ABTSWIND

Aus dicken Stämmen werden Kunstwerke

Der Wald, das ist auch ein genialer Ort zum kreativen Arbeiten. Das finden die Bildhauer, die derzeit auf dem Friedrichsberg dicke Holzstämme in Kunstwerke verwandeln.
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89 Jahre geballte Bildhauer-Leidenschaft: Willi Grimm lässt seiner Kreativität beim Holz-Bildhauer-Symposium auf dem Friedrichsberg bei Abtswind ihren Lauf. Foto: Foto: Diana Fuchs
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Der Wald. Ein Ort, an den man sich zurückzieht, wenn einem das Leben zu laut wird. Ein Ort, an dem man das Rauschen des Windes spürt, Tierstimmen hört, geheimnisvolle Geborgenheit fühlt. Der Wald ist aber auch ein genialer Ort zum kreativen Arbeiten. Das finden fünf Bildhauer, die derzeit auf dem Friedrichsberg dicke Holzstämme in Kunstwerke verwandeln.

Dort, wo früher die Autos der Besucher standen, die vor der Friedrichsberg-Gaststätte ein kühles Radler tranken und den Blick hinunter Richtung Maintal genossen, hantieren noch bis zum morgigen Samstag zwei Frauen und drei Männer mit Motorsäge und feinem Schneidwerkzeug. Zum „Holz-Bildhauer-Symposium“ hat das Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anlässlich der „Woche des Waldes“ eingeladen. Unterstützt von der Castell-Bank, der Castellschen Forstverwaltung und dem Forstbetrieb Arnstein der Bayerischen Staatsforsten inszeniert Amtsleiter Klaus Behr „Kunst im Wald“.


Kunst kommt von Können. „Auch die Gestaltung der Wälder folgt im weitesten Sinne kunsthandwerklichen Gesichtspunkten“, betont Klaus Behr. Nicht umsonst werde die Forstdisziplin, die sich mit Waldverjüngung und -pflege befasst, als „Waldbau“ bezeichnet. „Wald und Kunst brauchen beide aber auch Liebe!“, ist Behr sicher. Wer die Liebe zum Wald oder zur Kunst nicht tief in sich trägt, der werde letztlich keinen Erfolg haben – weder als Waldbauer noch als Künstler.

Das sehen die fünf Symposiums-Teilnehmer ähnlich. Seit Mittwoch leben sie auf dem Friedrichsberg, übernachten in der alten Gaststätte und arbeiten direkt am Waldrand. „Wissen Sie, was Symposium heißt?“, fragt Willi Grimm, um gleich selbst zu antworten: „Symposium heißt: Arbeiten und feiern. Das war schon bei den alten Griechen so.“ Grimm ist 89 Jahre alt und Stammvater der gleichnamigen Künstlerfamilie. Dabei ist sein Enkel Andreas, der Kunst & Design studiert. Zur „Halbzeit“ gestern war nicht nur Andreas' Stamm bereits ein Hingucker. Der gebürtige Oberfranke Hans Doppel, der in Haßfurt lebt, arbeitete an den Stufen seiner „Lebenstreppe“ und sinnierte dabei: „Als Künstler ist man Mittler zwischen Himmel und Erde.


“ Ganz irdischen Muskelkater befürchtete dagegen Eva-Maria Mandok aus Nürnberg-Feucht. Aus ihrem Kiefernstamm arbeitete sie mit Motorsäge große „Blätter“ heraus. „Aus Altem soll Neues sprießen“, erklärte sie, während ihr der Schweiß von der Stirn lief. Die Dresdenerin Kornelia Thümmel schuftete in der prallen Sonne an einer Menschenfigur.

Die Künstler hatten im Vorfeld Modelle oder Zeichnungen ihrer Objekte erstellt. Kleine Änderungen vor Ort sind aber nie ausgeschlossen. Denn anders als zu Hause im Atelier wird auf dem „wunderschönen Platz“ (Kornelia Thümmel) am Friedrichsberg neben- und miteinander gearbeitet. „Hier kann man sich austauschen, Gespräche führen, die Schaffensweise der anderen miterleben“, freut sich Eva-Maria Mandok.

Aber besteht da nicht auch die Gefahr, dass der eigene Stil verwässert? Willi Grimm schüttelt entschieden den Kopf: „Wir haben alle unsere eigene Art und sind Profis, die sich nichts abschauen müssen. Ein guter Künstler bleibt sich selbst treu.“

Hans Doppel nickt: „Wir üben untereinander knallharte, konstruktive Kritik.“ Diese habe nichts mit Geschmack zu tun, der ruhig unterschiedlich sein könne. Aber es gebe auch in der Kunst unverrückbare Gesetzmäßigkeiten. Willi Grimm formuliert es so: „Eine gute Form bleibt eine gute Form. Und eine schlechte bleibt eine schlechte.“ Auch mitten im Wald an einem herrlichen Platz.

Wer den Künstlern über die Schulter schauen möchte, kann dies heute und morgen noch tun. Einfach den gelben Pfeilschildern am Friedrichsberg folgen.
 


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