KITZINGEN

Ballons für himmlische Hilfsaktion

Der Abschied ist ihr damals nicht leicht gefallen. Und doch verließ die gebürtige Kitzinger Siedlerin Ramona Cofield im Jahr 2008 ihre Heimat. Sie zog nach Atlanta, wo ihre drei Kinder leben. Mit ihnen wollte sie künftig wieder zusammen sein. Die damals 56-Jährige ahnte nicht, dass ihr ein schlimmer Schlag bevorstand.
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Sonnigere Zeiten für Ramona Cofield: Die „Siedler-Sonnenblumen“ Sandra Lussert, Michelle Roth und Stefanie Stockmeyer wollen einer ehemaligen Kitzinger Siedlerin, die in den USA erkrankt ist, helfen. Deshalb organisieren sie am 18. April ein Benefiz-Grillfest auf dem Bleichwasen. Foto: Foto: Diana FUchs

Der Abschied ist ihr damals nicht leicht gefallen. Und doch verließ die gebürtige Kitzinger Siedlerin Ramona Cofield im Jahr 2008 ihre Heimat. Sie zog nach Atlanta, wo ihre drei Kinder leben. Mit ihnen wollte sie künftig wieder zusammen sein. Die damals 56-Jährige ahnte nicht, dass ihr ein schlimmer Schlag bevorstand.

Genau gesagt: ein Schlaganfall. Sechs Jahre nach ihrem Neustart in der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, nördlich von Florida, war urplötzlich nichts mehr so, wie es sein sollte. Ramona Cofield, geborene Rückel, kann ihre gesamte linke Körperhälfte nicht mehr bewegen. Nach der Erstbehandlung im Hospital begab sie sich zur Rehabilitation in ein Sanatorium, wo sie sich derzeit noch immer befindet. „Sie kämpft, um zum Beispiel wieder das Gleichgewicht halten und laufen zu können“, erzählt Michelle Roth vom Aktionsbündnis Siedler-Sonnenblumen. Die junge Frau verbindet eine echte Freundschaft mit Ramona Cofield, die früher eine „wichtige Bezugsperson“ für sie war. „Leider muss sie die Behandlungen komplett selbst bezahlen. Das ist in den USA so.“

Ein Band über den Atlantik

Ramona Cofield hat das Band nach Kitzingen in den vergangenen Jahren nicht abreißen lassen. „Sie war total mit ihrer Siedlung verbunden – auch noch, als sie schon zu ihren Kindern nach Atlanta gezogen war.“ Nun wollen ihr Michelle Roth und ihre Kolleginnen zeigen, dass die Verbindung auch in die andere Richtung funktioniert. Sie veranstalten am Samstagnachmittag, 18. April, eine Grillparty auf dem Freizeitgelände am Bleichwasen in Etwashausen. „Der ganze Gewinn kommt Ramona Cofields Rehabilitation zugute“, erklärt Stefanie Stockmeyer, ebenfalls Siedler-Sonnenblume.

Die Dritte im Bunde, Sandra Lussert, fügt sichtlich erfreut hinzu: „Für Brötchen und Getränke haben wir schon Sponsoren gefunden. Dadurch bleibt hoffentlich schon ein bisschen was hängen, damit Ramona wieder gesund werden kann.“

Egal, ob acht, 18 oder 80 Jahre alt – und egal, ob Siedler oder nicht: Jeder ist ab 14 Uhr zum Mitfeiern am Mainufer eingeladen. Wer möchte, kann einen mit Helium gefüllten Luftballon erwerben, eine Karte mit einem Wunsch für sich selbst, seine Familie oder auch Ramona daranhängen – und in den Himmel steigen lassen.

Selbst wenn die Ballons es wohl nicht bis Atlanta schaffen: „Wir werden Ramona zeigen – zum Beispiel mit Fotos –, dass wir alle an sie denken und ihr nur das Beste wünschen“, macht Michelle Roth deutlich.

Nur das Beste – das bedeutet für die Siedler-Sonnenblumen generell, sich für ihren Stadtteil und dessen Bewohner sozial zu engagieren und zugleich die Geselligkeit und den Zusammenhalt zu pflegen beziehungsweise zu verbessern. Um das professionell tun zu können, möchten die „Sonnenblumen“, zu denen neben den drei Gründerinnen derzeit vier Helferinnen und das „Siedler-Gänseblümchen“ Aaliyah gehört, gern einen e.V. gründen. „Wir wollen die Siedler-Sonnenblumen als gemeinnützigen Verein eintragen lassen.“ Sie hoffen, dass sie für diese Idee weitere Siedler begeistern können.

„Es wartet ein Haufen Arbeit“

Jeder könne eine „Sonnenblume“ werden, wenn Sympathie und soziale Einstellung stimmen, die Menschen offen und unvoreingenommen sind. „Was wir alle drei nicht leiden können, ist Ungerechtigkeit oder so ein Hierarchie-Denken zwischen ärmeren und reicheren Leuten“, betont Sandra Lussert. Gern gesehen sind nicht nur tatkräftige, humorvolle Frauen, sondern auch Kinder und Männer.

„Es wartet ein Haufen Arbeit auf uns“, weiß Sandra Lussert. Die „Sonnenblumen“ treffen sich alle paar Wochen in einem ihrer Privathäuser zur Lagebesprechung, ansonsten werden fast täglich Nachrichten hin- und hergesendet. Künftig sollen die Zusammenkünfte im Bürgerzentrum stattfinden, zu dem das St. Vinzenz-Pfarrheim derzeit umgebaut wird. „Wir wollen ein guter Partner der bestehenden Vereine in der Siedlung werden“, stellt Stefanie Stockmeyer klar.

Auf zum launig-leckeren Nachmittag am Bleichwasen!

Grillparty: Am Samstag, 18. April, von 14 bis 17 Uhr auf dem Freizeitgelände in Etwashausen, nördlich der Alten Mainbrücke. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt, außerdem werden Gasluftballons in den Himmel steigen.

Siedler-Sonnenblumen: Stefanie Stockmeyer, Sandra Lussert und Michelle Roth – alle sind echte Siedlerinnen – haben im Sommer 2014 ein Aktionsbündnis gegründet: die Siedler-Sonnenblumen. „Wir sind hier aufgewachsen, kennen die guten und die schlechten Seiten“, erklärt Sandra Lussert. „Wir wissen, dass die Siedlung manchmal nicht den besten Ruf hat.“ Steffi Stockmeyer nickt. „Wir hängen an unserer Siedlung und wollen etwas für die Lebensqualität hier tun. Von Siedlerinnen für die Siedlung, sozusagen.“

Die ersten Projekte: Nach der Beteiligung am Kirchweihumzug haben die drei Freundinnen zum Beispiel einen vorweihnachtlichen Siedler-Treff organisiert, eine Faschingswanderung ins Leben gerufen und bei der Flursäuberungsaktion mitgemacht. Vom Erlös der Veranstaltungen profitierten unter anderem Bewohner des Notwohngebietes in der Siedlung.

Mitmachen: Wer die Siedler-Sonnenblumen kennen lernen oder unterstützen möchte – zum Beispiel durch (Sach-)Spenden für die Aktionen oder als Schriftführerin –, kann sie über ihre Facebook-Seite kontaktieren ( www.facebook.com/pages/Siedler-Sonnenblumen ) oder sich direkt an Sandra Lussert wenden: Tel. 09321/ 9251156. *ldk*

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