KITZINGEN

Ewige Liebe in schnelllebiger Zeit?

Warum sich immer mehr Menschen über 60 trennen - und wieso Alleinerziehende keinen organisierten Treffpunkt mehr brauchen
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Alleinerziehende haben es nicht leicht. Beratungsangebote gibt es bei der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit, KASA. Foto: Foto: Peter Kneffel/dpa

Der Treffpunkt für Alleinerziehende hat sich aufgelöst. Eine Nachricht, die diese Redaktion vor kurzem erreichte. Eine Nachricht, die Fragen aufwirft. Petra Hösch hat die Antworten.

Seit wann gab es den Treffpunkt für Alleinerziehende?

Hösch: Seit 2011. Anfang der 2000er Jahre gab es schon mal ein ähnliches Angebot von der evangelischen Kirche. Das hatten wir von der Diakonie quasi aufgegriffen.

Nach acht Jahren ist Schluss. Wieso?

Hösch: Weil die Beteiligten das Angebot in dieser Form nicht mehr wollten.

Wie viele Beteiligte gab es denn?

Hösch: Wir hatten einen festen Stamm von zehn bis zwölf Leuten. Die kamen regelmäßig über die Jahre und haben die Sachvorträge zum Schluss natürlich schon gekannt. Neue Interessierte kamen auch immer wieder, aber nicht mehr regelmäßig.

Es wird keine entsprechenden Angebote mehr geben?

Hösch: Wir wollen ein paar Mal im Jahr einen Brunch für Alleinerziehende anbieten. Aber die Vernetzung findet mittlerweile auch ohne uns statt. Alleinerziehende finden durch die sozialen Medien schneller Gleichgesinnte.

Die Beratung für Alleinerziehende ist davon nicht betroffen?

Hösch: Nein, und das ist ganz wichtig. Unser Beratungsangebot gilt nach wie vor und wird auch gut angenommen. Wir haben jedes Jahr zwischen 30 und 50 Alleinerziehende, die bei uns Rat suchen.

Mit welchen Fragen kommen diese Menschen zu Ihnen?

Hösch: Das ist ganz individuell. Aber meistens geht es kurz nach einer Trennung/Scheidung um emotionale Dinge, später auch um die finanziellen Fragen.

Kommen zu Ihnen vor allem die Frauen?

Hösch: Auf jeden Fall mehr Frauen als Männer. Die Männer haben oft Fragen rund um das Sorgerecht, die Frauen wollen und müssen sich auch um ihre finanzielle Versorgung kümmern.

Die immer noch schwierig ist?

Hösch: Klar, auch wenn die jüngere Generation der Frauen Kinder und Beruf leichter vereint, als das früher der Fall war. Wir haben jetzt auch vermehrt Paare über 60, die sich trennen. Das ist in der Regel gleichbedeutend mit einem finanziellen Desaster für die Frauen.

Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Hösch: Mit einer gesellschaftlichen Veränderung. Für frühere Generationen war die finanzielle und emotionale Absicherung im Alter wichtig. Ein abbezahltes Häuschen, eine intakte Familie. Jetzt ist die – vermeintliche – Lebensqualität des Einzelnen wichtiger geworden.

Und Scheidungen sind keine Ausnahme mehr?

Hösch: Patchwork-Familien haben kein Stigma mehr. Das ist auch gut so. Trennungen sind trotzdem niemals leicht. Das gilt für alle Beteiligten.

Worauf sollte man auf alle Fälle achten?

Hösch: Bei einer Trennung ist es natürlich immer schwierig, fair zu bleiben und das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Aber es wichtig, sich zurückzunehmen.

Nimmt die Zahl der Trennungen zu?

Hösch: Laut Statistik sinkt sie seit ein paar Jahren in Deutschland. Allerdings auf hohem Niveau. 2017 gab es etwa 153 000 Scheidungen. In meinen Beratungen habe ich aber schon den Eindruck, dass die Zeit schnelllebiger geworden ist, dass sich Menschen schneller trennen, als das früher der Fall war.

Was empfehlen Sie den Menschen, wenn sie das erste Mal zu Ihnen kommen?

Hösch: Ich gebe immer die Empfehlung, zu einer Ehe- oder Paarberatung zu gehen. Mitunter sind Beziehungen/Ehen noch zu retten, der Austausch und die Reflexion sind dafür allerdings die Grundlage. Das geht natürlich nur freiwillig. Ich kann niemanden zwingen, zu einer Beratung zu gehen.

Gibt es genug Beratungsangebote im Landkreis?

Hösch: Wir haben in Kitzingen ein sehr dichtes soziales Netz. Sollte doch mal ein Angebot fehlen, ist Würzburg nicht weit. Dort gibt es übrigens auch weiterhin einen Treffpunkt für Alleinerziehende.

Kontakt: KASA – Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit. Petra Hösch, Mühlbergstr. 1 in Kitzingen. Tel.: 09321/133816, Mail: kasa@diakonie-kitzingen.de

Angebot: Beratung für Einzelne und Familien; Informationen über gesetzliche Ansprüche und Selbsthilfegruppen; Unterstützung beim Umgang mit Behörden, Formularen, Anträgen; Vermittlung an weiterführende Stellen; Energiesparcheck für Privathaushalte mit geringem Einkommen. Die Beratung steht allen offen – unabhängig von Alter, Religion und Nationalität.

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