KITZINGEN

Aplawia: Dem Menschen und der Umwelt zuliebe

Andere planen-wir arbeiten. Das bedeutet der Begriff Aplawia. Doch wer und was steckt hinter dem Namen und wie ist das Kaufhaus für Gebrauchtwaren überhaupt entstanden?
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Gemeinsam sind wir stark: Christopher Ketcham, Timo Reuther, Patrizia Kando, Mona Sattler und Emine Centin ( von links). Foto: Fotos: Hanna BAUSEWEIN
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Andere planen-wir arbeiten. Das bedeutet der Begriff Aplawia. Doch wer und was steckt hinter dem Namen und wie ist das Kaufhaus für Gebrauchtwaren überhaupt entstanden?

Anfangs war die heutige Aplawia noch eine Anlaufstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) für sozial benachteiligte Jugendliche, die damals mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen hatten. Man hat damals versucht, die Teenager mit Nachbarschaftshilfe langsam, aber sicher in die Arbeitswelt zu integrieren. Das hat sich dann schnell weiterentwickelt. „Die Jugendlichen wurden nicht nur theoretisch auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, sie mussten gleich mit anpacken. So lernten die jungen Erwachsenen, Verantwortung zu übernehmen und verlässlich zu sein“, erklärt Mona Sattler, die bei der Aplawia für die Verwaltung und die soziale Betreuung zuständig.

Später waren Unabhängigkeit und Selbstständigkeit die Ziele der Aplawia. So wurde aus der Nachbarschaftshilfe in der Egerländer Straße nach zahlreichen Standortwechseln ein Gebrauchtwaren-Kaufhaus im Lochweg des Kitzinger Industriegebiets Schwarzacher Straße. Eine große Entwicklung: Von einer ehemaligen Wohnung in der Kitzinger Siedlung in ein riesiges Gebäude mit zwei Stockwerken.

„Wir haben alles,

außer alte Unterhosen“

Mona Sattler, Aplawia e. V.

„Uns war die Umwelt schon immer wichtig“, sagt Sattler. Jährlich werden Unmengen an Textilien und Möbeln entsorgt, obwohl sie noch brauchbar wären. „Nur weil mir die Farbe nicht mehr gefällt oder etwas Neues den Markt erobert, muss ich doch nicht gleich den Gegenstand wegwerfen“, findet Sattler und weißt auf den Herstellungsprozess und den enormen Wasserverbrauch der Produktion eines einzigen Kleidungsstücks hin. Die Aplawia nimmt unbeschädigte Gegenstände, Möbel und Kleidungsstücke an, die sonst vielleicht im Müll landen würden, und verkauft sie. Für Schnäppchen-Preise. So haben auch sozial Schwache eine Möglichkeit, sich preiswert einzurichten und sich und ihre Kinder günstig, aber hochwertig einzukleiden.

Viele der Einkäufer fragen sich, warum diese Spenden verkauft werden. „Wir haben beispielsweise bei der Abholung von Möbeln nicht nur einen Lkw, der bezahlt werden muss, sondern auch Personal, das dann abstauben, Schrauben nachdrehen und alles wieder verkaufen muss. Und dann soll ja auch noch was für die soziale Arbeit übrig bleiben“, erklärt Sattler und betont: „Bei uns kann jeder spenden und jeder einkaufen. Wir sind kein Sozial-Kaufhaus. Wir geben sozial schwachen Menschen lediglich die Chance, den Weg in die Arbeitswelt zu schaffen.“ Hier werden ihnen die ersten Grundsätze beigebracht: Ohne Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Engagement ist es schwierig, den Arbeitsalltag zu bewältigen.

Im Kaufhaus arbeiten Festangestellte, Bundesfreiwilligendienstleister (Bufdis), Menschen, die vom Jobcenter vermittelt wurden und Jugendliche, die Sozialstunden ableisten müssen zusammen. Außerdem Auszubildende der Bereiche Lager-Logistik, Verkauf, Handel und Büro. „Hier haben wir die Möglichkeit, auf die Probleme des Einzelnen einzugehen. Wir filtern heraus, wer für den normalen Arbeitsmarkt geeignet ist“, erklärt Sattler. Der Geschäftsführer Volker Lang vermittelt Jugendliche mit viel Potenzial dann in Betriebe im Kreis Kitzingen.

Das Team der Aplawia entwirft ständig neue Projekte. Dazu zählt auch die „Oase 22“. Bei diesem Projekt, das zahlreiche Förderungen erhält, waren die sozial schwachen Menschen eingespannt. Von der Planung der Oase bis zum Bau der Umweltschutz-Objekte. Das gab vielen für den ersten Arbeitsmarkt ungeeigneten Personen die Chance, aus sich herauszugehen und eigene Ideen einzubringen. Der zentrale Punkt der Aplawia ist, Benachteiligte zu integrieren.

Seit Neuestem gibt es Sammel-Container, die teilweise schon im Landkreis Kitzingen verteilt. So muss man nicht mehr direkt zu Aplawia fahren, wenn man Kleidungsstücke abgeben möchte. Das Kitzinger Team sortiert dann die brauchbaren Klamotten aus und verkauft sie direkt im Secondhand-Kaufhaus. Der Rest wird von einer speziellen Firma recycelt. Zum Beispiel entstehen daraus Putzlappen. Der Natur zuliebe ist das Sortiment im Kaufhaus sehr groß. Außer normaler Kleidung für Mann und Frau gibt es Bücher, Möbel aller Art und Spielsachen. Das Wichtigste: Alles in einem guten Zustand.

Die Aplawia beschäftigt aktuell zirka 40 Mitarbeiter. Und das nicht nur im Kaufhaus direkt. Es gibt noch die sogenannten „guten Geister“. Diese Mitarbeiter sind der Haushalts-Service des Aplawia e. V. und führen alle Reinigungs- und Hausarbeiten durch. Dazu zählen Bügeln, Putzen, Gärtnern und Kochen. Des Weiteren holt die Aplawia auch verwertbare Möbel ab, entrümpelt verwahrloste Wohnungen und führt ökologische Reinigungen durch.

Wer also überlegt, alte Gegenstände auf den Sperrmüll zu werfen, sollte die Aplawia im Hinterkopf haben. Wer seine Waren dort hinfährt oder abholen lässt, spendet für einen guten Zweck. Nämlich für sozial Schwache – und schützt obendrein noch die Umwelt.

Geschichte der Aplawia

Im Kitzinger Notwohngebiet (Egerländer Straße) gründete der Sozialpädagoge Knut Roßberg 1984 unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zusammen mit Gleichgesinnten den Verein „Aplawia – andere planen, wir arbeiten“. Man kümmerte sich vor allem um arbeitslose junge Menschen. 1997 zog der Verein ins Gewerbegebiet Nord (August-Gauer-Straße) und erweiterte sein Angebot. Man löste sich von der AWO und gründete im Jahr 2000 die Partnerfirma SDA GmbH – seit es diesen Wirtschaftsbetrieb gibt, fließen keine Zuschüsse seitens der Stadt mehr. Bei der SDA können Benachteiligte als fest angestellte Hilfskräfte unter Anleitung gestandener Handwerker und Profis im Berufsleben Fuß fassen. Seit 2002 gibt es am Lochweg das Second-Hand-Kaufhaus. Seit 2004 ist die Aplawia, die Mitglied in der Industrie- und Handelskammer ist und als Ausbildungsbetrieb fungiert, Träger von Hartz-IV-Maßnahmen.
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