das Kino läuft. Schön wäre es allerdings, wenn noch mehr Bürger Genossenschaftsanteile erwerben würden – nicht zuletzt deshalb, weil das Roxy durch die Form der Genossenschaft vielen die Möglichkeit bietet, als Besitzer eines Teils des Kinos auch mit darüber zu entscheiden. Persönlich bedeutet das Roxy für mich nicht nur die Erinnerung an frühere Filmbesuche, sondern auch die Möglichkeit, am kulturellen Leben Kitzingens mitzuwirken.

Jenike: Auch ich habe es nicht bereut – auch wenn ich mir ursprünglich einen derart zeitintensiven Einsatz nicht vorgestellt hatte und ich mich manchmal auch – über sicher teils berechtigte – Kritik ärgere. Letztendlich bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass es jammerschade wäre, wenn ein solch schönes Kino wie das Roxy nicht mehr existieren würde. Außerdem sind die zahlreichen, netten Begegnungen und Gespräche mit unseren Kinobesuchern jedes Mal eine wahre Freude.

Sie sind also nach wie vor überzeugt, dass so ein kleines Kino neben den großen Multiplexkinos bestehen kann?

Jenike/Schmitt: Auf alle Fälle, denn den nostalgischen Charme des Ambientes in Kombination mit inzwischen auch brandneuen aktuellen Programmkinofilmen und persönlichen Kontakten kann ein Multiplexkino nicht bieten – zumindest sehen das inzwischen immer mehr Kinobesucher so. Neben unseren zahlreichen Sonderveranstaltungen versuchen wir auch mit speziellen Filmen aus unserem regulären Programm bestimmte Interessengruppen gezielt anzusprechen.

In der Vergangenheit waren das zum Beispiel Reiter und Pferdeliebhaber, Motorradfahrer oder Liebhaber von Roadmovies. Unser Oktoberprogramm enthält jetzt drei Filme, die besonders Fußball-Anhänger begeistern könnten, unter anderem den erst kürzlich gestarteten Film über „Diego Maradona“. Auch die Möglichkeit, einen Kinosaal für Schulveranstaltungen und unterschiedliche Feiern zu mieten, wird jetzt immer häufiger genutzt. Auch die Stadt und der Stadtmarketing Verein unterstützen das Kino in vielerlei Hinsicht.

Was wünschen Sie sich von den Kitzingern?

Jenike/Schmitt: Eigentlich gar nicht so viel – lediglich etwas mehr Besucher in unseren regulären Filmvorstellungen. Ein Kinobesuch im Roxy ist nicht nur bei unseren Sonderveranstaltungen lohnenswert, wir haben auch dazwischen immer wieder durchaus sehenswerte Filme für (fast) jeden Geschmack.

Wo würden Sie das Roxy gerne in drei Jahren sehen?

Jenike/Schmitt: Als ein Kino, das von einer Vielzahl von Genossen getragen wird, in das begeisterte Kinogänger immer wieder gerne kommen und das auch als so genanntes „niederschwelliges Kulturangebot“ eine Bereicherung für die Stadt Kitzingen und den Landkreis ist.

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