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Auf den Spargelfeldern geht es rund

Mitte März machte die Meldung die Runde: Der erste Spargel ist da. Nicht das einzige Problem, mit dem die fränkischen Spargelbauern zu kämpfen haben.
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Fleißige Hände: Auf den Feldern der Spargelbauern wird seit einigen Tagen gestochen. Die Saison ist so früh gestartet wie kaum zuvor.
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Mitte März machte die Meldung die Runde: Der erste Spargel ist da. Nicht das einzige Problem, mit dem die fränkischen Spargelbauern zu kämpfen haben.

Jutta Bernard ist vor rund 30 Jahren nach Volkach gekommen. Seither baut sie mit ihrem Mann Karl-Heinz Spargel an. Jutta Bernard hat eine klare Meinung über ihre Arbeit: „Wir müssen uns nach der Natur richten.“ Immer neue Rekorde? Immer frühere Spargelzeiten? Nichts für die Volkacherin.

Etwa 30 Betriebe gibt es nach der Schätzung von Jürgen Heilmann deutschlandweit, die auf beheizte Spargelflächen setzen. In Bayern sind es drei. Mit Hackschnitzelheizung oder mit Abwärme von Biogasanlagen wärmen sie ab Mitte Januar ihre Flächen. Sechs Wochen lang, bei 30 Grad. Die Folge: Sie können als erste deutschen Spargel anbieten.

Die Nachfrage ist da. Beispielsweise von der Spitzengastronomie. Der Albertshöfer hat es sich vor Jahren auch einmal überlegt, ob er auf den Zug aufspringen soll. „Aber die CO2-Bilanz ist nicht zu rechtfertigen“, sagt er. „Wir sollten lieber die Kraft der Sonne nutzen.“

Heilmann baut seit 25 Jahren Spargel an. Die Fläche ist immer gleich groß geblieben: 40 Hektar. Heilmann setzt seit Jahren auf Tunnel und auf Folien. „Die wirken wie die Bettdecken für uns Menschen“, erklärt er. „Sie isolieren und halten die Wärme.“ Die Folge: Die ersten Spargelstangen konnten auf seinen Feldern schon vor ungefähr zwei Woche geerntet werden. „Aber die Menge hält sich sehr in Grenzen“, sagt er. „Der Unterboden ist noch zu kalt.“

„Mitte April werden wir wahrscheinlich wieder das Vorjahresniveau von rund acht Euro erreichen.“
Jürgen Heilmann Albertshöfer Spargelbauer

Die Temperaturen müssen erst noch steigen, zwischen 15 und 20 Grad im Kronenbereich sind ideal für das Wachstum. Heilmann rechnet – nach der derzeitigen Wetterprognose – Mitte der kommenden Woche mit steigenden Erntemengen. Eine überdurchschnittliche Ernte wird es nach seiner Überzeugung in diesem Jahr nicht geben. „Der Kältereiz hat gefehlt“, erklärt er. Frost zur rechten Zeit hat für den Spargel nämlich durchaus positive Auswirkungen: er stimuliert das Wachstum.

Mit wachsenden Preisen müssen die Verbraucher vorerst nicht rechnen. Als Einstiegspreis rechnet Heilmann derzeit mit zehn Euro pro Kilo. „Mitte April werden wir wahrscheinlich wieder das Vorjahresniveau von rund acht Euro erreichen“, informiert er. Eventuell wird es aber auch etwas teurer.

Ziemlich sicher werden die Preise steigen, wenn der Mindestlohn in Kraft tritt. 8,50 Euro sieht der Gesetzesentwurf der Regierung vor. Für Gemüsebauern ein Problem. Genau so wie für Obstbauern und alle anderen Berufsgruppen, die auf Saisonarbeitskräfte angewiesen sind.

Der Bayerische Bauernverband ist deshalb nicht gerade begeistert über die Pläne. Zumal er mit dem Arbeitgeberverband einen Tarifvertrag ausgehandelt hat. Demnach liegt der Stundenlohn für Saisonarbeitskräfte derzeit bei 7,30 Euro. Bis ins Jahr 2017 soll er auf 8,50 Euro steigen. „Wir sind auf einem gutem Weg“, kommentiert der Geschäftsführer des BBV in Kitzingen, Rudolf Bender. Er betont, dass sich der Bauernverband der Thematik nicht verschließen will. „Aber wenn der Mindestlohn so durchgesetzt wird, dann werden Betriebe dicht machen müssen. Es geht ans Eingemachte.“ Vor allem, wenn man den Vergleich zu anderen EU-Ländern sieht.

Bei 3,91 Euro liegt der Mindestlohn in Spanien, bei 2,92 Euro in Portugal. Und in Polen bei 2,21 Euro. Länder, in denen ebenfalls Gemüse und Obst angebaut werden. Länder, die indirekt vom deutschen Mindestlohn profitieren werden, wie Heilmann befürchtet. Weil ihre Produkte im Vergleich zu den deutschen Erzeugnissen günstiger werden. „Der Mindestlohn wird auf den Produktpreis aufgeschlagen werden müssen“, erklärt Bender. Heilmann spricht von einem Aufschlag in Höhe von 25 bis 30 Prozent.

Grundsätzlich sei der Mindestlohn eine gute Sache, gerade für die Arbeitskräfte, betont der Albertshöfer. Aber im landwirtschaftlichen Sektor sei aus den genannten Gründen eine Ausnahme angesagt.

„Der Mindestlohn trifft uns hart.“
Jutta Bernard. Volkacher Spargelbauerin

„Der Mindestlohn trifft uns hart“, sagt auch Jutta Bernard. Etwa 15 Saisonarbeiter kommen Jahr für Jahr, um die fünf Hektar Spargelfläche zu beackern. „Wenn die 8,50 Euro kommen, müssen wir mit dem Preis hoch“, sagt sie. „Dann werden die Karten neu gemischt.“

Zunächst einmal freut sie sich auf die diesjährige Ernte. Anfang April wird der erste Schwung gestochen. Mitte April ist aller Voraussicht nach die Hauptarbeitszeit.

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